Wirkungsloses Verbot
Zwar ist das Betteln im Kanton Genf seit einem Jahr verboten. Dennoch kommen die beiden Tageszeitungen «Le Temps» und NZZ zur Einschätzung, dass sich in den vergangenen Wochen nicht weniger Almosensuchende auf den Strassen der Calvin-Stadt befinden als zuvor, sondern «vielleicht sogar mehr». Zwar kontrollierte die Polizei an die 2300 Bettler und verhängte bei jeder zweiten Kontrolle eine Ordnungsbusse. Doch das nützte kaum etwas. Auch der Entscheid, Angehörige der Roma aus ihren Lagern unter den Brücken zu verjagen, blieb offenbar ohne Wirkung. Die Leute übernachteten danach einfach in Parks oder Notunterkünften. Jedenfalls blieben sie in der Stadt und bettelten weiter. Sie hätten keine andere Wahl, heisst es seitens der Roma-Anwälte. Den Bettelnden kommt zugute, dass die Genfer Polizei im Konflikt mit der Kantonsregierung steht und vergangenen Herbst einen Bussen-Streik ausgerufen hat. Das Risiko, eine Busse bis zu hundert Franken zahlen zu müssen, entfällt darum derzeit für die Bettelnden.
Ausserdem sehen die Polizisten keinen Grund, gegen sie vorzugehen: «Sie sind keine Kriminellen, und ihre Papiere sind in Ordnung», heisst es. Die Polizei habe andere Prioritäten , und die Bevölkerung störe sich kaum an den Almosenempfängern. In Zürich und Basel, wo seit Jahren ein Bettelverbot herrscht, ist die Lage ähnlich ruhig wie in Bern. Dass organisierte Bettelbanden aktiv sind, wurde von den jeweiligen Korps bisher – wenn überhaupt – nur vereinzelt registriert, heisst es auf Anfrage. (pas)>
Erstellt: 17.01.2009, 01:15 Uhr
