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Reto Knobel
Ressortleiter Digital


«Ein von Microsoft finanziertes Geschmiere»

Aktualisiert am 05.03.2012

Verstecktes Lobbying in Brüssel und schwere Vorwürfe via Unternehmensblog: Microsoft fährt im Kampf gegen Google schweres Geschütz auf. Nun ist einem schwedischen Politiker der Kragen geplatzt.

1/6 Microsoft-Feindbild: Google-Verwaltungsrat und ehemaliger Google-Chef Eric Schmidt.
Bild: AFP

   

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Wer den neusten Blogeintrag von Rick Falkvinge liest, kann die Wut fast greifen, die den Gründer der schwedischen Piratenpartei zum Schreiben veranlasst hat. «Ich habe früher mal für Microsoft (MSFT 26.779 1.66%) gearbeitet», heisst es da. Mein Name steht sogar im Jubiläumsbuch zum 25. Geburtstag der Firma. Wie glücklich bin ich, nicht mehr dort zu arbeiten. Das ist ein unwürdiges Verhalten.»

Was hat den ehemaligen Projektmitarbeiter beim weltgrössten Softwareunternehmen zu dieser Brandschrift veranlasst? Falkvinge weilte eine Woche bei der EU in Brüssel und besuchte zusammen mit einer Piratenpartei-Delegation unter anderem ein Seminar zum Thema «Privatsphäre im Netz, Datensammlungen und Onlineprofile».

«Geschmiere»

Was nach einer harmlosen Veranstaltung klingt, war laut Falkvinge eine einzige Propagandakampagne gegen Google. (GOOG 699.97 -0.09%) In praktisch jedem Satz der Keynote sei betont worden, wie schlecht Google sei. «Von einem Seminar zum Thema Privatsphäre konnte keine Rede sein. Das war ein von Microsoft finanziertes Geschmiere.» Zusammen mit dem Europaparlamentarier Christian Engström und der Piratenpartei-Delegation habe er das Seminar schliesslich unter Protest verlassen.

Was Falkvinge erst später erfuhr: Veranstalter des Brüsseler Google-Bashings war die Initiative for a Competitive Online Marketplace (Icomp), die von Microsoft mitfinanziert wird. Dass das Seminar von der Icomp organisiert worden war, sei im Vorfeld aber nicht kommuniziert worden. Dass ausgerechnet der verurteilte Monopolist Microsoft unter Vorspiegelung falscher Tatsachen eine solche Kampagne gegen die Konkurrenz fahre, sei unfassbar. Microsoft wollte auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet keine Stellung nehmen zu den im Blog geäusserten Vorwürfen.

Ehemaliger FTC-Anwalt lobbyiert für Microsoft

Dafür, dass Redmond gewillt ist, alle Register zu ziehen, gibt es aber genügend Indizien: So machte vor kurzem das «Wall Street Journal» publik, dass Microsoft einen ehemaligen Juristen der mächtigen Federal Trade Commission (FTC) eingestellt hatte. Sein Name: Randall Long. Dieser dürfte Google in unguter Erinnerung sein – als Long noch von der amerikanischen Wirtschaftsaufsichtsbehörde bezahlt war, bearbeitete dieser unter anderem den Fall die Admob-Akquisition durch Google. Dadurch verzögerte sich die Übernahme von Admob, einem Werbedienstleister, massiv. Der Deal, der bereits 2009 unter Dach und Fach hätte sein können, wurde erst vor zwei Jahren abgeschlossen.

Erst Ende Februar beschuldigte Microsoft Google, beim Microsoft-Browser Internet Explorer die Privacy-Einstellungen zu umgehen. Gegenüber der Nachrichtenagentur DPA sagte der Chef von Microsoft Deutschland, Ralph Haupter, Google behandle Nutzer nur als «Daten-Ware» und lobte sein Unternehmen, welches «einen etwas anderen Anspruch» habe.

Front auch gegen Motorola

Der Versuch, Politik und Medien gegen Google aufzubringen, treibt bisweilen seltsame Blüten: So beschuldigte Microsoft-Jurist Dave Heiner Google unlängst, «Videos im Web umbringen» zu wollen und reichte eine Wettbewerbsrechtsbeschwerde gegen den von Google übernommenen Handyhersteller Motorola ( 0.00%) ein.

Redmond wirft Motorola respektive Google ausserdem vor, Techpatente missbräuchlich zu verwenden. Motorola, so der Vorwurf von Heiner, verlange für diese zu teure Lizenzgebühren. Hauptziel von Motorola sei es, den Verkauf von Windowscomputern, der Gamekonsole Xbox sowie anderer Produkte juristisch zu verhindern.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.03.2012, 12:09 Uhr

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