Weisse Schafe und schwarze Schweizer

Von Corinne Leuenberger. Aktualisiert am 31.03.2009

Rassismus wird oft individuell erlebt und subjektiv wahrgenommen. Eine Afro-Schweizerin und der Präsident der Schweizer Demokraten definieren Rassismus und sagen in separat geführten Gesprächen, wie damit umzugehen sei.

«Bund»: Wie definieren Sie Rassismus?

Marie-paule Bitumba: Rassismus ist, wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden. Kürzlich war ich in Basel unterwegs: Eine Gruppe Jugendlicher kam mir entgegen, sie riefen «White power!» und machten das Hitlerzeichen. Wäre meine Hautfarbe nicht dunkel, hätten mich diese Leute nie angesprochen. Rassismus ist, wenn jemand aufgrund seiner Existenz ausgegrenzt wird, noch bevor die Person die Gelegenheit hatte, überhaupt eine Meinung zu äussern.

Bernhard Hess: Rassismus existiert nur als Begriff: Es ist ein Schimpfwort, das jegliche Kritik an der Ausländer- und Integrationspolitik verhindert. In der Schweiz wird dieses Schlagwort von Internationalisten missbräuchlich zur Verunglimpfung und Niederhaltung des national-konservativen Lagers verwendet. Das nenne ich die Rassismuskeule. Ich denke national, das heisst, Menschen sind nicht beliebig auswechselbare Teilchen, sondern Angehörige historischer Gemeinschaften, die Wert auf eine gewisse Kontinuität legen. Diese Auffassung ist nicht rassistisch; sie ist weltweit zu beobachten, was sie eigentlich zum Normalfall macht. Meiner Meinung nach funktioniert das Zusammenleben von Menschen verschiedener Nationalitäten in der Schweiz gut.

Ist der Rassismus ein Problem in der Schweiz ?

Marie-paule Bitumba: Rassismus beginnt in den Köpfen. Heute fällt er mir vor allem in der Politik oder im gesellschaftlichen Diskurs auf: Das berühmte SVP-Plakat mit den Schafen hat mich getroffen. Die SVP ist nicht per se schlecht, aber diese Darstellung ist menschenverachtend: Das schwarze Schaf hat den gleichen biologischen Hintergrund wie die weissen Schafe. Es wird ausgegrenzt, weil es nicht der Norm entspricht – wer definiert eigentlich, was normal ist? Als Kind habe ich Rassismus direkter erlebt: Ich wurde in der Schule verprügelt, weil ich schwarz bin; es fiel mir auf, dass die Leute im Bus weiter weg sitzen, oder ich spürte Ablehnung in den Blicken. Solche Vorkommnisse sind heute seltener; vielleicht fallen sie mir auch weniger auf. Es kommt aber vor, dass Freunde von mir unbewusst Bemerkungen machen, die mich treffen: Etwa, wenn jemand sagt: «I bi nid dis Negerli.» Ich glaube, dass unsere Gesellschaft heute stärker polarisiert ist als früher: Auf der einen Seite sind die Menschen offener und internationaler, auf der anderen Seite gibt es auch mehr Angst: Man fürchtet sich davor, Sicherheiten zu verlieren, das kann sich in fremdenfeindlichem oder rassistischem Verhalten äussern.

Bernhard Hess:Rassismus ist hierzulande kein Problem: Seit Jahrzehnten trichtert man den Schweizern ein, nur Fremde könnten Opfer von Rassismus sein. Das Schweizer Volk übersieht dadurch, dass es selbst diskriminiert wird: Im Namen der Multikulti-Utopie werden die Schweizer aufgefordert, auf ihre Eigenart zu verzichten und Fremde kritiklos aufzunehmen. Wer aufmuckt, bekommt die Rassismuskeule zu spüren. Die Opfer sind die Schweizer. Dies äussert sich beispielsweise im Alltag: Wenn sich eine Schweizer Familie über ausländische Nachbarn beschwert, weil diese etwa die Waschküche nicht reinigten, heisst es sofort, die Schweizer seien Rassisten. Konflikte werden nicht wirklich gelöst, sondern unter dem Vorwurf des Rassismus zuungunsten der Schweizer entschieden.

Was ist gegen Rassismus zu tun?

Marie-paule Bitumba: Integration ist sicher ein wichtiger Faktor. Da stelle ich mir aber die Frage, wie weit muss ich gehen, um angenommen zu sein? Hier besteht die Gefahr, dass der Kreis immer enger wird: Je mehr ich mich angleiche und meine Herkunft unterdrücke, desto mehr gehöre ich dazu –und trotzdem habe ich zwei Kulturen in mir. Gerade ältere Leute reagieren teils sehr positiv, sobald sie merken, dass ich Berndeutsch spreche. Als ich im Spital gearbeitet habe, gab es einen Patienten, der Mitglied bei der Partei national Orientierter Schweizer ist. Er war sehr offen und freundlich zu mir – nur weil ich Dialekt spreche. Gegenüber Ausländern, die dies nicht taten, blieb er abweisend. Ich glaube, dass die Werte in unserer Gesellschaft erneuert werden müssen. Rassismus ist immer auch eine Frage der Wertschätzung gegenüber Menschen.

Bernhard Hess: Angesichts der Tatsache, dass Einwanderung zum Selbstzweck ausgeartet ist, muss man diesem Problem zuerst auf geistiger Ebene begegnen: Die Menschen sind keine abstrakten Teilchen, die man beliebig zusammenwürfeln kann, und Masseneinwanderung ist kein Allheilmittel. Rassismus sollte man deshalb mit begrenzter Einwanderung begegnen.

Was ist an der Strafnorm gegen die Rassendiskriminierung schlecht?

Bernhard Hess:Die Strafnorm beschränkt die grundlegenden Freiheitsrechte: In der Bundesverfassung ist das Recht auf Gleichheit aller Bürger schon ohne dieses Gesetz verankert. Die Strafnorm kollidiert jedoch mit zentralen Grundrechten wie der Meinungsäusserungsfreiheit. Das Grundanliegen der Strafnorm – Schutz der Menschenwürde – ist für mich zwar unbestritten, doch wird dieses Gesetz häufig missbraucht, um Kritik an der Einwanderung und der multikulturellen Gesellschaft mundtot zu machen. (Der Bund)

Erstellt: 31.03.2009, 09:02 Uhr