Die Aufspür-Software findet er gar nicht lustig
Von Martin Kilian. Aktualisiert am 26.04.2011 3 Kommentare
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Die Kontrahenten könnten unterschiedlicher nicht sein: in der einen Ecke Steve Jobs, der kranke Guru des Apple-Kults, ein Geheimniskrämer, der seinen elektronischen Gemischtwarenladen mit eiserner Hand lenkt. Ihm gegenüber steht ein Komiker und politischer Satiriker, den das Leben – wie es so spielt – auf einen Senatssitz in Washington gehievt hat, wo der Demokrat Al Franken aus dem Eis-und–Schnee-Staat Minnesota im Mittleren Westen eine überraschend gute Figur macht.
Franken will Klarheit
Als Vorsitzendem des neuen Unterausschusses für Privatsphäre und Technologien kann es Senator Franken nicht gleichgültig sein, wenn Apple (AAPL 562.29 -0.54%) mittels iPad und iPhone verdeckt Positionsdateien anlegt und archiviert, wo sich die Benutzer der appleschen Geräte zu welchem Zeitpunkt aufhielten. Kaum war das seltsame Treiben des iKonzerns im kalifornischen Cupertino letzte Woche publik geworden, schickte Franken einen Brief an Jobs, in dem er Aufklärung verlangte.
Apples Vorgehen, so der Senator, löse «Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre aus», dies umso mehr, als die klandestin erworbenen Kundendaten nicht verschlüsselt seien. Warum Apple diese Infos sammle, wollte Franken wissen. Und ob der iKonzern bei Laptops ebenso verfahre. Zudem fragte der Senator bei Jobs nach, ob Apple die Datenabsaugerei für legal halte – Fragen über Fragen an einen, der bekanntlich mit Antworten geizt.
Franken wird gleichwohl nicht lockerlassen; sofern ihn aus Cupertino keine erschöpfenden Antworten erreichen – gestern lagen noch keine vor – , wird der Senator womöglich eine Anhörung vor seinem Ausschuss anberaumen. Der Mann mag von Beruf Komiker sein, Jobs’ Schweigen aber findet Al Franken gewiss nicht lustig. Und der Harvard-Absolvent aus Minnesota ist bekannt dafür, vor heiligen Kühen nicht haltzumachen.
Politiker und Ikonen durch den Kakao gezogen
Seit Mitte der Siebzigerjahre macht Al Franken in den USA als Spassvogel und Satiriker Furore. Als Entertainer und Autor der legendären Comedy-Show «Saturday Night Live» hat er zahllose Politiker und kulturelle Ikonen der Lächerlichkeit preisgegeben. Nachdem er den Boss des TV-Senders NBC, der «Saturday Night Live» ausstrahlt, als lahmen Manager blossgestellt und live für die schlechten Einschaltquoten des Senders verantwortlich gemacht hatte, widerfuhr ihm ein Karriereknick. Das schreckte Franken freilich nicht ab, sich politisch aus der linken Ecke mit diesem und jenem anzulegen.
Den konservativen Radio-Talker Rush Limbaugh tat Franken in einem Buchtitel äusserst undiplomatisch als «grossen, fetten Idioten» ab. In einem weiteren Bestseller griff der streitbare Liberale Fox News an, Rupert Murdochs amerikanischen Agitprop-Sender, und wurde prompt, jedoch erfolglos verklagt.
Ein Sorry fürs Augenrollen
2007 kündigte Franken an, sich für einen der beiden Senatssitze von Minnesota zu bewerben. Er gewann, wenn auch so knapp, dass die Stimmen nachgezählt werden mussten. Erst acht Monate nach dem Wahltag konnte er sein Amt in Washington antreten. Im Senat ist Franken wohlgelitten, wenngleich er sich im Vorjahr beim republikanischen Minderheitsführer Mitch McConnell entschuldigen musste, weil er während einer Rede McConnells die Augen gerollt und abwertende Gesten gemacht hatte.
Nun bleibt zu hoffen, dass Steve Jobs die Antworten auf Frankens Fragen schuldig bleibt und umgehend vorgeladen wird. Franken gegen den iBoss – welch ein Genuss stünde den Amerikanern da ins Haus! (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.04.2011, 21:49 Uhr
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3 Kommentare
Es würde mich nicht wundern, wenn ein Ami-Geheimdienst dies in Auftrag gegeben hätte und nun wird künstliche Aufregung betrieben, damit es dann untern Tisch gewischt wird, und bei nächster Gelegenheit hervorgenommen und angewendet. Mit dem Thema Sicherheit hat sich schon eine Menge Schweinereien rechtfertigen lassen. Antworten
"...ob der iKonzern bei Laptops ebenso verfahre." GARANTIERT! Nur: wenn Mann+Frau Internet everywhere will, ist das halt nun mal so. IT ist angewandte Logik und somit nachvollziehbar - und nicht gottgegeben und zufallsbedingt. Thuer aergere Dich nicht - das kriegen Sie schwerlich unter einen Teppich - denn Ihre Mandanten wollen ja ueberall und jederzeit erreichbar sein und Infos abrufen koennen. Antworten
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