Schweizer iPhone-Programmierer: Nur wenige verdienen mehr als ein Sackgeld
Von David Vonplon. Aktualisiert am 05.07.2009
Erfolgreicher Schweizer iPhone-Export: Das Programm «iGolfrules».
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SBB hat die Nase vorn
Laut Schätzungen sind in der Schweiz zwischen 350'000 und 400'000 iPhones im Umlauf. Nur wenige Schweizer Applikationen werden hierzulande in fünf- oder gar sechsstelliger Zahl abgesetzt – und die meisten davon sind kostenlos. Laut der Fachzeitschrift Netzwoche hat die Fahrplanapplikation der SBB mit 130'000 Anwendungen die höchste Verbreitung. Ebenfalls sehr beliebt Fahrplan-Anwenungen wie Wemlin des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) (67'000 Downloads), und Gottago. Weiter beliebte i-Apps stammen von Local.ch, Swissquote, Teletext, etc. DerBund.ch/Newsnet wird ebenfalls in Kürze eine i-App lancieren.
Über 50'000 Anwendungen werben mittlerweile um die Gunst der weltweit 40 Millionen iPhone-Benutzer, allein in den letzten neun Monaten wurden 1 Milliarde Programme aus dem App Store heruntergeladen. Ein Markt, der auch immer mehr Schweizer Software-Entwickler lockt. Sie träumen davon, eine Killer-Applikation auf den Markt zu bringen, mit der sich das grosse Geld machen lässt. Denn Tellerwäschergeschichten kursieren zuhauf im Internet: Das digitale Musikblasinstrument Ocarina soll sich in weniger als einem Monat 400'000 Mal verkauft haben der Herstellerfirma Smule eine Million Dollar in die Kasse gespült haben. Das australische Unternehmen Firemint nahm in wenigen Wochen mit dem Spiel «Flight Control» eine halbe Million ein.
«Schweizer Markt zu klein»
Auch bei Schweizer Software-Entwicklern herrscht Goldgräberstimmung: Eine Vielzahl von Firmen und Hobbyprogrammierer haben die iPhone-Anwendungen als Geschäftsfeld entdeckt. Die Euphorie weicht allerdings meist rasch der Ernüchterung; auch im App Store wachsen die Bäume nicht in den Himmel. «Wir sind froh, wenn wir mit den Verkäufen die Kosten für die Wetterdaten finanzieren können», erklärt Patrick Burkhalter, CEO von Ergon. Die Informatikfirma hat iWeather entwickelt, ein Programm, das Daten von 70 Wetterstationen in der Schweiz aufs iPhone bringt. Seit Mitte März ist sie im App Store für 5 Franken 50 erhältlich, bis heute wurde die Software 4'500 Mal heruntergeladen. Macht 25'000 Franken, abzüglich 30 Prozent, welche Apple als Provision kassiert. Unter dem Strich ist das zu wenig: «Wir machen die Erfahrung, dass der Schweizer Markt zu klein ist, um Geld zu verdienen », erklärt Burkhalter. Seine Firma tüftelt nun an einer Software, welche Meteo-Fans weltweit detaillierte Prognosen liefern soll.
«Nicht mehr als ein kleines Sackgeld»
Zu den drei meistverkauften Anwendungen in der Schweiz gehört derzeit das Programm «Öffnungszeiten». Entwickelt hat es noidentity, eine Berner Agentur, bei der drei Programmierer nebenberuflich iphone-Apps entwickeln. Das grosse Geld machen aber auch sie nicht: «200 Downloads pro Tag bringen uns nicht mehr als ein nettes Sackgeld ein», sagt der Berner Programmierer Sandro Pennisi. In aller Regel fällt eine Anwendung bereits nach kurzer Zeit aus der Top 25 im App Store – und damit auch aus dem Radar der iPhone-Benutzer. Ernüchterung macht sich auch bei Luzian Scherrer breit, der mit seiner Firma Neoos sieben Applikationen im App-Store anbietet, unter anderen die erfolgreiche Adressbuch-Anwendung LDAPeople. Er klagt über die wachsende Konkurrenz: «Für kleine Anbieter wie uns wird es immer schwieriger, mit Applikationen Geld zu verdienen.» Denn längst haben auch die grossen Konzerne der Unterhaltungsindustrie den Markt entdeckt - und gegen sie ist oft kein Kraut gewachsen.
Golfregel-Bestseller verkauft sich auch als i-App
Doch es gibt sie auch in der Schweiz, jene Goldgräber, die ein grosses Nugget finden. Der Zürcher Golfschiedsrichter Yves Ton-That liess sein international 500'000-fach verkaufte Buch «Golfregeln kompakt» von der Zürcher iAgentur als iApp programmieren. Ein Glücksgriff: Innert vier Monaten hat sich die Anwendung weltweit über 10'000 Mal verkauft – und das zum für iApps stolzen Preis von 11 Franken. Ton-That ist damit einer der ganz wenigen Anbieter, die mit einem Programm den Sprung über die Landesgrenze geschafft haben. Das Programm gibt es schon auf Englisch, Spanisch, Italienisch, Schwedisch, bald will Ton-That seine «iGolfrules» auch auf Japanisch anbieten.
«Die iPhone-Anwendung hat sich für uns auf jeden Fall gelohnt. Urpsrünglich als reiner PR gedacht, hat es sich zu einem erfreulichen Nebengeschäft entwickelt», sagt Ton-That. Zumal im Gegensatz zum Buchverkauf die hohen Distributions- und Lagerkosten wegfallen. Ton-That gehört damit zu den wenigen glücklichen Schweizern, die mit einer iPhone-Applikation Geld verdienen.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.07.2009, 14:29 Uhr
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