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Anatol Heib
Redaktor Community/Crossmedia/Digital


«Es ist nicht unser Tagesgeschäft, Nutzer vor den Kadi zu zerren»

Aktualisiert am 27.04.2012

Der Schweizer Filehoster Rapidshare will sich nicht dazu verpflichten lassen, Kunden-Uploads stärker zu kontrollieren. Das Interview mit Rapidshare-Chefin Alexandra Zwingli und Firmenanwalt Daniel Raimer.

1/9 Rapidshare ist kürzlich von Cham nach Baar umgezogen.
Bild: Anatol Heib

   

«Müssen kein schlechtes Gewissen haben»: Rapidshare-Chefin Alexandra Zwingli.

«Halten es aber für falsch, aus unseren Bemühungen eine rechtliche Verpflichtung abzuleiten»: Rapidshare-Anwalt Daniel Raimer.

Über Rapidshare

Alexandra Zwingli ist seit September 2011 Chefin von Rapidshare. Anwalt Daniel Raimer vertritt das Unternehmen in rechtlichen Fragen.

Rapidshare.de wurde von Christian Schmid entwickelt und ging im August 2004 online. 2006 wurde die Rapidshare AG mit Sitz in der Schweiz gegründet. Der aktuelle Standort befindet sich in Baar (ZG), wo das Unternehmen 60 Personen beschäftigt. Umsatzzahlen gibt Rapidshare nicht bekannt.

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Der neuste Kino-Blockbuster, die aktuelle TV-Serie: Auf Filehostern kann man gratis Inhalte herunterladen, wofür man eigentlich bezahlen müsste. Haben Sie kein schlechtes Gewissen?
Alexandra Zwingli: Nein. Swisscom und Cablecom werden ja auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn über ihre Leitungen illegales Material heruntergeladen wird. Das illegale Material ist ein Problem, aber wir tun dagegen, was wir können.

Weshalb wehrt sich Rapidshare dann gegen stärkere Kontrollen von Kunden-Uploads, wie es die Content-Anbieter fordern?
Daniel Raimer: Wir wollen unseren Beitrag leisten, sind aber der Meinung, dass es in erster Linie unsere Sache ist, sich um die Probleme der Rapidshare-Nutzer zu kümmern. Wir beteiligen uns seit Jahren freiwillig an der Bekämpfung von Missbräuchen und suchen im Web aktiv nach Rapidshare-Links, die auf urheberrechtlich geschütztes Material führen. Wir halten es aber für falsch, aus unseren Bemühungen eine rechtliche Verpflichtung abzuleiten.

Weshalb?
Daniel Raimer: Es ist völlig unklar, welche Folgen so ein Urteil in der Praxis hätte. Ich möchte keinen Richter, der hinter Rapidshare steht und anschliessend befindet, dass wir zu wenig getan haben. Es stellt sich auch die technische Frage: Wie genau soll diese aktive Suche und Kontrolle vonseiten Dritter aussehen? Das ist eine komplizierte Aufgabe.

Aber der Filmindustrie beispielsweise gehen durch Rapidshare und Co. bedeutende Einnahmen verloren.
Daniel Raimer: Wir wollen das Problem nicht verharmlosen, es wird da aber auch gerne übertrieben. Immerhin hat die Filmindustrie nach wie vor Budgets von ein paar Hundert Millionen Dollar, um Filme zu produzieren. Ganz so dramatisch kann es also nicht sein.

In den Niederlanden wollte der Verband Sabam durchsetzen, dass Filehoster mit einem technischen Filtersystem das Copyright durchsetzen.
Alexandra Zwingli: Das ist schon moralisch sehr fragwürdig. Nur weil irgendeine Datei auf irgendeinem Weg durchs Web transportiert wird, weiss man ja noch lange nicht, welche Absicht dahinter steht. Das Oberlandesgericht Hamburg hat uns beispielsweise bestätigt, dass alleine das Hochladen einer Datei keine illegale Handlung ist. Daniel Raimer: Die Gesellschaft muss sich auch die Frage stellen, wie viel Überwachung sie will. Wenn die eigenen Daten gescannt werden, ist man vielleicht nicht mehr so begeistert. Die Vertreter der Content-Industrie zeichnen auch gerne das Bild vom kriminellen Internet, wo, bitte schön, mal so nebenbei alle Nutzer überwacht werden sollen.

Fehlt es in der Filmindustrie an genügend attraktiven Bezahlangeboten?
Daniel Raimer: Natürlich muss sich die Branche fragen, weshalb Nutzer überhaupt gratis urheberrechtlich geschütztes Material herunterladen. In der Musik hat ja iTunes gezeigt, dass mit guten Angeboten die Zahl der illegalen Downloads sinkt und die Industrie gutes Geld verdient.

Was tut Rapidshare gegen Urheberrechtsverletzungen?
Alexandra Zwingli: Wir setzten von Anfang an auf unser Anti-Abuse-Team. Es besteht mittlerweile aus 17 Leuten und bildet inzwischen die grösste Abteilung. Sie gehen Meldungen von Nutzern nach, durchforsten aber in erster Linie selber das Web nach problematischen Rapidshare-Links. Wir haben schnell festgestellt, dass es beispielsweise Diskussionsforen gibt, die sich darauf spezialisiert haben, illegale Links zu posten.

Melden Sie den Behörden Verstösse?
Alexandra Zwingli: Bei Verstössen löschen wir die hochgeladene Datei. Wenn die Person mehrmals illegales Material verlinkt hat, wird sie bei Rapidshare gesperrt. Aber den Nutzer aktiv melden? Ich weiss nicht, ob wir das überhaupt dürfen.
Daniel Raimer: Es gehört nicht zu unserem Tagesgeschäft, Nutzer vor den Kadi zu zerren. Dafür sind die Rechteinhaber des Werks zuständig.

Nach der Schliessung von Megaupload verzeichnete Rapidshare einen starken Anstieg der Nutzer. Das zeigt doch genau, wofür ihr Dienst genutzt wird.
Alexandra Zwingli: Nein. Es zeigt nur, was einige User glauben, wofür unser Portal gedacht ist. Nach der Megaupload-Schliessung suchten viele verzweifelt einen neuen Hoster. Einige landeten definitiv bei uns. Darüber sind wir nicht glücklich. Aber es hat ja nicht nur Megaupload betroffen. Andere Filehoster haben bereits geschlossen, weil sie wissen, wofür ihr Portal vor allem gedacht war. Wir haben sofort damit begonnen, das Download-Tempo zu drosseln. Eine Website, die Filme via Rapidshare anbot, ist deshalb bereits ausgewichen.

Wie hoch ist der Anteil der illegalen Daten, die bei Rapidshare hochgeladen werden?
Alexandra Zwingli: Unsere Schätzungen gehen von einem niedrigen einstelligen Prozentbereich aus.

Das glauben wir Ihnen nicht. Den grössten Traffic machen doch auch bei Rapidshare die illegalen Inhalte aus.
Alexandra Zwingli: Das ist die Sichtweise der Rechteinhaber und ihrer Anwälte, da die meisten von ihnen sich nur wegen der Urheberrechtsverletzungen überhaupt mit Rapidshare befassen. Da ist es sogar nachvollziehbar, dass sie diesen Eindruck erhalten und verbreiten. Aber wer Rapidshare legal nutzt und kein Interesse an Urheberrechtsverletzungen hat, hat keinen Grund, das lauthals der Öffentlichkeit kundzutun, und liefert im Normalfall weder Anlass für Gerichtsverfahren noch für Zeitungsartikel.

Welche Pläne haben Sie mit Rapidshare?
Alexandra Zwingli: Wir sehen im Cloud Computing unsere Zukunft. Für uns spielt es keine grosse Rolle, ob ein privater Kunde oder eine Firma bei uns Daten lagert. Als Schweizer Unternehmen haben wir automatisch auch eine grössere Vertrauenswürdigkeit. Dieser wollen wir gerecht werden. Denn manchem Nutzer ist es vielleicht unwohl dabei, dass seine Daten irgendwo auf einem Server in den USA gelagert sind.

Daniel Raimer: Wir setzen sehr stark auf das Vertrauen der Nutzer. Deshalb fechten wir, auch stellvertretend für unsere User, rechtliche Kämpfe aus. Wir könnten diese auf anderem Weg schnell beenden und uns den Wünschen der Content-Industrie beugen. Doch dadurch würden wir das Vertrauen der Nutzer verspielen und uns für Kunden mit wichtigen Dateien uninteressant machen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.04.2012, 11:00 Uhr

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