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Die App gegen HIV

Von Roger Zedi. Aktualisiert am 07.04.2012

Plakate kleben und Kondome verteilen war gestern – eine neue Art von HIV-Prävention setzt auf Smartphone-Apps und Rabattgutscheine.

Wollen mit ihrer App die HIV-Infektionskette brechen: Andreas Lehner (l.) und Hans Peter Waltisberg.

Wollen mit ihrer App die HIV-Infektionskette brechen: Andreas Lehner (l.) und Hans Peter Waltisberg.
Bild: Sophie Stieger

Kostenlose App

www.breakthechain.ch/de

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Sie heissen Grindr, Pinkmap oder Gay Romeo: Dating-Apps, die man auf den Smartphones der meisten Schwulen findet. Zu ihnen gesellt sich nun eine weitere App: Break the Chain. Das ist zwar keine Dating-App, doch ihr Anliegen hat durchaus mit dem Sexleben von schwulen und bisexuellen Männern zu tun. Wenn auch mit einem Aspekt, der gerne ausgeblendet wird: HIV. Wer die App auf sein iPhone oder Androidhandy lädt, ein paar Fragen zu seinem Sexleben beantwortet und gelobt, den April über aktiv etwas dafür zu tun, dass die HIV-Ansteckungskette durchbrochen wird, bekommt zur Belohnung direkt innerhalb der App eine Reihe von Rabattgutscheinen.

«Es ist die erste Kampagne zum Mitmachen», sagt Hans Peter Waltisberg (46) vom Checkpoint Zürich, der das Projekt zusammen mit Andreas Lehner und dem Bundesamt für Gesundheit in nur sechs Monaten umgesetzt hat. Die Schwulen wüssten schon länger, wie sie sich vor einer HIV-Infektion schützen können und hielten sich meistens auch daran – reine Aufklärungskampagnen drohten daher zu verpuffen. «Bei Break the Chain kann jeder seinen Beitrag leisten», sagt er, «ob jung oder alt, ob HIV-negativ oder -positiv, wir schliessen niemanden aus.» Die Vorsätze, die man sich nehmen kann, reichen etwa von «Ich bespreche mit meinem Partner, ob unsere Seitensprungregeln noch sinnvoll sind» über «Ich habe einen Monat lang nur safe Sex» bis zu «Ich verzichte ganz auf Sex – Yoga macht auch Spass».

Doppelt so viele HIV-Positive?

Der Hintergrund von Break the Chain ist durchaus ernst. In jüngster Zeit nehmen in der Schweiz die Neuansteckungen unter Männern, die Sex mit Männern haben, wieder zu – derzeit sind es über 200 jährlich. «Wenn das so weitergeht, haben wir 2020 doppelt so viele HIV-Positive wie heute», sagt Hans Peter Waltisberg. Insbesondere unter festen oder regelmässigen Sexpartnern, also unter Leuten, die sich vertrauen, werden die Safer-Sex-Regeln nicht immer strikt eingehalten. Umso schneller verbreitet sich jede Neuansteckung innerhalb dieser vermeintlich sicheren Sexnetzwerke.

Vier von fünf Neuansteckungen passieren, bevor der Betroffene selbst merkt, dass er sich infiziert hat. In den ersten Monaten der Ansteckung ist man ausserdem 20- bis 100-mal ansteckender als später. «Darum kann schon ein Monat, in dem möglichst viele strikt darauf achten, nicht Teil einer HIV-Infektionskette zu sein, einen Unterschied machen», ist Co-Projektleiter Waltisberg überzeugt. Die Aktion soll fortan jedes Jahr laufen, bis mindestens 2017. Break the Chain hat auch schon im Ausland Aufmerksamkeit geweckt.

Mit Rabattgutscheinen ködern

Dass man die Schwulen heute am besten via App erreicht (es gibt auch eine Website und eine Facebook-Page), ist nachvollziehbar. Doch sind die ganzen Rabattgutscheine nötig? Sind die Schwulen wirklich so oberflächlich und nur noch auf der Konsumschiene ansprechbar? «Wir erreichen so mehr Leute als mit einer reinen Aufklärungskampagne – auch solche, die denken, das Thema gehe sie nichts an», sagt Waltisberg. Und selbst jene, die bloss der Rabatte wegen mitmachen, müssen sich mindestens ein paar Minuten lang mit dem Thema befassen, womit man bereits mindestens so viel erreicht hat wie jede andere Kampagne zuvor.

Die Rabatte haben aber noch einen weiteren Aspekt: Sie sollen die Gay-Community wieder etwas sichtbarer machen, denn die Szene hat sich stark ins Virtuelle verlagert. Preisnachlässe gibt es im Übrigen unter anderem in einschlägigen Bars, Clubs, Saunen und Sexshops, aber auch in Sportclubs, Hotels, Reisebüros, Cafés, Kleiderläden und Warenhäusern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.04.2012, 09:19 Uhr

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