Warum Microsoft nicht mehr des Teufels ist
Interview Reto Knobel. Aktualisiert am 12.03.2010 21 Kommentare
Alexander Rauch
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Alexander Rauch ist Berater für strategische Markenführung und Markenentwicklung bei Interbrand, mit 40 Standorten auf allen Kontinenten das grösste Markenberatungsunternehmen weltweit. Rauch ist unter anderem für die Deutsche Telekom und SAP zuständig und arbeitet in Köln. Vor seinem Job bei Interbrand arbeitete Rauch als Produktmanager in der Markenartikelindustrie sowie als Managementberater.
Herr Rauch, wie beurteilen Sie den Handymarkt aus der Sicht eines Markenberatungsunternehmens?
Wir beobachten eine interessante Wettbewerbssituation. Einerseits sind die Telekommunikationsanbieter und die Handy-Hersteller aufeinander angewiesen, andererseits tun sie alles dafür, den Partner aus Kundensicht unwichtiger werden zu lassen. Deshalb war es den Telekoms, Swisscoms oder Vodafones durchaus recht, als einige Handyanbieter immer neue Namen für immer mehr Produkte entwickelten und diese kommunikativ in den Vordergrund stellten...
...und so ihre Dachmarke schwächten.
Genau. Motorola ist ein gutes Beispiel: auf das RAZR folgten ROKR, RIZR und so weiter. Nebenbei bemerkt: auch solche fantasievollen Namen helfen nicht, wenn das Produkt insgesamt nicht überzeugt. Starke Marken wie Nokia dagegen setzen weiterhin auf ihre Dachmarke – und mit dem Vertrauen auf ihre bekannten Dachmarken steigen nun auch neue Player wie Google
(GOOG
610.84
0.81%)
in den Markt für Endgeräte ein. Dabei dominiert die Marke Google aus Kundensicht den eigentlichen Hersteller HTC.
Was ist generell die Gefahr einer solchen «Brand»-Strategie?
Grundsätzlich: Wir beobachten nicht zuletzt in Entwicklungsländern, wie gross die Bedeutung von Unternehmensmarken als Vertrauensanker sein kann. Die Nutzung der Unternehmensmarke für die Vermarktung von Produkten und Angeboten kann die Nachfrage stärken. Sie kann zudem aus Kostensicht sinnvoll sein, weil die Investitionen in Kommunikation und Werbung für die Dachmarke so allen Produkten und Services zugute kommen. Aber die Dachmarkenstrategie hat auch Risiken: Wenn die Dachmarke in Schwierigkeiten kommt, werden auch die Angebotsmarken beschädigt. Festzuhalten bleibt: Fragen der Markenstrategie müssen im spezifischen Fall beantwortet werden – Normstrategien gibt es nicht.
Wie beurteilen Sie den Brand von Google-Konkurrent Microsoft?
(MSFT
30.57
0.25%)
Microsoft ist bis heute eine Marke, die von den Kunden respektiert, manchmal gefürchtet wird. Geliebt wurde sie nicht – im Gegensatz zum kreativen Underdog Apple.
(AAPL
500.88
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Von Underdog kann heute wohl keine Rede mehr sein.
In letzter Zeit lässt sich feststellen, dass Microsoft als Marke zugänglicher und persönlicher wahrgenommen wird, während Apple nicht mehr als der sympathische Aussenseiter durchgeht – denn Apple ist im Mainstream angekommen. Allerdings ist bemerkenswert, wie Apple die Markenidentität bewahrt, obwohl die Marke breite Zielgruppen anspricht.
Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass Microsoft ab Frühsommer zwei neue Handys verkaufen will, auf denen das Microsoft-Logo prangt.
Die technologischen Entwicklungen im gesamten Kommunikationsmarkt sind rasant, und sie weisen nach wie vor in eine Richtung: Konvergenz – das heisst, vormals getrennte Kommunikationswege und auch Geräte wachsen unaufhörlich zusammen. So habe ich bereits heute meine persönlichen Daten und E-Mails auf dem Notebook, meinem Handy, sogar auf dem Fernsehschirm immer synchron. Das bedeutet aber auch: Als Kunde kann ich künftig Telekommunikation, Information und Unterhaltung komplett aus einer Hand beziehen – von einer Marke.
Apple ist hier schon sehr weit.
Kein Wunder, dass Google und Microsoft diesen Trend nicht verpassen wollen und nun beginnen, auch «Hardware» zu branden.
Hat Microsoft eine Chance, mit einem eigenen Handy das iPhone ernsthaft zu konkurrenzieren?
Das kommt drauf an – der Erfolg hängt zuletzt davon ab, ob das Produkt halten kann, was es verspricht. Für Innovationen, die das Leben der Menschen vereinfachen, ist im Bereich der Telekommunikation reichlich Platz. Und man darf auch nicht vergessen, dass die Aufmerksamkeit, die das iPhone geniesst, deutlich höher ist als der Marktanteil.
Microsoft, Apple und Google werden geliebt oder gehasst. Wie erklären Sie sich die Emotionalisierung von grossen IT-Namen?
Marken, die unser Leben so stark beeinflussen wie oben genannte Namen, lassen uns niemals kalt. Alle Erfahrungen, die wir mit diesen Marken machen, alles was wir von und über diese Marken lesen und hören, addieren sich zu – oft ganz unbewussten – Emotionen.
Und sicher haben nicht alle Kunden immer nur gute Erfahrungen mit der Marke Microsoft gemacht.
Darum ist es die Aufgabe des Managements, die Einstellung der Menschen zur Marke positiv zu prägen, indem alle Berührungspunkte von Kunden und Marke – Produkt, Werbung, Service und so weiter – gezielt gesteuert werden.
Das bedeutet das für Steve Ballmer und Co.?
Mein Eindruck ist, dass Microsoft auf gutem Weg ist. Microsoft hat anscheinend verstanden, dass die Marke nicht für technologische Kompetenz stehen sollte, sondern für Lösungen, die auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sind.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.03.2010, 09:08 Uhr
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21 Kommentare
Apple mit seiner Politik (Beschränktheit=Benützerfreundlichkeit, Akku-Ersatz nur in der Werkstatt weils mehr Profit bringt ist mir einfach egal, da weiche ich auf andere Marken aus). MS mit seiner Aufdringlichkeit (es ist fast unmöglich, ein Komplettsystem ohne Windows zu kaufen) ärgert mich gewaltig. Von Google pflücke ich die Angebote die gut finde, den Rest lasse ich. Deshalb mag ich G. gern. Antworten
@Matthias Gisler: Wer kopiert hier eigentlich wen oder was? TouchScreen wurde von Xerox entwickelt. Übrigens das GUI was MS für Windows gebrauchte wie auch Apple, übrigens auch! Das UNIX wurde von Ritchie & Thompson entwickelt, Linux von Torvalds und heute noch brüstet sich Apple betreffend ihrem Leopard! Hätte dies Apple nicht KOPIERT würde es Apple heute nicht mehr geben! Also bitte! Antworten
Genau diese Thematik spreche ich schon seit Jahren an. Ist irgendwo auch eine Bestätigung wenn die grossen Tageszeitungen aufspringen und sehen wie sich Apple vom Saulus zum Paulus entwickelt. Ich sage schon seit Jahren das Apple das neue Microsoft ist. Das grösste Problem das MS noch hat ist Steve Ballmer. Mit seiner spastischen Art hilft er dem Unternehmen nicht gerade. Antworten
Auch wenn IT-Firmen kaum "gut" und "böse" sind, gilt es anzumerken, dass erstens Google seine Monopolstellung mit immer zahlreicheren, höchst dubiosen Aktivitäten ausnutzt und zweitens auch Apple die logischerweise vorhandenen Vorteile der integrierten Standard-Hardware mit dem entsprechend geschlossenen Geschäftsmodell über Gebühren nutzt - da lobe ich mir Microsoft's Ansatz: "freedom of choice!" Antworten
@Philip Schaffner: "Abstruse Patente auf geistiges Eigentum, die Trivialitäten wie das Bedienen einer Oberfläche mit einem Touchscreen schützen wollen"? Können Sie sie noch erinnern, wie der Markt für Mobiltelefone vor dem iPhone aussah? Dieser Touchscreen ist jetzt dann drei Jahre alt und immer noch das Mass aller Dinge, obschon jeder Anbieter ihn unterdessen versucht hat, ihn zu kopieren... Antworten
Ich finde es ziemlich arrogant hier über MS und deren gemachten Fehlern herzuziehen, wenn Apple genau das selbe seit Jahren praktiziert. Vor allem dann, wenn Apple-Jünger Kundenfreundlichkeit und Neid laut heraus posaunen und dabei ausblenden, dass die besagte Kundenfreundlichkeit auf Verklagen, Diktatur und Überwachung basiert! Siehe Apple-Lable der Beatles, Adobe usw! Arrogant, arroganter, Apple Antworten
Mehr noch als Apples penetrantes Image mit den gefühlsduseligen Emo-Songs in der Werbung nerven die Lemminge, die religionsgleich Jobs & Co. jeden Quatsch abkaufen und die Firma verteidigen, als wenn es um die Eidgenossenschaft ginge. Apple hat jeden Nimbus verloren, überteuerte Hardware und Inkompatibilität nerven und andere Firmen können das jetzt schon besser. Entwicklung bei Microsoft positiv! Antworten
@ Gautschi: Tatsache ist nun mal das Adobe Flash eine technische Krüke ist, die auf Nicht-Windows Plattformen zu Abstürzen führt und auf mobilen Geräten absoluter Akkufresser ist. Die Zukunft gehört da wohl HTML 5 und Adobe Flash gehört dann zur Vergangenheit an. Apple hin oder her. Antworten
Apple holt mit seiner Patentiererei nur nach, was andere Firmen schon seit je her machen. Apple hat in der Geschichte immer mal Innovationen auf den Markt gebracht, die andere einfach abgekupfert oder gar patentiert haben. Mit dieser "Nachlässigkeit" ist jetzt Schluss. Antworten
Apple macht heute das (Vernetzung von Produkten, Ausschluss von Flash, Zensur in Stores etc.), was Microsoft vor Jahren als Monopol nicht durfte. Daraus erwachst ein Teil des Erfolgs. Es ist nunmal so, dass viele Personen immer grosse Firmen verteufeln. Und das geschieht nun auch mit Apple und Google. Dass man von einer Firma alles bezieht ist gleichzeitig Fluch (Datenschutz) und Segen zugleich. Antworten
Ich denke Apple ist Leader weil sie schon am längsten auf "hermetisch abgeriegelte" Systeme setzen und sich, wie beschrieben, alles kinderleicht synchen lässt. Viele Kunden wünschen dies inzwischen und Microsoft hat das etwas verpasst und wurde nun zum Underdog. - Ich bin gespannt wie kreativ nun Microsoft wird... Vorerst bleib ich aber bei Apple weil's für den T. Thommen der ich JETZT bin stimmt! Antworten
Während Microsoft seit langem als der böse Monopolist verschrien wurde, hat Apple erfolgreich versucht, sich als symphatischer und innovativer Underdog jenseits des Mainstreams zu etablieren. Dieses Image Apples basiert jedoch sehr viel mehr auf Marketing und Täuschung als auf realen Tatsachen. "Objektiv" gemessen, muss einem Apple als eine der unsymphatischsten Computerfirmen erscheinen. Antworten
@Abhijit Abhijit Bossotto Apple macht sich vor allem viele Feinde, weil sie alles und jeden zu verklagen versuchen. Abstruse Patente auf geistiges Eigentum, die Trivialitäten wie einen Ladebalken, das Bedienen einer Oberfläche mit einem Touchscreen, etc. schützen wollen, waren ursprünglich ein Markenzeichen von Microsoft. Doch in neuerer Zeit fällt immer mehr Apple unangenehm damit auf. Antworten
Es sind immer nur Nerds, Konkurrenten oder Leute ohne Sinn für die Bedürfnisse der Endkunden, die Apple Restriktionen vorwerfen. Sie wollen meist nur einen Stück vom Kuchen. Als Mac-User bin ich übrigens nicht gezwungen, iPod und den iTunes-Store zu benützen, Alternativen funktionieren auch am Mac. Aber keine ist annähernd so gut wie das Original. Erfolg macht eben Feinde. Antworten
Zum Glück kann jeder immer noch selbst entscheiden was er kaufen möchte. Ich für meinen Teil, arbeite schon sehr lange mit Apple Geräten. Daran wird sich auch nichts ändern. Apple ist gut, und wird auch immer gut bleiben. Neider hatte dieser Konzern schon lange, aber das belebt die Konkurenz...und das ist auch gut so. Antworten
@Urs Gautschi: Apple macht sich Feinde, weil sie jeweils das Bedürfnis der Kunden (er-)spüren (siehe iPhone und iTunes). Ist ja klar, dass das den verrosteten Unternehmen nicht passt. Ich glaube nicht, dass der Konzern zerschlagen werden müsste. iPods sind ja kein Zwangsgut. Bei Betriebssystemen siehts ja anders aus... Antworten
Apple macht sich momentan nur Feinde in der IT Industrie. Der Konzern dürfte wohl von der U.S. Justiz zerschlagen werden, mindestens der I-Tunes Laden wird verselbständigt werden müssen - freilich kann das aber noch ein Weilchen dauern. Besonders problematisch ist Apples krieg gegen Flash. Das kann ins Auge gehen denn, wichtigster SW Lieferant für MAC ist nun mal der Flash Hersteller Adobe... Antworten
Wie wahr, Google hat sein "Don't be evil"-Image schon lange verloren, Apples kreatives Nischenplayerimage wurde durch arrogantes und restriktives Verhalten kaputt gemacht, und MS hat sich wirklich vom bösen OS-Aufzwänger zum benutzerfreundlichen, offenen und Datenschutz respektierenden (!) Unternehmen gemausert. Gut gemacht! Antworten
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@Stefan Genner: Danke, jemand mit Ahnung! @Thomas Hartschlegel, Matthias Gisler & Tim Thommen: Wisst Ihr, wer das UI des iPod erfunden hat? Creative-Labs (Soundkarten-Hersteller) mit ihrer Zen-Linie. Für lächerliche 100 mio. Dollar (illegaler Portosack..) hat Apple Jahre später (6J, 2006) die Lizenzen Creative abgekauft..und es gibt noch viele andere Storys..aber das lassen wir hier jetzt mal :) Antworten