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Herr Daisey und die Minderjährigen

Aktualisiert am 19.03.2012 6 Kommentare

Medienskandal in den USA: Der prominenteste Kritiker des Apple-Zulieferers Foxconn, Mike Daisey, hat Interviews mit Fabrikkindern und einem verstümmelten iPad-Arbeiter frei erfunden.

«Ich stehe zu meiner Arbeit»: Mike Daisey während einer Vorführung von «The Agony and the Ecstasy of Steve Jobs».

«Ich stehe zu meiner Arbeit»: Mike Daisey während einer Vorführung von «The Agony and the Ecstasy of Steve Jobs».

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Arbeiten beim iPad-Hersteller Foxconn

Arbeiten beim iPad-Hersteller Foxconn
In den Fabriken des chinesischen Unternehmens werden iPhones und iPads hergestellt. Doch die Arbeitsbedingungen sind oft miserabel.

Chinesische Autoren klagen gegen Apple

Eine Gruppe prominenter chinesischer Autoren fordert von Apple Schadenersatz für den mutmasslichen Verkauf illegaler Kopien ihrer Bücher über den Online-Store des US-Unternehmens. Der Anwalt der Gruppe, Wang Guohua, sagte am Montag, bisher hätten zwölf von insgesamt über 20 Autoren drei separate Klageschriften bei Gericht in der Hauptstadt Peking eingereicht.

Die Zahl der illegalen verbreiteten Bücher liege im Fall der eingereichten Klagen bei 59 Büchern. Die Schadensersatzforderungen beliefen sich auf 23 Millionen Yen (3,3 Millionen Franken), sagte Wang. Im Fall der anderen Autoren sei noch keine Klage eingereicht worden. Sie seien später zu der Gruppe gestossen.

Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Sonntag, die Schriftsteller hätten einen Brief an Apple geschickt, unter ihnen der Autor und Rallyefahrer Han Han. Insgesamt forderten sie demnach eine Entschädigung von 50 Millionen Yuan (7,2 Millionen Franken) für die Verbreitung von 95 Titeln. Anwalt Wang konnte diese Summe nicht bestätigen. (DAPD)

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Selbstmorde, Explosionen, Billiglöhne: Tech-Zulieferer Foxconn hat einen miesen Ruf. Einer der Abnehmer der in chinesischen Fabriken hergestellten Geräte ist Apple. Nach diversen harschen Medienberichten über die Verantwortung des iPhone- und iPad-Unternehmens kündigte Apple-Chef Tim Cook kürzlich an, Experten der Fair Labor Association (FLA) nach Shenzhen zu schicken, um die Arbeitsbedingungen zu überprüfen.

Die Organisation habe «tonnenweise Probleme» gefunden, sagte FLA-Präsident Auret van Heerden nach einer ersten Inspektion. Einige Tage danach konnte die ganze Welt dank einem Bericht des Fernsehsenders ABC einen Blick in die geheimnisvollen Hallen werfen.

On the road, um gegen Apple zu protestieren

Der prominenteste Foxconn-Kritiker heisst Mike Daisey. Seit 2010 tourt der 39-jährige Theaterautor mit seinem Stück «The Agony and the Ecstasy of Steve Jobs» durch die USA. Mit seinem Bühnenprogramm, einer One-Man-Show, die DerBund.ch/Newsnet 2011 vorgestellt hat, macht er auf die Missstände in den Produktionsstandorten von Gadgets aufmerksam.

Für seine Recherchen reiste der 39-Jährige nach Shenzhen, wo die grösste Foxconn-Fabrik steht. Im Januar dieses Jahres strahlte die NPR-Radiosendung «This American Life» den Beitrag «Mr. Daisey and the Apple Factory» aus. Dabei ging es unter anderem um bewaffnete Fabrikwächter, eine 13-jährige Arbeiterin und einen Chinesen, dessen Hand von der iPad-Fertigung völlig entstellt ist. Von der «New York Times» bis zur Nachrichtenagentur Associated Press nahmen diverse Medien die Geschichte auf.

«Daisey hat uns angelogen»

Das Problem nur: Die Interviews mit den oben erwähnten Chinesen waren frei erfunden, wie der öffentlich-rechtliche Sender am vergangenen Freitag zugeben musste. «Daisey hat uns angelogen, als wir vor der Sendung die Fakten überprüften. Das entschuldigt nicht, dass wir überhaupt damit auf Sendung gegangen sind. Es war unser Fehler», gab «This American Life»-Moderator Ira Glass zu.

Die Wahrheit wäre wahrscheinlich nie ans Licht gekommen, hätte Radioreporter Rob Schmitz nicht die Dolmetscherin Li Guifen aufgespürt, die Daisey auf seiner Tour durch den «stalinistischen Feuchttraum» (Daisey über die Foxconn-Fabrik in Shenzhen) begleitet hat. Die Gespräche mit minderjährigen Arbeitern, dem invaliden iPad-Arbeiter und den bewaffneten Sicherheitskräften seien frei erfunden, gab Guifen Schmitz zu Protokoll.

Die Entschuldigung bleibt aus

In der Folge mussten US-Medien reihenweise vor Apple den Bückling machen. «I'm sorry, Apple», titelt etwa der «Business Insider» und die «New York Times» strich diverse Passagen eines in der Zeitung am 6. Oktober 2011 publizierten Artikels (der von Daisey selbst verfasst wurde) und versah ihn mit einem redaktionellen Korrigendum.

Daisey selber gibt sich uneinsichtig: «Ich stehe zu meiner Arbeit», liest man auf seinem Blog. «Meine Show ist ein Theaterstück. Es liefert eine Verbindung zwischen unseren fantastischen Gadgets und den schlimmen Bedingungen, unter welchen diese hergestellt werden.» Den einzigen Punkt, den er bereue, sei die Erlaubnis zur Verwendung von «Mr. Daisey and the Apple Factory» durch ein journalistisches Gefäss, denn er betreibe ja «keinen Journalismus».

Kultur-Redaktoren sind empört

Die Angelegenheit dürfte für Daisey aber nicht erledigt sein. Foxconn sieht laut Reuters von rechtlichen Schritten gegen Daisey ab. So halten es US-Medien für möglich, dass Apple den prominenten Kritiker verklagen wird (der Konzern hat sich bislang nicht geäussert). Und vielleicht noch schlimmer: Prominente Feuilleton-Chefs wie Terry Teachout («Wall Street Journal») und Peter Marks («Washington Post») haben eben erst mit der öffentlichen Demontage des einstigen Journalistenlieblings begonnen. (rek)

Erstellt: 19.03.2012, 10:21 Uhr

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6 Kommentare

Hanspeter Lechner

19.03.2012, 11:59 Uhr
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Also doch! Ein weiterer Beweis dafür, dass die meisten Horror-Stories über China frei erfunden, oder doch zumindest stark übertrieben sind ... ! Oftmals von Journalisten, die noch nie einen Fuss auf Chinesischen Boden gesetzt haben.
Dass auch in China nicht alles zum Besten bestellt ist, sei hier nicht bestritten. Aber ist dies im vielgepriesenen Westen nicht auch so?
Freundlicher Gruss aus China!
Antworten


Ella Lurino

20.03.2012, 07:14 Uhr
Melden 3 Empfehlung 0

Herr Daisey un die Minderjährigen - der Titel ist schlüpfrig und führt die Leser auf eine falsche Färte. Ist aber in einer Welt der bezahlten Klicks trotzdem meisterhaft Antworten



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