Schweizer droht Laptop-Dieb mit Pranger
Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 04.11.2011 100 Kommentare
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Die böse Überraschung kam in der dritten der vier Ferienwochen im August: Der Zürcher Innenarchitekt und Fachschuldozent Martin Egli fand sein in Bilbao parkiertes Wohnmobil aufgebrochen und ausgeraubt vor. Die Diebe hatten seine Kreditkarten und zwei Laptops mitlaufen lassen. Egli erstattete zwar vor Ort sofort Anzeige. Doch die Polizei zeigte wenig Interesse an seinem Fall.
Auf seinem Blog hat Egli nun verpixelte Bilder der beiden mutmasslichen Laptop-Diebe aufgeschaltet und ihnen ein Ultimatum gestellt: «Der Countdown läuft. Ohne Meldung über das Gästebuch seht ihr euch bald auf Youtube», schreibt Egli. Zum Leidwesen der mutmasslichen Diebe hatte Egli auf seinen Computern bei der Anschaffung ein Programm installiert, mit dem sich abhandengekommene Geräte lokalisieren und fernsteuern lassen, sobald sie ans Internet gehängt werden. Egli fand Ende Oktober einen seiner Computer über eine IP-Adresse in Bilbao. «Ich konnte dann auf meinen Computer zugreifen, unbemerkt die Laptop-Kamera einschalten, die Nutzer filmen und Screenshots vom Bildschirm machen», sagt Egli.
Porno und Hip-Hop
Bisher haben die beiden Benutzer des Gerätes keinen Verdacht geschöpft. «Der Mann konsumiert nach wie vor Pornografie und zwar ausschliesslich und stundenlang», sagt Egli. Die Frau schaue zumeist Hip-Hop-Videos, was ihn weniger störe. Der Countdown für die beiden mutmasslichen Diebe seiner Laptops läuft nächsten Samstag ab. Egli weiss, dass die mutmasslichen Diebe über seine Absichten im Bild sind. Sie besuchten seine Website – natürlich mit seinem Computer. Gehört hat er von den beiden indes noch nichts.
Immerhin hat Egli erreicht, dass die Polizei in Spanien sich aktiver um den Fall kümmert als auch schon. Die Zürcher Kantonspolizei koordiniert mittlerweile die Ermittlungen und macht Druck. «Es dürfte jetzt eigentlich ein Leichtes sein, die beiden ausfindig zu machen», sagt Egli. Er hat den Pranger-Countdown deshalb gestern um sieben Tage verlängert, um den spanischen Behörden Zeit zu geben, die Laptops sicherzustellen.
Prangerdrohung ist strafbar
Laut Strafrechtsprofessor Christian Schwarzenegger tut Egli gut daran. «Kein Schweizer Gesetz sieht in einem solchen Fall einen Rechtfertigungsgrund für diese Art von Selbstjustiz vor», sagt Schwarzenegger. Vielmehr habe sich Egli mit der Prangerdrohung wahrscheinlich schon strafbar gemacht. «Egli setzt die beiden unter Druck, etwas zu tun, das sie ohne sein Zutun nicht tun würden. Damit ist der Tatbestand der versuchten Nötigung wohl bereits gegeben», sagt Schwarzenegger. Abgesehen davon habe er auch mit dem Filmen und Abhören der mutmasslichen Diebe das Gesetz verletzt. «Vor solchem Eindringen in die Intim- und Geheimsphäre sind auch mutmassliche Delinquenten geschützt. Solche Zwangsmassnahmen können nur von einem Staatsanwalt angeordnet werden, wenn es keine Alternative mehr gibt», sagt Schwarzenegger.
Egli könnte es so gehen, wie im vergangenen Frühling dem US-Amerikaner Joshua Kaufman. Der hatte ohne Vorwarnung Bilder eines Mannes ins Netz gestellt, der seinen gestohlenen Laptop nutzte. Im Netz brach eine heftige Debatte über die Verhältnismässigkeit der Anprangerung aus. Zumal der Angeprangerte ein Käufer und nicht der Dieb des Laptops war. Egli ist sich dieses Aspektes bewusst: «Ich will den Leuten nicht das Leben verderben, wenn sie Reue zeigen. Aber wenn es nicht anders geht, dann werde ich zu diesem Mittel greifen, um mein Eigentum zurückzuerhalten.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.11.2011, 10:32 Uhr
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100 Kommentare
Schon interessant! Soweit sind wir schon, dass der Diebstahl von Eigentum die staatlichen Autoritäten gar nicht interessiert, dass sie aber auf eigenes Handeln subito mit Strafandrohung reagieren (herzig die Formulierung dieses Profs: die Diebe müssen etwas tun, das sie sonst nicht tun würden). Interessant auch die Kommentare hier: Diebstahl wird offenbar implizit geduldet! Antworten
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