«Die Nutzer haben keine Kontrolle mehr über Facebook-Inhalte»
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 18.02.2009 35 Kommentare
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- Tipps des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten zu Sozialen Netzwerken
- Die neuen Facebook-Nutzungsbedingungen im Wortlaut (englisch)
- Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verteidigt das Vorgehen (englisch)
Artikel zum Thema
175 Millionen – so viele Frauen und Männer sind Mitglieder bei Facebook. Das hat das grösste soziale Netzwerk am Montag stolz verkündet. Weniger offen hat das Unternehmen die Änderung der Nutzungsbedingungen kommuniziert. Bislang galt: Was immer auch Facebook-Mitglieder auf ihre Profilseite stellen – ob Adressen, Fotos oder Videos – Facebook kann damit machen, was es will. Seit dem 4. Februar verzichtet der Facebook-Nutzer nun selbst dann auf das Nutzungsrecht, wenn er seinen Eintrag gelöscht hat.
Im Detail: Facebook sichert sich «eine unwiderrufliche, unbefristete, nicht-exklusive, übertragbare, vollständig bezahlte, weltweit gültige Lizenz (...)», die es dem Konzern gestattet, die von den Nutzern geposteten Inhalte «benutzen, kopieren, veröffentlichen, streamen, speichern, zurückbehalten, öffentlich aufführen oder darstellen, übertragen, scannen, formatieren, verändern, bearbeiten, übersetzen, auszugsweise veröffentlichen, anpassen, in derivativen Produkten verarbeiten und über verschiedene Wege verteilen» zu dürfen. Zusätzlich hat sich Facebook das Recht gesichert, mit den von den Mitgliedern gelieferten Inhalten zu werben.
Facebook als Schweizer Firma hätte ein Problem
Einmal auf dem Portal publiziert, können nun also auch Jahre nach der Löschung des Facebook-Eintrags private und peinliche Texte und Bilder in Anzeigen oder Newslettern von Facebook auftauchen. Zusätzliche Brisanz erhält die Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) dadurch, dass das Unternehmen diesen Schritt gemacht hat, ohne seine Mitglieder zu informieren. Erst das Technologieportal «The Consumerist» machte die neuen AGB am 15. Februar publik.
Dem Informationschef des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) stösst diese Taktik sauer auf: «Ich begreife nicht, warum Facebook die Änderung der AGB nicht klar und unmissverständlich seinen Mitgliedern kommuniziert hat», sagt Kosmas Tsiraktsopoulos. «Die Nutzer haben jetzt ein gravierendes Problem: Sie haben keine Kontrolle mehr über ihre Inhalte auf Facebook». Unter diesen Bedingungen müsse sich jeder Nutzer überlegen, ober es noch sinnvoll ist, Dienste von sozialen Netzwerken in Anspruch zu nehmen. Datenschutzexperte Tsiraktsopoulos ist überzeugt: «Wäre Facebook eine Schweizer Firma, würde sie gegen das Eidgenössische Datenschutzgesetz verstossen.»
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat inzwischen reagiert und versucht über einen Blogeintrag die Gemüter zu beruhigen. «Wir machen das nicht, um von Ihnen zu profitieren», schreibt er. Es gehe einzig darum, Facebook rechtlich zu schützen, wenn das Unternehmen es den Nutzern ermögliche, Inhalte mit anderen Nutzern und Diensten zu teilen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.02.2009, 14:22 Uhr
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35 Kommentare
Start Part2. So etwas wie Facebook hat Yahoo schon vor 10 Jahren gehabt. Natürlich nicht auf diesem Niveau. Btw hab ich meine heutige Frau so kennen gelernt, ich bin also kein Gegner dieser Platformen. Aber ich kann einige Beispiele nennen wo der Datenaustausch mit Behörden ganz klar stattgefunden hat. Netwoking ist nicht von Facebookern erfunden worden, das können Behörden schon seit 100 Jahren.. Antworten
@Vincent Affolter,,,das wird sich ganz schnell ändern wenn die Daten von den 'richtigen' ORganisationen eingesetzt werden. Nämlich dann, wenn Du in ein Land einreisen willst und dort schon mal registriert bist auf Grund von Datenhandel (Muss nicht FaceBook sein). Und dies nur, weil Du vielleicht die 'falschen' Freunde etc hast. Es geht hier nicht um Panikmache sondern um reelle Gefahren. Ende Part Antworten
Ich habe ein Beispiel von Missbrauch dieser Daten. Dieses Jahr, wie auch bei den vorherigen Jahre, bewerben sich nun Jugendliche für Lehrstellen. Wissen Sie was der Lehrmeister macht? er schaut zuerst die Person im Facebook an. Foto mit Bier in der Hand. Pech gehabt, auch wenn man es nicht selbst ins Netz getan hat. Was sagen Sie nun Herr Affolter? Vielleicht betrifft das Ihre (Gross-) Kinder! Antworten
Facebook ist nur ehrlich. Die tun das nicht, weil sie die Inhalte selber benützen, sondern weil sie keine Kontrolle mehr haben (Haftungsausschluss). Was ist denn mit der staatlichen Datenspeicherung: gescannte Mails, registrierte Bewegungen von Handys oder von GPS-Geräten (Aufzeichnungen zur Geschwindigkeitskontrolle z.B.) Videoaufzeichnungen von öffentlichen Veranstaltungen etc. Antworten
Finde es ja auch furchtbar schlimm, dass ich nun 2-3 Spams mehr bekomme pro Woche... Im ernst, ich glaube, hier nehmen sich einige Leute ein wenig zu wichtig. Hat FB halt meine Daten, kümmerts mich? Zahl ich darum mehr Steuern? Steh ich im Coop länger an? Hab ich später Feierabend? Denkt mal pragmatisch. Ich war schon oft froh um gewisse FB-Features, mir doch egal, was die mit meinen Daten machen. Antworten
Sind das etwa neue News! Also jeder Internet User wies doch ganz genau was mit seinen Daten passieren kann wenn er Sie öffentlich macht. Ich kann da nur sagen das jeder selber verantwortlich ist was für Daten man öffentlich macht und was nicht. Und jetzt ärgern sich die Facebookuser. Vor was denn ??? Antworten
Man kann nur hoffen, dass unter den Facebook-Benutzern, keine Gegner von Überwachungskameras im öffentlichen Raum sind, denn ihre Veröffentlichen lassen doch manchmal staunen, was für private Daten und Bildern den übrigen millionen von Internetbenutzern zugemutet werden kann. Antworten
Es ist nicht möglich einen Facebook account zu löschen, er kann nur "deaktiviert" werden.. das war schon immer so.. sobald man sich erneut einloggt ist der account wieder online.. aber spart euch das aufgesetzte entsetzen, jeder sollte gewusst haben dass er infos öffentlich publiziert... und das Facebook von diesen Infos lebt.. Oder dachtet Ihr Zuckerberg arbeitet nebenbei um fb zu betrieben? Antworten
In peinlichen Castings bei Music-Star oder Nachmittags-Psycho-Sendungen outen sich Menschen aus unreflektierter Lust am öffentlichen Auftritt. Auch das kann jederzeit wieder hervorgeholt und ausgestrahlt werden. Da kommen später plötzlich peinliche Jugendsünden zum Vorschein. Selbst schuld, kann ich nur sagen. Antworten
Würden alle facebook Benutzer soviel Zeit und Begeisterung in Ihre Arbeit stecken wie in diese Plattform ,so wäre unserer Wirtschaft bestimmt mehr gedient. Echte Freunde und Netzwerke zu haben das zählt und nicht diese interaktiven Belanglosigkeiten. Das zeigt wie sehr es die heutige Gesellschaft nötig hat sich auszustellen und mitzuteilen. Nutzen gleich null, Peinlichkeit hoch drei! Antworten
Facebook ist nur einer unter vielen, welche "völlig harmlos" Daten sammeln. Die einen ködern es mit angeblichem sozialem Netzwerk, andere mit besseren beruflichen Chancen und wieder andere mit gesammelten Punkten. Es ist wahrscheinlich, dass sie alle das gleiche wollen: mit den gesammelten Daten Geld verdienen! Wen wunderts? Antworten
Unverständlich, wie viele hier unkritisch (und unwissend) Facebook in Schutz nehmen. - Es ist ja nicht so, dass alle ihre Daten freiwillig liefern. Auf Facebook sind Millionen von Fotos publiziert - und viele der Abgebildeten wissen nicht einmal davon. Und es werden Texte über einzelne Personen publiziert - und die Betroffenen können nichts dazu sagen, wenn sie nicht zufällig davon erfahren... Antworten
Das bedeutet für uns Benützer: einfach nur Dinge hochladen, die eh öffentlich sind und die eigentlich jedeR wissen dürfte. Damit hat sich's; seid mal nicht so paranoid. Bei all den Millionen von Nutzern wäre von facebook-Seite her zu überlegen, ob nicht freiwillige Spenden aus Dankbarkeit einen Anteil an die Kosten leisten könnten. Antworten
@Giacun Dermont: Ach ja, noch etwas. Viele der Facebookuser sind Jugendliche. Und einige davon fast noch Kinder. Niemand hat diese gewarnt. Man kann nicht einfach sagen: selber schuld. Ich, zum Beispiel, wäre selber schuld, aber doch nicht eine 12-jährige, die sich überhaupt kein Begriff unter Datenschutz/Personenschutz vorstellen kann, geschweige denn, was die Konsequenzen davon sind! Antworten
Um ehrlich zu sein, war sich niemand bewusst, was das genau bedeutet. Die Konsequenzen muss definitiv jeder selber tragen. Allerdings sind Leute betroffen, die vielleicht nichts damit zu tun haben. Zum Beispiel wenn ein User ein Bild eines anderen Users ins Facebook stellt, und dieser dann auch noch markiert, dann kann man im Prinzip nichts dafür, doch wie will man das der Welt erklären? Antworten
Auch ich bin bei Facebook dabei- nicht um "Seelenstriptease" zu machen, sondern ganz einfach weil es ein toller Weg ist, mit meinen Bekannten im Kontakt zu bleiben. Aber nun werde ich (wohl zu spaet) mein Konto dort wohl loeschen und andere Wege suchen, mit meinen alten, wiedergefundenen Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben. Antworten
Ich gebe es ja zu. Ich war noch nie auf facebook. Wegen der einfachen Tatsache, dass man sich erst registrieren muss, bevor man überhaupt sich anschauen kann, was Facebook überhaupt ist. Ich ich möchte prinzipiell erst wissen, auf was ich mich einlasse, bevor ich mich einlasse. Nur Hütchenspieler und Buchclub-Verkäufer wenden solche Methoden an. Aber die sind komischerweise auch meist erfolgreich. Antworten
Facebook ist kostenlos und jede(r) kann selbst auswählen, welche Daten er übermitteln will. Facebook braucht Geld, um die Infrastruktur am Laufen zu halten. Facebook braucht Geld, um mehr Server zu kaufen für die 175 Mio User, die von Tag zu Tag mehr werden. Facebook braucht Geld für die Angestellten, die die Server und Facebook warten. Wenige der User wären bereit dafür zu bezahlen. Antworten
Wir machen das nicht, um von Ihnen zu profitieren». Ich beantragt, diesen Satz zum Witz des Jahrhunderts zu erkühren. Natürlich will niemand vom Internet profitieren. Schon gar nicht Leute wie Mark Zuckerberg. Er hat ja nur ein paar Milliarden Dollar kassiert für seine Idee. Antworten
Schon mal über Facebook nachgelesen auf der deutschen Wikepedia-Seite? Auch wenn Wikipedia mit Vorbehalt zu geniessen und der Abschnitt "Nachrichtendienstliche Auswertung" als "nicht hinreichend belegt" deklariert ist, stehen doch gewisse Fakten fest. Big Brother muss uns nicht watchen, wir geben ihm unsere Daten freiwillig... Antworten
Seit langem beobachte ich Ihre Berichterstattung über Facebook. Es gibt nur einige wenige Aspekte, die Facebook "notwendig" machen könnten. Aber viele, die die Einstufung von Facebook als "unnötig" erleichtern. An diesem Punkt, wo die selbst nicht mal für alle User zugänglich gemachten Informationen der Firma "übergeben" werden, sollte es für viele endgültig Schluss sein mit Facebook. Antworten
Klar, Facebook will auf keinen Fall Geld mit User-Postings verdienen, darum sichern Sie sich ja auch die uneingerschränkten Nutzungsrechte ;-) Alleine, dass die User über die Änderungen im Dunkeln gelassen wurden, könnte sich aber rechtlich nicht nur in der Schweiz als problematisch erweisen. Auf jeden Fall gilt, immer erst überlegen: "Will ich das wirklich veröffentlichen?". Antworten
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Martin Reif
Wenn Facebook seine AGB ändert ohne seine gegenwärtigen Nutzer zu informieren, ist das unzulässig und wird nicht dadurch legitimiert, dass deren User teils gedankenlos persönliche Daten einstellen. Antworten