Digital

Street View: Wen interessieren die Grundrechte?

Von Stefan Häne. Aktualisiert am 02.09.2009
Hier funktioniert die Verpixelung: Google Street View.

Hier funktioniert die Verpixelung: Google Street View.
Bild: Keystone

Nationalrat Ruedi Noser (FDP) in Begleitung einer Blondine - pikant! Ein pinkelnder Mann in einem Hinterhof an der Langstrasse - unverschämt! Seit Google Street View hierzulande aufgeschaltet ist, surfen wir durch die Strassen der Schweizer Städte - und dringen dabei, freiwillig oder nicht, in die Privatsphäre von Menschen ein.

Viele tun dies mit einer Mischung aus Voyeurismus und Kindesfreude. Corine Mauch im Liegestuhl auf einer Dachterrasse, obschon sie im Rathaus politisieren müsste? Allein schon die Vorstellung, die Zürcher Stadtpräsidentin in dieser Pose zu erspähen, wird manch einen detektivisch auf der Seite herumkurven lassen.

Doch aufgepasst, es droht vergessen zu gehen, was Street View im Kern ist: ein weiterer Schritt hin zum gläsernen Bürger. Man stelle sich den kollektiven Aufschrei vor, wenn der Staat ein solches Instrument einsetzen würde. Selbst wenn eine Kamera der öffentlichen Sicherheit dient, hagelt es regelmässig Kritik. Die Gemeinde Oetwil am See etwa musste bei einem Kindergarten jüngst zwei Überwachungskameras abmontieren; sie hätten zur Abschreckung von Vandalen gedient.

Eingriff in die Privatsphäre

Doch Google ist nicht der böse Staat, der seine Bürger stets und überall röntgen will. Deshalb scheint ein anderer Massstab zu gelten. Schutz vor willkürlichen Eingriffen in die Privatsphäre? Das Recht am eigenen Bild? Wen interessieren diese Grundrechte: Street View ist cool.

Der eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür sieht das anders - und wird prompt als Spiesser verlacht. Dabei warnt er lediglich vor Kollateralschäden, die Street View anrichten könnte. Mit gutem Grund: Bereits finden sich unbescholtene Wirte auf den Titelseiten der Boulevardmedien wieder: als potenzielle Dealer. Und anständige junge Frauen stehen plötzlich unter Verdacht, sich im Kreis 4 Stoff zu besorgen.

Unterredung zwischen Thür und Google

Verständlich und richtig, droht Datenschützer Thür dem Konzern Google mit dem Richter, falls er Street View nicht vom Netz nimmt - oder zumindest Gesichter und Autonummern nicht besser verpixelt, als dies heute der Fall ist. Heute findet eine Unterredung zwischen Thür und einer Delegation von Google statt. Das amerikanische Unternehmen lässt sich Zeit mit den geforderten Anpassungen, wohl aus Kalkül. Schlagzeilen, auch negative, sind Gold wert. Street View wächst sich zum (medialen) Hype aus, Googles Kassen klingeln. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.09.2009, 10:42 Uhr

Kommentar schreiben







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

Noch keine Kommentare

Digital

Populär auf Facebook Privatsphäre


DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!