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Anatol Heib
Redaktor Community/Crossmedia/Digital


Die schwierige Arbeit eines Pädophilen-Jägers

Aktualisiert am 04.04.2012

Sie suchen von Berufs wegen nach Kinderpornos und müssen Bilder sichten, die an Brutalität nicht zu überbieten sind: Thomas Walther vom Fedpol über die belastende Arbeit der Schweizer Internetfahnder .

1/3 Die Mehrheit der Verdachtsdossiers des vergangenen Jahres resultiert aus der Überwachung von P2P-Netzwerken nach Kinderschändern. Der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) gelang es, 214 Personen zu identifizieren, die aktiv am Austausch von Kinderpornografie auf P2P- Netzwerken beteiligt waren.
Bild: Keystone

   

«Sämtlichen Mitarbeitern steht ein psychologischer Dienst zur Verfügung.» Thomas Walther vom Fedpol. (Bild: PD)

Kobik

Thomas Walther ist Kommissariatsleiter beim Bundesamt für Polizei Fedpol. Dazu gehört auch die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik).

Sie besteht laut Walther aus zehn Vollzeitmitarbeitern, deren Schwerpunkt auf Kinderpornografie festgelegt worden ist. Zusätzlich verfügt die Bundeskriminalpolizei mit dem Kommissariat Pädokriminalität über weitere Mitarbeitende, welche sich der Bekämpfung der Kinderpornografie annehmen und sehr eng mit Kobik zusammen arbeiten.

1206 Meldungen erhalten

Die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität Kobik hat sich im letzten Jahr mit 1206 Meldungen über harte Pornografie befassen müssen. Harte Pornografie blieb somit die Kategorie mit den meisten Meldungen. 90 Prozent davon betrafen Kinderpornografie.

Wie die zum Bundesamt für Polizei Fedpol gehörende Kobik am Dienstag mitteilte, ging im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Verdachtsmeldungen zu Kinderpornografie zwar etwas zurück. Daraus könne aber nicht darauf geschlossen werden, dass solche Inhalte und Verstösse im Internet effektiv abgenommen hätten.

Der Rückgang sei in erster Linie darauf zurückzuführen, dass diese Inhalte öffentlich immer weniger sichtbar seien. Pädokriminelle zögen sich bewusst in geschlossene oder nur schwer zugängliche Plattformen - Foren, Gruppen, soziale Netzwerke - zurück. Das erlaube ihnen einen diskreteren und anonymeren Austausch von kinderpornografischem Material. (sda)

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Die Internetfahnder werden bei ihrer Arbeit täglich mit kinderpornografischen Inhalten konfrontiert. Wie halten die Polizisten das aus?
Man entwickelt automatisch einen «professionellen» Blick. Wir betrachten das Bild nicht mehr als Ganzes und in seiner vollen Bedeutung, sondern konzentrieren uns auf die strafrechtlich relevanten Elemente und die Überführung der Täter.

Wieso machen Sie diesen Job?
Die tägliche Motivation liegt darin, einen Beitrag für die Überführung eines Täters oder des Schutzes von potenziellen Opfern vor (weiteren) Übergriffen zu leisten.

Wie verarbeiten die Polizisten das Gesehene?
Das ist unterschiedlich. Wo einige bewusst den objektiven und professionellen Blick anwenden, um die Sache von sich möglichst fernzuhalten, ziehen andere aus den bewegenden Inhalten ihre persönliche Motivation für den alltäglichen Einsatz.

Sprechen die Polizisten auch mit den Arbeitskollegen darüber?
Die Internetfahnder sind immer mindestens zu zweit in einem Büro. Dadurch können sie das Gesehene gemeinsam besprechen und verarbeiten. Zudem wird dadurch einer allfälligen Isolierung des Internetfahnders vorgebeugt. Sämtlichen Mitarbeitern steht bei Fedpol jederzeit ein psychologischer Dienst zur Verfügung. Dennoch ist die psychische Belastung bei der Sichtung von strafbaren Inhalten gross. Deshalb hat Kobik das Projekt der Nationalen Datei- und Hashwertesammlung (NDHS) umgesetzt.

Welche Funktion hat diese Datenbank?
Sie ermöglicht den kantonalen Ermittlern den raschen Abgleich von beschlagnahmten Bild- und Videodateien mit bereits bekannten und als strafbar qualifizierten Dateien der durch Kobik betriebenen Sammlung. Der Polizist lädt die beschlagnahmten Dateien hoch, welche dann mit der Datenbank auf den Servern abgeglichen wird. So werden die kantonalen IT-Ermittler bei der Sichtung des Materials entlastet – und sie können die eingesparten Ressourcen bei der Verfolgung von relevanten (noch unbekannten) Fällen einsetzen.

Was finden die Polizisten bei ihren Recherchen alles vor?
Die Spanne der strafrechtlich relevanten Inhalte im Internet kennt keine Grenzen. Angefangen von einfachen Teen-Modelling-Seiten (nicht strafbar, Grauzone) bis hin zu extremen Missbrauchsvideos mit anschliessender Tötung des Kindes; leider gibt es nichts, womit Kobik nicht bereits beschäftigt war.

Was war das Schlimmste, das Polizisten je gesehen haben?
Ich kann nur über meine eigenen Erfahrungen sprechen. Die Ermordung von Kindern, die Hoffnungslosigkeit in den Augen der Kinder und die Kaltblütigkeit der Täter – solche Bilder sind nur schwer abzulegen.

Trotz professioneller Einstellung und umfassender Betreuung: Auf Dauer kann man diesen Job doch nicht machen...
Ein permanenter und ausschliesslicher Einsatz im Bereich der Kinderpornografie-Fahndung wäre psychisch kaum über einen längeren Zeitraum ertragbar. In die Zuständigkeit von Kobik fallen ja auch sämtliche weiteren Straftaten, welche im oder mittels Internet verübt werden. Daher gibt es Abwechslung. Dadurch kann sich ein Fahnder auch immer wieder anderen, weniger belastenden Themen zuwenden. Ausserdem ist der technische Wissenserhalt notwendig, wodurch sich jeder Fahnder auch weiterbilden muss.

Mit welchen Menschen haben es die Polizisten zu tun?
Den typischen Kinderporno-Konsumenten gibt es nicht. Es betrifft alle sozialen Schichten. Vom Arbeitslosen, welcher aus Langeweile mit Kindern chattet, über den Sexsüchtigen, welcher ein junges und unerfahrenes «Objekt» sucht, bis hin zum Topkader, welcher seine sexuellen Fantasien ausleben will.

Wie muss man sich die Arbeit eines Internetfahnders vorstellen?
Entweder man geht einem Verdacht aus der Bevölkerung oder der in- und ausländischen Partner nach. Das sind Hinweise auf einen Blog, ein Forum, einen Chat oder eine Internetseite. Dann recherchiert man auch verdachtsunabhängig in durch die Analysetätigkeit definierten Bereichen des Internets. Dazu gehören unter anderem auch Tauschbörsen. Aus einsatztechnischen Gründen kann ich aber nicht weiter darauf eingehen.

Welchen beruflichen Hintergrund haben die Cyber-Polizisten?
Dies ist sehr unterschiedlich. In den letzten Jahren konnten wir vermehrt Mitarbeiter aus den kantonalen Polizeikorps für Kobik gewinnen. Viele der technischen oder juristischen Anforderungen erfordern jedoch eine spezifische Ausbildung, die ein Polizist im Normalfall nicht mit sich bringt. Wir legen viel Wert auf Vielseitigkeit. Den idealen oder perfekten Cyberpolizisten gibt es nicht. Nur in einem gemischten Team mit unterschiedlichem individuellem Wissen kann diese komplexe Problematik angegangen werden.

Ist es schwierig, neue Polizisten für diese Arbeit zu finden?
Die letzten Ausschreibungen haben gezeigt, dass sowohl Polizisten als auch diverse Studienabgänger ein grosses Interesse an einer Stelle bei Kobik haben. Dennoch ist es äusserst schwierig, geeignetes Personal zu finden. Die Anforderungen an Sprache, technische und juristische Kenntnisse und Erfahrung sind gross. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.04.2012, 16:32 Uhr

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