Apple veräppelt?

Ein kleines Berliner Unternehmen fordert den Weltkonzern Apple heraus: Mit einem geklonten iPad. Das Gadget nennt sich WePad und scheint dem Vorbild haushoch überlegen. Kann das wirklich sein?

Video: Reuters

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Das Berliner Tablet sieht Apples neuem Kassenschlager zum Verwechseln ähnlich. Im Unterschied zum iPad gibt es aber eine Webcam, zwei USB-Anschlüsse und dazu ist es multitaskfähig. In letzter Minute sei dem WePad auch noch eine HDMI-Schnittstelle verpasst worden, wie verschiedene deutsche Onlinemedien schreiben. Ein weiterer Trumpf, der versprochen wird: Das Gerät spielt Flash-Anwendungen ab.

Auch die angekündigten technischen Leistungsdaten übertreffen das iPad. So arbeitet der Prozessor, ein Intel Atom N450, mit 1,66 Gigahertz wesentlich schneller als Apples Chip (1,0 Gigahertz). Das berührungsempfindliche Display ist mit 11,6 Zoll ebenfalls grösser. Das WePad ist aber mit 800 Gramm schwerer als das iPad (680 Gramm).

Eindeutig ist, das iPad kommt eleganter daher, im Design ist Apple unschlagbar. Dafür ist das WePad viel offener. Es basiert auf dem freien System Linux.

Meldung geht um die Welt

Gestern wurde in Berlin erstmals ein Prototyp des WePads der Öffentlichkeit präsentiert – und die Meldung mit den dazugehörigen technischen Daten geht sofort um die Welt. Sogar internationale Nachrichtenagenturen berichten über das «German tablet.»

Das Publikum staunte bei der Vorstellung in einem Hotel. Eine kleine Berliner Firma hat geschafft, was nicht einmal Samsung, HTC, Nokia oder auch Apple selbst hinbekommen haben? «Wo ist die versteckte Kamera?», lautet denn auch die erste Frage bei der Pressekonferenz, wie n-tv.de berichtet.

Kooperation mit Ringier

Hinter dem Gerät steckt Helmut Hoffer von Ankershoffen und seine kleine Berliner Softwarefirma Neofonie mit 170 Mitarbeitern. «Wir sind nicht der iPad-Killer», sagt Hoffer von Ankershoffen. «Aber unser Gerät ist flexibler als das iPad», findet er.

Anwendungen für das WePad sollen über verschiedene Plattformen abrufbar sein, darunter die Google-Entwicklung Android. Dieser Ansatz, für möglichst viele Systeme offen zu sein, ist eine Kampfansage an Apple. Neofonie stellte gestern zwei namhafte Verlage als Kooperationspartner vor: Gruner+Jahr («Stern», «Geo») sowie Ringier («Blick», «Cicero»).

Neofonie bietet den Verlagen an, das Gerät unter ihrem Namen zu vertreiben, wie die «Berliner Morgenpost» schreibt. Die Idee: Verlage verkaufen das WePad zu einem geringeren Preis im Verbund mit einem Abonnement.

Ab Sommer im Handel

Von August an steht das WePad in den Läden. Bestellt werden kann ab dem 27. April. Das billigste WePad wird 449 Euro kosten. Die teuerste Version, die via UMTS das Surfen überall möglich macht, wird für 569 Euro angeboten. Wie viel Apples iPad kosten wird, ist noch nicht bekannt, deutlich teurer wird es nicht werden.

Das WePad kann bereits vorbestellt werden. Ausgeliefert wird ab Juni in zunächst kleinen Stückzahlen. «Wir haben bereits über 20'000 Vorbestellungen», freut sich von Ankershoffen.

WePad, das grosse Phantom

Oder ist am Ende doch alles nur ein Schwindel? Wie n-tv.de in einem Bericht kritisch anmerkt, sei auf dem gestern vorgestellten Prototyp fast gar nichts gelaufen. Auf dem Gerät sei lediglich ein Demonstrationsfilmchen abgespielt worden. «Ein digitaler Bilderrahmen, was ist denn das?», habe ein enttäuschter Technik-Freak im Publikum gerufen. Niemand der Anwesenden durfte den Touchscreen berühren.

Auch «Spiegel online» schreibt von einem grossen Phantom: «Was in Berlin gezeigt wurde, kann man bestenfalls als eine Absichtserklärung bezeichnen. Erst wenn daraus ein echtes Produkt wird, das man anfassen und ausprobieren kann und das die Produktmanager auch aus der Hand geben mögen, wird das WePad vielleicht wirklich zu dem, als was es gern gesehen wird, zum Anti-iPad.»

Beim Rausgehen habe ein Zweifler geraunt: «Alles ein grosser Fake.» Im Juni weiss man mehr. (bru)

Erstellt: 13.04.2010, 13:53 Uhr

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