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«Die Internetverwaltung Icann erhofft sich einen Goldesel»

Von Angela Barandun. Aktualisiert am 26.06.2011 1 Kommentar

Jurist Robert Briner sagt, was eine Adresse wie www.ubs.bank kosten könnte. Endungen für Internetadressen kann man künftig kaufen.

Das Hauptquartier der Internetfirma Icann im kalifornischen Marina del Rey.

Das Hauptquartier der Internetfirma Icann im kalifornischen Marina del Rey.
Bild: PD

Robert Briner

Er ist Partner bei der Anwaltskanzlei CMS von Erlach Henrici. Der 62-Jährige ist seit über 25 Jahren auf Technologie- und Markenrecht spezialisiert und doziert an der Uni Zürich.

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Herr Briner, die Internetverwaltung Icann will künftig beliebig viele Endungen für Internetadressen zulassen. Bund und Wirtschaft sind unglücklich darüber, was ist Ihre Meinung? Niemand ist mit dieser Änderung glücklich. Mich stört nicht, dass es künftig eine Endung wie .reisen geben könnte, sondern dass man sie kaufen kann.

Wo ist das Problem?
In einer idealen Welt würde die Endung von einer zentralen Organisation gekauft, bei der sich jeder um eine Internetadresse bemühen könnte. Es gäbe kuoni.reisen, tui.reisen oder hotelplan.reisen. Dazu wird es aber wohl kaum kommen. Stattdessen wird ein einzelnes Unternehmen versuchen, .reisen exklusiv für sich zu beanspruchen. Das birgt ein riesiges Konfliktpotenzial.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Stellen Sie sich vor, die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) reservierte als Erste die Endung .bank. Das würde bestimmt für rote Köpfe in der Chefetage der Credit Suisse sorgen. Und Bank bedeutet auf Deutsch und Englisch dasselbe. Es würde nicht lange dauern, bis beispielsweise die Bank of America die Endung für sich beanspruche würde. Und schon wären wir mitten in einem kostspieligen Rechtsstreit.

Die UBS könnte statt .bank ja einfach .ubs reservieren.
Ja, das könnte sie. Aber was macht sie mit .ubs-switzerland? Und mit Buchstabendrehern wie .usb? Es tun sich unendlich viele Möglichkeiten auf für Opportunisten. Wenn eine Firma es richtig machen will, muss sie am Schluss nicht nur eine Adresse reservieren, sondern sechs oder acht. Und das kostet jedes Mal 185'000 Franken – und meiner Meinung nach nochmals das Vierfache, bis fertig gestritten ist. Man muss sich ernsthaft fragen, ob sich das lohnt.

Hat eine Firma überhaupt die Wahl, wenn sie ihre Marke schützen will?
Marken alleine bieten heute oft zu wenig Schutz. Das Geld steckt man besser in die Stärkung des Brands.

Was ist der Unterschied zwischen einer Marke und einem Brand?
Alles kann eine Marke sein, es muss bloss eingetragen werden. Und zwar pro Land und für eine bestimmte Sparte. Nehmen wir etwa Interio. Die Marke ist in der Schweiz geschützt für Möbel, wahrscheinlich auch für Dienstleistungen rund um Möbel und im Detailhandel – wegen der Möbelhäuser. Wenn nun jemand Interio als Marke für Treuhandberatung registriert, ist das Möbelhaus machtlos. Und sobald der Treuhänder .interio reserviert, wird es schwierig.

Und ein Brand?
Das ist eine weltweit bekannte Marke, hinter der ein Bild steht. Sie hat einen emotionalen Wert. Brands wie CocaCola, Nestlé oder Volkswagen geniessen einen erweiterten Schutz.

Also lassen sich Brands eher verteidigen als Marken?
Ja, aber nicht immer. Ein gutes Beispiel sind chinesische Internetadressen von europäischen Brands. Chinesische Firmen melden die Webseite an, ein Ableger meldet das dem Markeninhaber und fragt, ob man in dessen Auftrag gegen die chinesische Firma vorgehen soll. Das kostet viel Geld, die Erfolgschancen sind meistens gleich null. Wir raten unseren Klienten, solche Schreiben zu ignorieren. Selbst wenn man einen solchen Prozess gewinnt, taucht sofort eine neue, leicht abgeänderte Variante auf – etwa mit Bindestrich. Das ist eine Hydra. Sie können so viele Köpfe abschlagen, wie Sie wollen, es wächst immer wieder ein neuer. Das wird durch die neuen Endungen nur noch schlimmer.

Wenn es nur Nachteile gibt, wieso macht Icann so etwas?
Das frage ich mich auch. Mein spontaner Gedanke war, dass Icann sich davon einen Goldesel erhofft. Darum ist die Bewerbungsgebühr so hoch. Icann hat die Macht, Exklusivität zu verkaufen – technisch, wirtschaftlich und politisch. Also macht die Organisation Geld damit.

Icann argumentiert, dem Internet gingen die Adressen aus.
Das stimmt auch. Allerdings gibt es für dieses Problem auch andere Lösungen. Die Engländer etwa haben ihre Landeskürzel .uk unterteilt. Firmen-Adressen enden auf .co.uk.

Wäre das in der Schweiz möglich?
Selbstverständlich. Die Kompetenz dafür liegt beim Bund.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.06.2011, 19:12 Uhr

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1 Kommentar

Thomas Berger

27.06.2011, 09:23 Uhr
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Diese Mengenausweitung hilft gegen Domain-Grabbern, die nur zu Spekulationszwecken tausende von Internetadressen hamstern! Es ist schwierig geworden, eine freie Adresse zu finden! Wichtig auch, dass die Domaingebühren wieder deutlich erhöht werden, z.B. auf 100.- pro Jahr. Das kann sich jeder leisten, legt aber den Spekulanten das Handwerk, die so nicht mehr wahllos alles reservieren können. Antworten



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