Gegenwartskunst: Chronik des grossen Scheiterns

Von . Aktualisiert am 12.03.2010

Seit über 20 Jahren werden in Bern Pläne für ein Museum für Gegenwartskunst respektive eine Abteilung Gegenwart gewälzt – bisher ohne Erfolg. Zuletzt scheiterte im Sommer 2009 das Projekt Scala. Die Kosten für den Anbau beim Kunstmuseum Bern waren auf über 20 Millionen Franken angeschwollen. Rückblick:

1987: Gründung der Stiftung Kunsthalle. Zu den Gründungsmitgliedern zählen u. a. Jobst Wagner, Eberhard W. Kornfeld, Bernhard Hahnloser, Donald Hess, Thomas Koerfer, Paul Jolles, Beat Jordi. Wie die Stiftung Kunst Heute beginnt auch die Stiftung Kunsthalle mit dem Aufbau einer Sammlung, die dereinst einem Museum für Gegenwartskunst zur Verfügung gestellt werden soll. Mit dem Kunstmuseum Bern und dem Kunsthalle-Direktor Ulrich Loock werden erste Entwürfe entwickelt.

1990er-Jahre: Als mögliche Standorte sind das Gaswerkareal, der Brückenkopf bei der Lorrainebrücke und das alte Progymnasium am Waisenhausplatz (heute Progr, damals Wirtschaftsmittelschule WMB) im Gespräch. Ursprüngliche Idee: Die Gegenwartskunst soll mit einem Klee-Museum unter einem Dach vereint werden.

Sommer 1998: Maurice E. Müller lanciert die Idee für das Zentrum Paul Klee (ZPK) im Schöngrün. Gegenwart und Klee sind damit getrennt. Das Kunstmuseum gerät unter Druck.

Sommer 1999: Eine Projektgruppe unter der Leitung von Jobst Wagner wird eingesetzt.

März 2000: Die Projektleitung präsentiert die Pläne für ein Museum für Kunst der Gegenwart (MKG) im alten Progymnasium unter der Leitung des Kunstmuseums. Die Stiftung Kunsthalle verpflichtet sich, private Gelder in Höhe von 10 Millionen Franken zur Verfügung zu stellen.

April 2001: Kunstmuseumsdirektor Toni Stooss wird entlassen. Ihm wird vorgeworfen, sich zu wenig für das Projekt Gegenwart eingesetzt zu haben.

1. November 2002: Das Kunstmuseum Bern unter dem neuen Direktor Matthias Frehner übernimmt die Projektleitung. Aus dem Projekt Museum für Kunst der Gegenwart wird das Projekt Kunstmuseum Bern/Gegenwart.

Januar 2004: Der Mäzen Hansjörg Wyss bietet der Stadt Bern 17 Millionen für die Umnutzung der WMB. Die Stiftung Kunsthalle will ihrerseits 4 Millionen beitragen.

Mai 2004: Streit zwischen dem Kunstmuseum und dem Zentrum Paul Klee bzw. zwischen den Mäzenen Wyss und Müller um die Klee-Bilder im Kunstmuseum Bern.

August 2004: Eine Machbarkeitsstudie für den Umbau des Progr rechnet mit Kosten von 21 Millionen Franken. Mäzen Hansjörg Wyss stellt 18 Millionen zur Verfügung.

November 2004: Der «Bilderstreit» wird beigelegt. Die Werke Paul Klees bleiben im Eigentum des Kunstmuseums, werden aber ans Klee-Zentrum ausgeliehen.

9. Dezember 2004: Das Progr-Projekt wird aufgegeben, Wyss erachtet die Finanzierung als zu problematisch. Er favorisiert einen kostengünstigeren Anbau beim Kunstmuseum.

April 2005: Machbarkeitsstudie für die aareseitige Erweiterung des Kunstmuseums Bern.

Juni 2005: Wyss unterzeichnet eine Leistungsvereinbarung. Die Stiftung Gegenwart erhält 20 Millionen Franken – 10 Millionen für den Bau, 10 Millionen für Ausstellungen und Projekte.

Januar 2006: Ein Architekturwettbewerb wird ausgeschrieben.

Dezember 2006: Juryentscheid für das Projekt an_gebaut. Die Denkmalpflege legt ihr Veto ein.

April 2007: Der Stiftungsrat des Kunstmuseums Bern entscheidet sich für das zweitplatzierte Projekt Scala. Wyss droht das Geld zurückzuziehen.

Mai 2007: Wyss und das Kunstmuseum Bern einigen sich. Wyss will neu 12 statt 10 Millionen für den Anbau zur Verfügung stellen.

Juni 2008: Der Stiftungsrat des Kunstmuseums gibt grünes Licht für das Projekt. Geschätzte Kosten: 16 bis 17,5 Millionen.

August 2009: Das Projekt wird aus Kostengründen gestoppt. (klb) (Der Bund)

Erstellt: 12.03.2010, 09:51 Uhr