Laborieren in der Werkstatt

Ein fünftägiges Fest für Menschen mit musikalischem Entdeckergeist: Wo lohnt es sich, an der 9. Jazzwerkstatt genauer hinzuhören? Ein Tag-für-Tag-Ausblick.

Verkörpert den verhaltensauffälligen Jazz: Django Bates.

Verkörpert den verhaltensauffälligen Jazz: Django Bates. Bild: zvg

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Mittwoch, 24. Februar Es hat schon öfters ziemlich jazzfremde Programmpunkte in der Geschichte der Jazzwerkstatt gegeben. Die neunte Austragung eröffnet mit einem solchen. Kyani machen verkünstelten Pop mit ausbalanciertem Innenleben und – immerhin – vermutlich jazzgeschultem Damengesang. Das könnte traumhaft werden. Träume können aber auch etwas schläfrig machen.

Der Berner Bassist Christoph Utzinger spielt in so einigen Bands mit – unter anderem in der famosen Kraftwerk-Coverband Menschmaschine von Oli Kuster. Für die Jazzwerkstatt hat er kurzerhand eine weitere gegründet. Ihr Vorstand ist der Holzblasinstrumentalist Nils Fischer, dem eine Vorliebe für tiefe Töne nachgesagt wird. Und an einem von zwei Schlagzeugen sitzt Berns Wunderkind Domi Chansorn.

Sehr abenteuerlich mutet der letzte Programmpunkt des Mittwochs an. Vier verdienstvolle Keyboarder (der oben erwähnte Oli Kuster ist auch dabei) vertonen ihre Lieblings-Schlagzeugvideos neu. Am Nachmittag kann man ihnen beim Proben zusehen.

Donnerstag, 25. Februar Zwei Jazzwerkstatt-Gründer treten am Donnerstag in Aktion: zum einen der Saxofonist Benedikt Reising, der seine neue Band Annalisa Fumagalli Trio getauft hat, ohne dass eine Annalisa Fumagalli mitspielt. Dafür seine Freunde Andreas Tschopp an der Posaune und Marco Müller am Bass. Und da ist der Saxofonist Marc Stucki, der sich ein Konzert lang mit dem Akkordeonisten Mario Batkovic duelliert. Keine Zufallsbegegnung, die beiden sind quasi Übungsraumnachbarn im Progr. Wer es eher mit verhaltensauffälligen Pianisten hat, der ist am Solokonzert von Django Bates bestens aufgehoben. Und was mag wohl geschehen, wenn der Bluesmann Marc Lelangue und der belgische Elektroniker Jozef Dumoulin improvisierend aufeinandertreffen?

Freitag, 26. Februar Kleine Zwischenbilanz: sieben Konzerte vorbei, fünf Bands hatten kein Schlagzeug, mit Zigarettenpause war noch nix. Das wird auch am Freitag schwierig, weil da kommt die österreichische Band angereist, die sich Edi Nulz nennt, ohne einen Edi Nulz zu beschäftigen, dafür wird eine holprige Form von Rock-Jazz aufgetischt. Und da ist die fulminante Grossformation namens Jazzwerkstatt Blockparty, in der sich so unterschiedliche Kräfte wie Big Zis und Skor aus dem Rap-, Mira Lu Kovacs aus dem Balladensing- oder Happy Scat aus dem Happy-Scat-Milieu tummeln. Und zum Schluss zeigt das Duo Quoniak, was mit Synthie und Schlagzeug an Groove-Sauereien möglich sind.

Samstag, 27. Februar Wild geht es auch am Samstag weiter. Trompeter Lukas Frei hat für die Werkstatt eine halbe Big Band zusammengestellt, Malcolm Braff duelliert sich mit einem belgischen Schlagzeuger, die Killing Popes toben sich mit Andreas Schaerer im Felde der Randständigen-Genres Free-Jazz und Grindcore aus, und das Duo Boomclap aus den USA beruhigt das Geschehen nur unwesentlich mit mehrfach gebrochenen Beats aus dem Analogsynthesizer-Park.

Sonntag, 28. Februar Am Sonntag gibts dann tatsächlich so etwas wie ein Ausklingen – mit der neuen Band des Pianisten Luzius Schuler, deren besonderes Merkmal ist, dass gleich zwei Saxofonisten um die Aufmerksamkeit buhlen. Und der Akkordeonist Hans Hassler trifft auf drei überdrehte Damen aus dem Osten. Wer dann noch mag, wirds wohl glatt finden. Rauchpause!

Turnhalle Progr, Mi, 24. Feb., bis So, 27. Feb., jeweils ab 20 Uhr. Öffentliche Proben: 15 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 23.02.2016, 10:30 Uhr

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