Spitalärzte kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen
Von Christian Brönnimann. Aktualisiert am 03.09.2010
«Assistenzärztin/-arzt 100% (62 Stunden/Woche)». Mit diesem Stelleninserat, das am Mittwoch auch im «Bund» erschienen ist, lancierte der Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte Bern (VSAOB) eine Kampagne, welche die prekären Arbeitsbedingungen in Spitälern aufzeigen soll. «Wir haben genug von den belastenden und zum Teil gefährlichen Bedingungen», sagte VSAOB-Geschäftsführerin Rosmarie Glauser gestern vor den Medien. Das fiktive Inserat habe in kurzer Zeit viele, teils empörte Reaktionen hervorgerufen. In der Tat seien aber 62-Stunden-Wochen bei Assistenz- und Oberärzten im Kanton Bern an der Tagesordnung.
Das Gesetz erlaubt eigentlich maximal 50 Wochenstunden. «Erst wenn es schwarz auf weiss zu lesen ist, regen sich die Leute darüber auf. Wir wollen den Druck auf die Politik erhöhen», sagte Glauser. «Nur diejenigen Spitäler, welche das Gesetz einhalten, sollen einen Platz auf der zukünftigen Spitalliste erhalten.» Das kantonale Wirtschaftsamt Beco führt seit diesem Frühling Kontrollen in den Spitälern durch. Erste Resultate sind laut Beco aber erst für nächstes Jahr zu erwarten.
Ein Streik ist für den VSAOB im Moment kein Thema. Erst einmal soll breit informiert werden, sagte Glauser. Die Kampagne kostet 200 000 Franken. Nach den Stelleninseraten folgen in den kommenden Wochen Plakate und Standaktionen in Bern, Biel, Thun und Langenthal. Zudem wird eine Petition lanciert, die fordert, dass auch in den Spitälern die Minimalstandards des Arbeitsgesetzes eingehalten werden und dass die Dienstpläne der Ärzte neu von 46 anstatt wie bisher üblich von 50 Wochenstunden ausgehen. Insgesamt sollen «Arztberuf und Familie endlich vereinbar werden». (bro) (Der Bund)
Erstellt: 03.09.2010, 10:22 Uhr
