Willkommen in der iFabrik
Von Reto Knobel, Mirko Plüss. Aktualisiert am 21.02.2012 18 Kommentare
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«Apple hat so viel Geld»
Im Streit um die Marke iPad will die finanziell angeschlagene chinesische Computerfirma Proview Technology nun noch mit dem US-Riesen Apple verhandeln. Proview hoffe auf eine «gütliche Einigung», sagte der Anwalt der finanziell angeschlagenen Firma, Xie Xianghui, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.
An der vor wenigen Tagen angekündigten Schadenersatz-Klage gegen Apple in den USA werde Proview aber so lange festhalten, bis eine aussergerichtliche Einigung erzielt sei. Analysten sehen dafür gute Chancen: «Apple hat so viel Geld», sagte Analyst Ben Cavender von China Market. «Die werden die Lage analysieren, und wenn sie denken, dass eine Klage große Auswirkungen auf ihre Gewinne haben wird, dann werden sie einfach zahlen.»
Apple selbst wollte sich am Dienstag nicht äussern. Proview-Anwalt Xie sagte, der Konzern habe ihm versichert, er habe «friedliche Absichten».
Die taiwanische Filiale von Proview Technology hatte sich 2000 in mehreren Ländern, darunter China, das Recht auf den Warenzeichennamen iPad sichern lassen - lange bevor Apple sein gleichnamiges Produkt auf den Markt brachte. Der US-Konzern kaufte später die Rechte für die weltweite Handelsmarke. Proview behauptet jedoch, seine taiwanische Tochter habe nicht das Recht gehabt, die chinesischen Rechte zu verkaufen.
Das iPad wird auf dem chinesischen Festland seit September 2010 verkauft. Obwohl die Behörden kürzlich in mehreren Städten Chinas Dutzende iPads beschlagnahmten, wird der Tablet-Computer in den fünf offiziellen Apple-Stores und in einigen Online-Geschäften weiter verkauft. (AFP)
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Wäre der Konzern nicht so mächtig, man müsste fast Mitleid mit ihm haben. Fast alles, was Apple derzeit imagemässig unternimmt, gerät zum Boomerang.
Doch der Reihe nach: Nach einer Serie von Selbstmorden (2010) und einer Explosion mit drei Todesopfern (2011) in der Foxconn-Fabrik im chinesischen Shenzen, wo Apple seine iPhones und iPads fertigen lässt, warf die «New York Times» dem US-Auftraggeber vor, sich nicht um die Schicksale der Fabrikarbeiter zu kümmern.
Tim Cook wehrt sich
Als Steve Jobs noch lebte, pflegte Cupertino Meldungen wie diese schlichtweg zu ignorieren. Der neue Chef indes reagierte betroffen: «Niemand in unserer Industrie unternimmt mehr zur Verbesserungen der Arbeitsbedingungen als Apple», kritisierte Tim Cook den Bericht und kündigte mehr Transparenz an.
Die Massnahme, Experten der Fair Labor Association (FLA) in den Zuliefererbetrieb zu schicken, wurde vom Jobs-Nachfolger als «wahrscheinlich umfassendste Überprüfung in der Geschichte der Fertigungswirtschaft» gepriesen (DerBund.ch/Newsnet berichtete).
Schnell meldeten sich die Apple-Kritiker zu Wort: Weil die FLA sich mit Beiträgen von Firmen finanziert, die zur FLA gehören, mache sich die Organisation angreifbar. Laut der «Süddeutschen Zeitung» halten konkurrenzierende Unternehmen die Fair Labor Association darum nur für ein «Feigenblatt, mit dem sich Unternehmen schmücken», und darum für völlig wirkungslos.
«Tonnenweise Probleme»
Nicht in dieses Bild von zahnlosen Kontrolleuren passen die Worte, die FLA-Präsident Auret van Heerden für die Arbeitsbedingungen in der iFabrik wählt: Die FLA habe bei Foxconn «tonnenweise Probleme» gefunden, ohne diese allerdings zu konkretisieren. Einige «sehr wichtige Ankündigungen» würden folgen.
Was genau bei Foxconn vor sich geht, bleibt damit weiter im Dunkeln. Zumindest bis Dienstagabend. Dann wird die für die ABC-Sendung «Nightline» produzierte Reportage «iFactory: Inside Apple» ausgestrahlt. Der Exklusivbericht aus zwei Fabriken in Shenzen und Chengdun verspricht einen ungeschönten Blick hinter die Kulissen.
Laut Autor Bill Weir hat das Fernsehteam ein halbes Dutzend Fertigungsanlagen begutachtet und - obwohl immer von fünf, sechs Leuten begleitet - ungestört mit Fabrikarbeitern reden können. Dass er bei seiner Tour ein Potemkinsches Dorf zu sehen bekommen habe, könne er ausschliessen.
In einem von «ABC News» vorgängig publizierten «Nightline»-Clip verspricht Weir einen faszinierenden Blick in eine «bislang verborgene Ecke dieser Welt»:
Quelle: «ABC News»
Niemand habe je gesehen, wie iPhones und iPads hergestellt würden - «bis jetzt», hebt Weir hervor. Sichtlich stolz verkündet der Anchorman: «Nach Jahren strenger Geheimhaltung hat Apple u n s eingeladen, diesen Zulieferer zu besuchen.»
«Forbes» spricht von «dubiosen Partnerschaften»
Weil ABC zum Disney-Konzern gehört, dessen Chef Bob Iger wiederum Apple-Verwaltungsrat ist, äussern Kritiker jedoch Zweifel an der Unabhängigkeit der Berichterstattung. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» spricht sogar von «dubiosen Partnerschaften» - ein «exklusiver Zugang zu Nachrichten» sei «kaum der richtige Weg, um das Image zu verbessern». Ein «geschönter ABC-Bericht» werde «zu Recht stutzig machen».
Nicht alle teilen diese Meinung: «Das klingt wie eine Verschwörungstheorie», wirft «Gizmodo» dem Wirtschaftsmagazin vor. «Ausgerechnet Gizmodo», ist der unabhängige Beobachter versucht zu sagen – für Apple ist der renommierte Techblog seit der Präsentation eines verloren gegangenen iPhone-Prototypen im Jahr 2010 ein rotes Tuch. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.02.2012, 11:16 Uhr
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18 Kommentare
Nach China werden nun die miserablen Arbeitsbedingungen in den Apple Shops in Deutschland angeprangert. Die Gewerkschaft VERDI kritisiert, dass die Mitarbeiter der Applestores zu schlecht bezahlt werden, zu viele Überstunden leisten müssen und das schlechte Arbeitsbeingungen herschen. Fortsetzung folgt...Apple macht einen riesen Gewinn, auf kosten der Menschheit... Antworten
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