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Reto Knobel
Ressortleiter Digital
«Eine grosse Bedrohung»: Apple-Aktie taucht
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Der Index der US-Techbörse Nasdaq fiel am Montag auf 2988,40 Zähler. Hauptverantwortlich für den Abschwung des Indexes ist das Börsenwunder Apple. (AAPL 431.77 -0.05%) Die Papiere des iPhone- und iPad-Herstellers, welche vor wenigen Tagen noch ein All-Time-High von 644 Dollar erreichten, sanken am 16. April auf 580 Dollar. Allein am Montag gab die Aktie 4,15 Prozent nach.
Technologieanalyst und «Techstratreport»-Gründer Sean Udall hat mehrere Gründe für die negative Kursentwicklung der letzten Tage ausgemacht:
- Sowohl im Smartphone- als auch im Tablet-Markt legen die Konkurrenten zu.
- Die Provider subventionieren das iPhone stärker als Android-Geräte. Verizon etwa zahlt Kunden, die ein iPhone kaufen, mehrere Hundert Dollar pro Smartphone. Aber wie lange noch? Der Erfolg der Konkurrenz (insbesondere der Android-Handys) lässt diese nun überlegen, die Dollarmilliarden neu zu verteilen. Analyst Walter Piecyk von Btig Research teilt diese Bedenken. Die Folge wäre, dass iPhones teurer und darum die Verkaufszahlen zurückgehen würden. Piecyk hat die Aktie darum vor einer Woche von «Kaufen» auf «Neutral» abgestuft.
- Apple hat sich in den Chip-Markt gewagt – und vergrössert damit das Umfeld der Konkurrenz um IT-Riesen wie Qualcomm und Intel. Udall ist nicht sicher, ob Cupertino in diesem Segment erfolgreich sein kann.
Unsicherheit bei iPad-Verkäufen
Wie fällt die Analyse von Schweizer Technologieanalysten aus? «Möglich – und nicht unüblich – dass einige Investoren vor der Präsentation der Geschäftszahlen von nächster Woche kalte Füsse bekommen haben und teilweise ‹Profit Taking› betreiben, also über Aktienverkäufe schnelle Gewinnmitnahmen realisieren. Für Unruhe sorgen vielleicht Meldungen, dass die iPad-Verkäufe unter den Erwartungen liegen könnten», sagt Cyrill Plüss, Equity Research Analyst von Kepler Capital Markets. Auch die Kartellverfahren des US-Justizministerium wegen illegalen Preisabsprachen hätten wohl einen Einfluss auf die Kursentwicklung der letzten Tage.
Mitten in der Konsolidierungsphase
Dennoch möchte Plüss nicht von einem ausgewachsenen Abwärtstrend sprechen. «Das scheint verfrüht.» Laut Plüss kann sich auch der Tech-Überflieger aus dem Silicon Valley der derzeitigen Konsolidierungsphase an der Börse nicht entziehen: «Die Sorgen um Spanien, respektive dessen Banken und das unter den Erwartungen liegende China-Wachstum tragen ihren Teil zu dieser Entwicklung bei.»
Auch Oskar Schenker von der Bank Sarasin sieht wenig Grund zur Besorgnis: «Nach einer Kursentwicklung wie in den letzten Wochen und Monaten ist eine Konsolidierung immer möglich.» Die Apple-Aktie gehöre in jedes Depot, auch längerfristig. Konsolidierungsphasen seien «ideal, um einzusteigen». Schenker hält die Aktie in Bezug auf das erwartete Umsatz- und Gewinnwachstum für «nicht teuer». Allerdings würden die Schätzungen der Analysten bei Apple jeweils immer über den kommunizierten Erwartungen des Unternehmens liegen.
«Weitere grosse Chancen»
Etwas anders fällt die Analyse von Christian Fröhlich von der Zürcher Kantonalbank aus: «Apple hat weitere grosse Chancen, wird es längerfristig aber sehr schwer haben, die enormen Margen zu verteidigen. Gerade die auf praktisch allen Geräten funktionierenden HTML5-Apps stellen eine grosse Bedrohung für Apple respektive seinen App Store dar, weshalb wir auch nach dem Kursrückgang andere Aktien bevorzugen.»
Einer der Hauptgründe für die aktuelle, allgemeine Börsenschwäche ist laut Fröhlich «die wieder mehr ins Bewusstsein gerückten Risiken der europäischen Schuldenkrise». So seien die Kreditaufschläge bei Spanien und anderen Euroländern kürzlich wieder deutlich gestiegen. Zudem seien in China BIP-Wachstumszahlen ausgewiesen worden, die unter den Erwartungen lagen.
Beides sei aufgrund der Grösse der Märkte relevant für Apple: «Gerade China hat viel zu Apples Wachstum in den letzten Quartalen beigetragen und eine Wirtschaftsschwäche könnte die Nachfrage nach den für chinesische Verhältnisse extrem teuren Apple-Produkten etwas dämpfen.»
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.04.2012, 13:13 Uhr
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