Kommentar: Das Warten dauert zu lange

Von Brigitta Niederhauser. Aktualisiert am 16.12.2008

Die strukturellen Probleme des Berner Stadttheaters sind nicht neu. Auch Marc Adams Vorgänger Eike Gramss hat immer wieder auf das fehlende Eigenkapital der Theatergenossenschaft aufmerksam gemacht, das die Risikofreudigkeit nachhaltig dämpft. Seit Längerem ist auch bekannt, dass der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen dem Theater und dem Berner Symphonieorchester den künstlerischen Handlungsspielraum des Theaters entscheidend einschränkt. Und auch keine Neuigkeit ist der desolate Zustand des Gebäudes.

Fast zwei Jahre lang hat eine Arbeitsgruppe den Patienten Stadttheater durchleuchtet und zwei Modelle für eine gesunde Zukunft vorgelegt. In dieser Zeit hat auch beim Theater ein Umdenken eingesetzt. Wurde anfänglich noch das Modell des Dreispartenhauses verteidigt, so befürwortet heute die Leitung eigene Spartenhäuser: Hier das grosse Haus, das wie in Zürich zum Opernhaus wird und auch noch das Ballett beherbergt, dort die neuen Vidmarhallen, die sich bereits nach einem Jahr als eigentliches Schauspielhaus profiliert haben. So weit fortgeschritten der Prozess bei den Theaterleuten ist, so zögerlich gebärden sich bis heute die Politiker. Der Vorstand der Regionalen Kulturkonferenz vertagte über Monate hinweg einen Entscheid und überraschte im letzten Herbst mit dem Beschluss, einen externen Berater beizuziehen. Erste Resultate sind nicht vor dem Frühjahr zu erwarten.

Dass angesichts der alarmierenden Situation weiter evaluiert wird, obwohl konkrete Modelle vorliegen, ist unverständlich. Umso mehr, als es die Orchesterfrage betreffend genügend nachahmenswerte Modelle an anderen Theatern gibt. So funktioniert zum Beispiel in Deutschland an nicht wenigen Häusern die Zusammenarbeit zwischen Musiktheater und Konzertorchester

reibungslos, weil ihnen ein gemeinsamer Generaldirektor vorsteht, dessen erklärtes Ziel es sein muss, für beide Institutionen eine optimale Arbeitssituation zu schaffen. Sie ist die Voraussetzung für den künstlerischen Erfolg.

Verbesserte Rahmenbedingungen garantieren weder Erfolg noch mehr Publikum. Doch erst sie ermöglichen eine faire Beurteilung von Marc Adams künstlerischer Arbeit. (Der Bund)

Erstellt: 16.12.2008, 08:24 Uhr