Der wichtigste Apple-Mann
Von Reto Knobel. Aktualisiert am 07.09.2011 7 Kommentare
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Hoffnungsmarkt China
Nach der Entdeckung von mehr als 20 falschen Apple-Geschäften allein in der südwestchinesischen Stadt Kunming hat der US-Konzern nun die rasche Eröffnung weiterer Geschäfte in der Volksrepublik angekündigt. Zu den bislang nur vier offiziellen Apple-Stores – zwei in Peking, zwei in Shanghai – sollen noch bis Ende des Jahres einer in Hongkong und ein weiterer in Shanghai dazukommen, wie eine Apple-Sprecherin am Dienstag ankündigte.
Die Begeisterung der Chinesen für Produkte von Apple ist gross; beim Verkauf neuer iPhones oder iPads bilden sich regelmäßig lange Schlangen vor den Läden. Wer nicht in einer Stadt mit Apple-Laden wohnt, kann sich ein Smartphone oder einen Tablet-Computer von Apple übers Internet bestellen.
Der Konzern machte im zweiten Quartal einen Gewinn von 3,8 Milliarden Dollar in China inklusive Hongkong und Taiwan – das war sechsmal so viel wie im Vorjahresquartal. (AFP)
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Die Zeitschrift «Vanity Fair» hat eine Liste der 50 einflussreichsten Personen des «New Establishment» publiziert. Die Vergabe der Podestplätze – Facebook-Chef Mark Zuckerberg, gefolgt vom Google-Duo Sergey Brin und Larry Page sowie Amazon-Gründer Jeff Bezos – leuchtet auch wenig webaffinen Beobachtern ein.
Der vierte Platz indes dürfte sie überraschen: Jonathan Ive ist weder CEO noch Firmengründer, sondern «nur» Designer und in der Öffentlichkeit nicht präsent. Trotzdem ist sein Einfluss laut «Vanity Fair» demjenigen von Apple-Chef und Steve-Jobs-Nachfolger Tim Cook gleichzusetzen. Der 44-jährige Brite Ive lässt in diesem Rating Stars wie Lady Gaga, J. K. Rowling oder Peter Jackson hinter sich.
Ein Künstler
Nicht nur diese Rangliste beweist, dass Ive längst in der Welt der Kunst angekommen ist: Seine Produkte wurden im Museum of Modern Art in New York und in Paris gezeigt, seit vergangener Woche ist ihm auch im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eine Ausstellung gewidmet. Noch bis Mitte Januar 2012 werden alle von ihm konzipierten Produkte gezeigt.
Und das ist eine ganze Menge: Ive entwarf iPod, iPhone, iPad, iMac und iBook. Diejenige Hardware also, welche selbst Techniklaien automatisch mit Apple (AAPL 562.29 -0.54%) in Verbindung bringen. Die iProdukte sind die BigMacs der IT-Konsumenten: Sie werden geliebt oder gehasst, aber niemand muss erklären, welche Firma dahinter steht.
Fast 20 Jahre Apple-Erfahrung
Nach dem letzten Monat bekannt gegebenen Rücktritt von Steve Jobs ist Ive für das Unternehmen wichtiger denn je. Zwar machte nicht er das Rennen um den Chefposten, sondern Jobs' bisheriger Stellvertreter Tim Cook. Doch nicht wenige Branchenkenner sind der Ansicht, dass Cook mehr auf Ive angewiesen ist als umgekehrt.
Tatsächlich kennt ausser Jobs Apple niemand so gut wie Jonathan Ive, der 1992 zu Apple kam und fünf Jahre später vom zurückgekehrten Jobs zum Vice President of Industrial Design befördert wurde. Cook, der Jobs-Nachfolger, ist erst seit 1998 in Cupertino, dem Apple-Hauptsitz in Kalifornien.
Das Heimweh überwunden?
Im März dieses Jahres kursierte das Gerücht, dass der Produktdesign-Absolvent der polytechnischen Universität in Newcastle den Konzern verlassen will. Laut Recherchen der «Sunday Times» wollte der heimwehgeplagte Ive regelmässig zwischen Südengland und Cupertino pendeln – eine Regelung, die vom Apple-Verwaltungsrat abgelehnt wurde. Dies habe den Designchef intern laut über seinen Rücktritt nachdenken lassen. Ohne Mastermind Jobs, so hiess es damals, fehle Ive der Glaube an eine erfolgversprechende Zukunft des grössten Techkonzerns.
Mit diesen Zweifeln ist Ive nicht allein. «Es muss eine Art Gravitationsumfeld geben, das alles zusammenhält. Andernfalls gibt es zwar grossartige Technologien, die frei umherschweben, sich aber nicht zu einem Grossen zusammenfügen», hat niemand anders als Steve Jobs einmal über Apples Führungsstruktur gesagt. Die Frage ist, schrieb die Agentur DAPD bereits zu Beginn des Jahres, «ob Apple einen Schritt voraus bleiben und Produkte entwickeln kann, die Technologie, Medien und Popkultur umwälzen, wenn Jobs nicht mehr da ist».
Pizza und Musik für die besten Ideen
Nun, da dieser tatsächlich nicht mehr als Konzernchef, sondern nur noch als Verwaltungsrat amtet, spricht die «Los Angeles Times» von einer «neuen Ära», in dessen Mittelpunkt Ive gerückt sei.
Ob ihm das gefällt? Wir wissen es nicht, denn Interviews mit ihm sind so selten wie Windows-Rechner am Apple-Hauptsitz (auch die «Los Angeles Times» bekam keinen Termin). Wahrscheinlich möchte der Design-Guru lieber im Hintergrund bleiben: Ive, immerhin das weiss die Zeitung, arbeitet am liebsten zurückgezogen, zusammen mit seinem zwölfköpfigen Team – bei «Pizza und Musik».
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.09.2011, 11:23 Uhr
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