Baustoff aus der Baugrube
Wer wohnt schon im Aushub des eigenen Hauses? Seit zwölf Jahren tut es Familie Gerber in Wahlendorf, bei bestem Raumklima dank Lehm. Jener für den Verputz an den Wänden kam tatsächlich aus der Baugrube, wurde zerbröselt, gesiebt und mit Sand sowie Wasser gemischt, fertig zum Auftragen. Beim Verputzen der Wände und bei fast allen Arbeiten am und im Haus hat Peter Gerber, von Beruf Sekundarlehrer, kräftig Hand angelegt.
Das Haus ist ein Holzrahmenbau mit 25 Zentimetern Isolation, aussen mit rohen Tannenleisten verkleidet. Die Innenwände aber sind nicht nur mit Lehm verputzt: Sie bestehen aus Lehm. Allerdings nicht solchem aus dem Aushub. Vielmehr stammen sie aus einer Ziegelei in Deutschland, die ungebrannte Backsteine an der Luft trocknen lässt. Der Architekt und Baubiologe Hannes Heuberger, der das Haus entworfen hat und gern mit Lehm arbeitet, berichtet, in der Schweiz biete keine Ziegelei diesen Service. Er hat auch schon mühsam selber Lehmsteine von Hand geformt, wie es in Afrika gang und gäbe ist. Man müsse auch darauf achten, dass wirklich nur unbelasteter Lehm in den Steinen sei, nicht etwa Hochofenschlacke. «Lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie einen Spezialisten.»
Automatischer Feuchtespeicher
Getrockneter Lehm kann, wie Heuberger erklärt, bis zu einem Drittel seines Gewichts an Luftfeuchtigkeit aufnehmen und nachher allmählich wieder abgeben, ohne Schaden zu nehmen. Der Architekt empfiehlt Lehm daher gerade auch für Badezimmer, etwa in Form von Platten an der Decke. Nur was direkt nass wird, muss geplättelt werden. Peter Gerber erzählt, wenn jemand dusche, beschlügen sich nicht einmal die Spiegel. Und das angenehme Raumklima im ganzen Haus zeige sich auch daran, dass Gäste oft rühmten, wie gut sie hier schliefen. Eine abgeschabte vorstehende Kante zeigt allerdings eine Schwäche des Verputzes. Dafür könne man das Material leicht reparieren, indem man es wieder anfeuchte, meint der Architekt.
Da getrockneter Lehm nur feucht, nicht nass werden darf, verwendet ihn Heuberger bloss innen. Durch ein grosses Vordach und durch einen Kalkanstrich geschützt, gibt es aber auch alte Aussenmauern aus Lehm: Im Bauernhaus von 1823 in Wahlendorf, das er selber bewohnt, hat der Architekt solche Mauern gefunden und belassen. Lehmsteine verwendet er auch gern als zusätzliche Schicht innen bei Holzrahmenwänden: Diese gewinnen so an Masse zur Schalldämmung und als Wärmespeicher. (dg)
<@>Architekt hjh-biobau.ch
Verein SIB www.baubio.ch
Institut www.sentinel-haus.eu
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Erstellt: 14.07.2009, 01:16 Uhr
