Doch Tempo 30 für die Hessstrasse

Von Renate Bühler. Aktualisiert am 29.03.2010

Der wichtigste Schulweg im Liebefeld soll sicherer werden: Geht es nach dem Willen des Könizer Gemeinderates, wird auf der Hessstrasse Tempo 30 eingeführt.

«Die Projektierung für die Einführung von Tempo 30 an der Hessstrasse wird ausgelöst», teilte der Könizer Gemeinderat gestern mit. Was so nüchtern tönt, hat einen traurigen Hintergrund: Im Februar 2009 wurden eine Mutter und ihre zwei Kinder auf dem Trottoir an der Hessstrasse im Liebefeld von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Der Fahrer hatte auf der verschneiten Strasse die Beherrschung über sein Fahrzeug verloren und war mit seinem Auto auf das Trottoir geraten.

Die Situation an der Hessstrasse gibt seit Jahren zu reden: Zwar herrscht im Quartier fast überall Tempo 30, doch ausgerechnet die Hessstrasse darf nach wie vor mit 50 Kilometern pro Stunde befahren werden. Die Achse zwischen dem Steinhölzliquartier und der Schwarzenburgstrasse ist der Schulweg Nummer eins der Liebefelder Kinder: Gleich neben der von Wohnhäusern gesäumten Strasse, die täglich von ungefähr 5500 Fahrzeugen benutzt wird, stehen nebst einem Kindergarten das Schulhaus Hessgut, wo die Unter- und Mittelstufenkinder unterrichtet werden, und die Oberstufenschule Steinhölzli. Rund 100 Schülerinnen und Schüler queren die Strasse pro Tag. Bereits seit 2006 wird die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung vor den Schulhäusern mit einer fixen Radaranlage, einem sogenannten Blechpolizisten, überwacht.

Zwar hat die Könizer SP vor nunmehr vier Jahren ein Postulat eingereicht, welches verlangte, dass eine Geschwindigkeitsreduktion auf 30 Kilometer pro Stunde geprüft wird, doch das Parlament lehnte dies knapp ab — vorwiegend mit dem Argument, die Hessstrasse dürfe als Autobahnzubringer nicht mit einem Tempo-30-Regime belegt werden. Die Hessstrasse ist aber seit der Eröffnung der Bündenackerstrasse vor fünf Jahren — auf der Tempo 50 gilt — nicht mehr die einzige Verbindung zwischen Spiegel und der Autobahnzufahrt Bümpliz.

Forderung aus dem Quartier

Nach dem Verkehrsunfall gelangten im März 2009 die Schulleitung Hessgut, der Elternrat, der Liebefeld-Leist, die Schulkommission Liebefeld sowie die Verkehrsgruppe Liebefeld mit der Forderung an die Gemeinde, die Verkehrssicherheit an der Hessstrasse zu verbessern. Mittlerweile liess der Gemeinderat fünf verschiedene Varianten prüfen: die Beibehaltung der heutigen Regelung, die Beschränkung auf 40, die Beschränkung auf 30 Kilometer pro Stunde und die Einführung einer sogenannten Begegnungszone, welche als Tempomaximum 20 Kilometer pro Stunde vorsieht.

Keine Chance hatte gemäss der Könizer Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (sp) die Schliessung der Strasse für den motorisierten Verkehr: «Es münden zu viele Nebensträsschen in die Hessstrasse; die Kontrollen wären wahnsinnig aufwendig geworden.»

Schwarzenburgstrasse als Vorbild

Nun wird also die Tempo-30-Zone projektiert — primär, weil diese Variante «auch vom Bremsweg her die höchste Verkehrssicherheit bietet», wie Sedlmayer sagt. Ausschlaggebend für diese Variante war weiter der Umstand, dass im Liebefeld bereits vielerorts Tempo 30 gilt. «Die Hessstrasse kann so in die bereits bestehenden Tempo-30-Zonen integriert werden», sagt Sedlmayer. Die Anpassung des Temporegimes von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde hat zur Folge, dass man bei ungestörter Fahrt die 450 Meter lange Hessstrasse in 54 statt wie bisher 33 Sekunden zurücklegt.

Bereits seit dem Umbau der Schwarzenburgstrasse im Jahr 2005 gilt im Könizer Ortskern Tempo 30 — gemäss Sedlmayer mit gutem Erfolg: «Die Unfälle sind dort seither um 30 Prozent zurückgegangen.»

Quartierleist ist «sehr froh»

Auf Freude stösst der gemeinderätliche Entscheid im betroffenen Quartier: «Der Quartierverein Liebefeld-Leist begrüsst diesen Entscheid sehr», schrieb Leistpräsident Markus Kaufmann gestern den Medien. «Wir setzen uns seit Langem für eine Verkehrsberuhigung auf dieser engen Strasse ein, die von vielen Schülern mehrmals täglich überquert werden muss.» Und: «Nun sind wir sehr froh, dass sich eine Verbesserung der Situation abzeichnet.»

Bewilligungsstelle ist der Kanton

Im Rahmen der Projektierung werden nun unter anderem die Verkehrsführung bei den Kreiseln Hess- und Kirchstrasse, der Rechtsvortritt sowie die Fussgängerstreifen bearbeitet.

Das Projekt wird vom Könizer Gemeinderat beschlossen und muss zuletzt vom Kanton genehmigt werden. Die Dauer des Planungs- und Bewilligungsverfahrens ist gemäss Mitteilung der Gemeinde derzeit noch offen. (Der Bund)

Erstellt: 29.03.2010, 15:39 Uhr