«Ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen»
Von Mireille Guggenbühler. Aktualisiert am 19.02.2010
Es ist seit längerer Zeit ein offenes Geheimnis: Thuns Gemeinderätin Ursula Haller (bdp) möchte gerne Stadtpräsidentin und damit Nachfolgerin des Ende Jahr zurücktretenden Hansueli von Allmen (sp) werden. Am Mittwochabend nun hat die Parteiversammlung die 62-jährige Haller einstimmig nominiert. Sie wird damit – so viel ist bereits im Vorfeld der Wahlen von Ende November bekannt – gegen den SVP-Kandidaten Raphael Lanz antreten müssen. Weitere Kandidaten anderer Parteien dürften folgen.
Ein ehrgeiziges Ziel
Die BDP hat sich mit der Nomination Hallers ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Denn: Voraussetzung für die Wahl als Stadtpräsidentin (Majorz) ist die gleichzeitige Wahl in den Gemeinderat (Proporz). Die BDP brauchte dafür 16,66 Prozent Wähleranteil. Wie Haller an der gestrigen Medienkonferenz ausführte, ist sie sich bewusst, dass die Kandidatur «ein Risiko» ist. «Ich habe meine bisherige Wählerbasis in Thun verloren», räumte Haller unumwunden ein mit Blick auf ihren Parteiwechsel von der SVP in die BDP. Aber: «Ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen.»
2006: Bestes Wahlresultat
Bei den Gemeinderatswahlen 2006 erzielte Haller, damals noch als SVP-Mitglied, das beste Wahlresultat aller Gemeinderäte. Und: Sie hat auch Stimmen aus anderen Lagern geholt. Dies ist anhand der veränderten Wahlzettel sichtbar. So stammten von total 6537 Stimmen fast die Hälfte, das heisst 3041, von veränderten Wahlzetteln. Ihr Name stand beispielsweise 611 Mal auf einem SP-Wahlzettel.
Ursula Haller wie auch der BDP-Präsident des Wahlkreises Thun, Beat Haldimann, gaben sich gestern zuversichtlich, die Hürde in den Gemeinderat zu nehmen. «Bis anhin hat die BDP bei allen Gemeindewahlen im Kanton Bern reüssiert und stets einen Wähleranteil von mindestens 18 Prozent erreicht», rechnete Haller vor. Aufwind geben könnte der BDP vor allem auch ein Schulterschluss mit der FDP oder der CVP/EVP. Die FDP hat kürzlich bekannt gegeben, mit der bisherigen Gemeinderätin Jolanda Moser und Stadtrat Carlos Reinhard ins Rennen um die Gemeinderatssitze zu steigen. Die Nomination für das Stadtpräsidium behält sich die FDP noch vor.
Möglich ist auch, dass sämtliche Parteien zuerst mit eigenen Kandiaten antreten werden: Die FDP mit Jolanda Moser, bei der CVP gilt Stadtrat Konrad Hädener als möglicher Kandidat, bei den Grünen Stadtrat Thomas Hiltpold, und die SP wird vermutlich mit dem amtierenden Gemeinderat Peter Siegenthaler antreten. Damit käme es sicher zu einem zweiten Wahlgang. Ob sich die Bürgerlichen dann für den zweiten Wahlgang auf einen Kandidaten einigen könnten, wird sich weisen.
Fest steht: Ursula Haller zieht als begeisterte Gemeinderätin in die Wahlen. «Ich habe für Thun nicht nur eine Liebe, sondern eine wahre Leidenschaft entwickelt», sagte sie gestern. Und wohl auch, weil leidenschaftliche Liebe jung hält, sieht sie ihr Alter als unproblematisch an. Zudem, sagte sie, bringe sie viel Erfahrung mit: Sie amtet schon zwölf Jahre als Gemeinderätin – davon acht als Vizestadtpräsidentin. (Der Bund)
Erstellt: 19.02.2010, 08:44 Uhr
