«Apples Rivalen müssen mit günstigen Preisen Druck machen»
Interview: Reto Knobel. Aktualisiert am 17.08.2010
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- Microsoft versteht das iPad nicht
- iPad wird kleiner, die Konkurrenz grösser
Gabriel Bartholdi (29), ist Equity Analyst für Technology/Telecommunication bei der Zürcher Kantonalbank.
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Schon im Oktober wird der taiwanische Hersteller Asus ein erstes Tablet mit Linux-Betriebssystem für 300 Dollar bringen. Damit ist es fast 200 Dollar günstiger als die billigste iPad-Variante. Asus wird später zudem Windows-7- und Android-Tablets verkaufen. Auch Grosskonzerne wie Dell und Samsung drängen auf den Markt. Haben sie eine Chance, den Platzhirsch Apple (AAPL 562.29 -0.54%) zu verdrängen? DerBund.ch/Newsnet sprach mit dem Technologie- und Telekommunikationsexperten Gabriel Bartholdi.
Apple hat mit dem iPad den Tablet-Markt revolutioniert. Hat dieses Tablet das Potenzial, den Notebook-Herstellern das Wasser abzugraben?
Ich war anfänglich überrascht, wie gut sich das iPad verkauft. Aber Notebooks konkurrenziert es nicht. Das iPad braucht man zum Surfen, um Videos anzuschauen, aber nicht als Arbeitsgerät.
Pro Monat gehen eine Million iPads über den Ladentisch. Was fasziniert die Leute an diesem Gerät?
Der Erfolg lässt sich an zwei Faktoren festmachen. Erstens sind da die Applikationen. Apple hat dank dem iPhone viel Erfahrung mit Apps, welche das iPad zu einem Entertainment-Gerät machen. Im Zeitalter von Facebook, Twitter und Co. ist die Nachfrage nach Geräten, bei welchen ich einfach und bequem ins Internet und zusätzlich Videos und Filme anschauen kann, gross. Im Zentrum steht die Software, welche die Applikationen erst ermöglicht und Treiber für die Hardware ist. Zweitens: Anders als Microsoft
(MSFT
29.06
-0.03%)
hat Apple nie versucht, Tablets als Ersatz-PCs zu lancieren und bewusst Anwendungen weggelassen – und somit den Fokus des Geräts auf Unterhaltung gelegt.
Die Konkurrenz schläft nicht und hat schon einige Produkte angekündigt oder lanciert. Kommen Dell, Asus und Co. zu spät?
Diese Frage lässt sich jetzt noch nicht beantworten. Konkurrenten dürften aber nur dann eine Chance haben, wenn sie entweder ein viel besseres Produkt lancieren oder ein mindestens so gutes Produkt zu günstigeren Preisen anbieten. Apple-Produkte werden stets in der oberen Preisklasse angeboten. So könnte der Startvorteil des ersten Anbieters von Tablet-PCs, Apple, durch tiefere Preise vielleicht kompensiert werden. Das iPhone war das erste richtige Multimedia-Handy und ist heute Standard.
Was heisst das?
Niemand fragt: Hast du ein Smartphone? Es heisst: Hast du ein iPhone? Auch das iPad könnte zum Standard für den Begriff Tablet werden.
Obwohl HTC sehr gute Smartphones herstellt...
...welche in manchen Bereichen sogar besser sind als das iPhone. Aber für das Unternehmen ist es ungleich schwerer, eine starke Marktposition aufzubauen. Apple war als Erster auf dem Markt und konnte dadurch und im Zusammenhang mit einer ausgeklügelten Kommunikationsstrategie zum Marktführer aufsteigen.
Wer konkret könnte Apple das Wasser reichen?
Im Moment dürfte es für sämtliche Hardwareproduzenten schwierig sein, ein konkurrenzfähiges Tablet auf den Markt zu bringen, da nicht die Hardware entscheidend ist, sondern die Software. Bislang stammte die Software hauptsächlich von Microsoft und hier fehlt im Moment eine gute Lösung. Daher sehe ich kurzfristig für Apple keine grosse Gefahr.
Bald lanciert Microsoft Windows Phone 7.
Vielleicht schafft Microsoft mit diesem mobilen Betriebssystem den Durchbruch und kann es zu einem späteren Zeitpunkt auch auf einem Tablet-PC zur Anwendung bringen. Darum dürften mit der richtigen Software sicherlich die grossen PC-Produzenten als Konkurrenten zu nennen sein wie Hewlett-Packard (HP), Dell, Acer oder Asus. Wobei HP widersprüchliche Signale aussendet. Mal heisst es, es wird ein Tablet gebaut, dann wieder nicht.
Geld und Kapazitäten hätte HP genug.
Mit der Akquisition von Palm steht zudem eine geeignete Plattform für ein konkurrenzfähiges Produkt zur Verfügung. Man darf auch das Mini-Tablet Streak, eine Art überdimensioniertes Smartphone von Dell, nicht ausser Acht lassen. Amazon traue ich einiges zu, der neue Reader Kindle 3 kommt bald. Mit diesem Gerät kann man momentan zwar nur lesen, aber es ist im Vergleich mit knapp 140 Dollar günstig.
Haben Sie Google
(GOOG
591.53
-2.01%)
bewusst nicht erwähnt?
Mountain View muss sich fragen: Macht es Sinn, eigene Hardware anzubieten? Nach dem Flop des Google-Handys Nexus One ist der Konzern vorsichtiger als auch schon geworden, und daher ist die wahrscheinliche Antwort auf die Frage nein. Um so mehr, als das mobile Betriebssystem Android, bei dem Google eine treibende Kraft ist, schon auf ganz vielen Smartphones sehr erfolgreich läuft. Analog zu den Smartphones dürften die erfolgreichsten Konkurrenzprodukte zum iPad Android installiert haben, da aus jetziger Sicht meines Erachtens Android das einzige mobile Betriebssystem ist, das mit der Software von Apple mithalten kann.
Was raten Sie den Konsumenten?
Je grösser die Konkurrenz, desto günstiger dürften die Geräte angeboten werden, da jeder Anbieter nach Marktanteilen strebt. In den nächsten Monaten, spätestens nächstes Jahr, dürften die Preise sinken. Vielleicht bei Apple selber, je nachdem, wann der iPad-Nachfolger lanciert wird. Und wie gesagt: Die Tablet-Hersteller müssen mit günstigen Preisen Druck machen, im Moment scheint dies das einzige erfolgsversprechende Mittel. Für Konsumenten, die ein Tablet haben wollen, kann es sich also durchaus lohnen, noch abzuwarten. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.08.2010, 10:48 Uhr
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