«Schau! Das iPad!» – «Hä?»
Von Denise Jeitziner. Aktualisiert am 12.05.2010
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Sie sieht ihn sofort. Das muss es sein, das iPad, von dem alle reden. Die junge Dame im Tram scheint fasziniert vom Spielzeug ihrer Sitznachbarin. Aber schnell wieder den Blick abwenden, betont lässig aus dem Fenster hinausschauen. Man will ja nicht gleich ausflippen. Ist ja bloss ein iPad. Aber sie kann es nicht lassen. Immer wieder wirft sie verstohlene Blicke auf eines der ersten iPads in freier Schweizer Wildbahn. Gleich wird sie aussteigen und vermutlich sofort ihren Freund anrufen: «Ich hab das iPad gesehen!», wird sie ins Handy schreien. «Ehrlich! Da sass eine im Tram, die hatte das neue iPad!»
Kaum aus dem Tram am Zürcher Paradeplatz ausgestiegen, flippt die Nächste aus. Zwei Mütter mit drei Kindern samt Luftballon stehen dort. «He, hast du gesehen! Das war dieses iPad! Sieht cool aus!» Im Getümmel der Bahnhofstrasse flacht die Begeisterung der Passanten jedoch ab. Die meisten schenken Apples neuem Gadget keine Beachtung. Nur Teenies und hie und da ein Banker werfen verstohlene Blicke auf das Teil. Die älteren Passanten wirken eher verwirrt und scheinen sich zu fragen: Was hält die Dame da in den Händen? Ist das ein Schreibblock? Macht sie eine Umfrage? Oder ist sie von einer dieser Spendenorganisationen?
«Das iPad wird mein Leben verändern»
«Schau! Das iPad!», flüstert ein Endfünfziger seiner Frau zu. «Hä?» «Da, dieses iPad!» Die Frau wirkt ratlos, weiss nicht, wovon er spricht. Es liegt wohl nicht nur daran, dass er gerade eben ein Sandwich verdrückt und etwas undeutlich nuschelt. Wir nähern uns dem Apple-Shop an der Bahnhofstrasse. Ein japanisches Touristenpaar ist ganz aufgeregt, als es das iPad entdeckt, und dreht sich nach dem Vorbeigehen extra nochmals um. Ein Mann nähert sich uns. Noch ein Schritt und noch einer. Er versucht gar nicht erst, seine Neugier zu verbergen.
Und dann kommt er, der schicke Businessmann in Anzug und mit stylischer Sonnenbrille. Kaum aus dem Apple-Shop läuft er geradewegs auf das iPad zu. «Wow, so cool! This is it, the iPad!» Der Amerikaner, der seit ein paar Monaten in Zürich arbeitet, ist völlig aus dem Häuschen, streckt seine Hände aus, «darf ich?» und hält den iPad dann so, wie ein frischgebackener Vater sein erstes Kind halten würde. Er wollte sich im Apple-Shop gerade eben sein eigenes iPad kaufen, wurde jedoch auf Ende Monat vertröstet. Das tut seiner Begeisterung jedoch keinen Abbruch: «Das ist die Zukunft, das ist die Antwort auf alles! Das iPad wird mein Leben verändern!» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.05.2010, 13:21 Uhr
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