An der Nahtstelle der Epochen und Kulturen

Eine zweiwöchige «Bund»-Leserreise durch Syrien und Jordanien führt in die orientalischen Städte Aleppo, Damaskus und Amman, zu den römischen Ruinen von Palmyra, Bosra und Jerash und in die berühmte Felsenstadt Petra – weite Strecken davon in der Hedjaz-Bahn, welche vor gut 100 Jahren erbaut wurde.Eine Dampflokomotive der Hedjaz-Bahn.

1/37 Leserreise: Burmesische Impressionen

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Globotrain: Berner Gründlichkeit im Orient

Die «Bund»-Leserreise vom 25. September bis 9. Oktober 2010 von Aleppo über Palmyra, Damaskus, Amman und Petra nach Akaba wird von einem für Bahnreisen sehr bekannten Reiseveranstalter organisiert: Globotrain ist die auf Zugsreisen spezialisierte Tochter der in Bern ansässigen Gruppe Globotrek & Background Tours AG. (akv)

Der Nahe Osten ist jene Gegend am südöstlichen Mittelmeer, in der drei Weltreligionen entstanden sind, in der Herrscher ihre Kriege ausfechten liessen und Weltreiche ebenso wie regionale Mächte ihre Spuren hinterliessen. Und nirgendwo im Nahen Osten findet man so viele dieser Spuren wie in Syrien und in Jordanien.

Da wären die römischen Ruinen zu nennen, zum Beispiel jene in Palmyra, einer uralten Handelsstadt in der syrischen Wüste, an der Route von Iran zum Mittelmeer und nach Phönizien gelegen. Noch heute kann der Tourist ermessen, wie reich diese Stadt gewesen sein muss. Oder Bosra an der syrisch-jordanischen Grenze mit seinem römischen Theater. Oder das riesige Ruinenfeld von Jerash in Jordanien, nördlich von Amman, das einen fassbaren Eindruck einer wichtigen römischen Stadt vermittelt.

Orte sind zu besichtigen, die miteinander um den Titel der «ältesten Stadt der Welt» wetteifern: Aleppo, Damaskus, Amman. Im Suk von Aleppo, einem Labyrinth von zwölf Kilometern überdachter Marktgassen, könnte man tagelang verweilen – oder für immer: um Teppiche feilschen; nach Gold und Silber gieren; an Gewürzen oder der berühmten Aleppo-Seife aus Lorbeer- und Olivenöl schnuppern; und zwischendurch einen bitteren Kaffee oder einen mit Pfefferminz gewürzten Tee schlürfen.

Aleppo mit 1,7 Millionen Einwohnern prunkt zudem mit der Omayyaden-Moschee, der maronitischen Kathedrale und der Zitadelle, dem befestigten Schloss aus dem 13. Jahrhundert auf einem bis 50 Meter hohen Hügel. Schon seit der Bronzezeit sollen sich auf dieser Anhöhe Befestigungsanlagen befunden haben.

Nicht nur aus islamischer, auch aus frühchristlicher Zeit und später von den Kreuzfahrern findet man viele Relikte. So gehören das Simeons-Kloster aus dem 5. Jahrhundert bei Aleppo und die Ruinen des Krac des Chevaliers, imposant auf einer kaum einnehmbaren Anhöhe zwischen der Stadt Homs und der Hafenstadt Tartus nahe der libanesischen Grenze gelegen, auf jeder Syrienreise zum Programm.

Saladin belagerte vergebens

Die erste nachgewiesene Befestigung auf dem Hügel war vom Emir von Homs 1031 erbaut worden. Später kamen die Kreuzritter, die ab 1170 die erste Etappe der noch heute zu besichtigenden Burg erstellten. Der begnadete Heerführer Salah-ad-Dine («Saladin»), der 1187 Jerusalem erobert hatte, belagerte den Krac 1188 erfolglos. Erst 1271 ergab sich die Burg der Armee des Sultans von Syrien und Ägypten, Baibars.

Saladin und Baibars sind in Damaskus beerdigt, der syrischen Hauptstadt, die für sich beansprucht, «die älteste von Menschen ohne Unterbrechung bewohnte Stadt» zu sein, und die inzwischen mit Vororten mindestens 2,5 Millionen Einwohner zählt. Das Tal von Damaskus mit seiner grossen Oase, mitten in einer Trockenzone gelegen, war von alters her ein attraktives Siedlungsgebiet. Man hat hier Reste einer Siedlung aus der Steinzeit (ca. 9500 bis 8500 v.Chr.) ausgegraben. Seither hat die Stadt ein Dutzend bewegte Jahrtausende erlebt, von denen die Exponate im Nationalmuseum zeugen. Die Damaszener Altstadt mit dem überdachten Markt, dem Suk Al-Hamediyeh, und der Omayyaden-Moschee ist seit 1979 im Verzeichnis des Unesco-Welterbes registriert.

Bewegte Stadtgeschichte

Die Omayyaden-Moschee reflektiert die bewegte Stadtgeschichte: An dieser Stelle hatten die Römer schon einen Jupitertempel gebaut. Ende des 4. Jahrhunderts wurde dieser durch eine Kirche ersetzt, die Johannes dem Täufer geweiht war. 705 wurde die Kirche abgerissen. An ihrer Stelle bauten die Omayyaden – sie herrschten von Mitte des 7. bis Mitte des 8. Jahrhunderts über den sunnitischen Islam – eine gewaltige Moschee, 200 Meter lang, 150 Meter breit.

Timur Leng (Tamerlan), der Kriegsfürst aus Zentralasien, eroberte und verwüstete 1401 Damaskus, tötete mindestens 30 000 Einwohner und zerstörte die Moschee. Diese wurde wieder errichtet und 1893 nochmals von einem Brand verwüstet. Erneut wurde sie aufgebaut, jedoch in kleineren Dimensionen. Auch so ist die Omayyaden-Moschee ein eindrückliches Bauwerk; ihr kühles, stilles Inneres ist ein willkommener Zufluchtsort vor Hitze, Lärm und Gestank des Suks.

Deutsche Bahn für Mekka-Pilger

Ein Touristenziel anderer Art ist in Damaskus der Hedjaz-Bahnhof: Der türkische Sultan Abdul Hamid, damals Herrscher über den ganzen Orient, ordnete 1900 den Bau der Hedjaz-Bahn an, die von Konstantinopel (Istanbul) über Damaskus und Amman nach Mekka fahren sollte. 1901 übernahm der Deutsche Heinrich August Meissner die Bauleitung. 1908 wurde die Strecke Damaskus–Medina (heute in Saudiarabien) eröffnet, doch der Weiterbau bis Mekka wurde nie realisiert. Denn der Emir von Mekka verdächtigte die Türken, die Bahn nicht gebaut zu haben, um Pilger zu den heiligen Stätten des Islams zu transportieren, sondern um Truppen in die Hedjaz-Region zu befördern.

Einst fuhr die Bahn von Damaskus fahrplanmässig nach Medina und nach Haifa (heute Israel). Später rostete sie mehr oder weniger ein. Heute sind mehrere Teilstrecken wieder befahrbar, zur Freude der Touristen, die in Wagen aus der Gründerzeit das Eisenbahngefühl von einst wiederaufleben lassen. Die Landschaft zwischen Damaskus und Deraa an der jordanischen Grenze – und von dort bis Bosra, wo der Bahnhof neben dem römischen Theater liegt – bietet eine perfekte Kulisse für die gemächliche Bahnfahrt.

Metropole Amman

Verglichen mit Aleppo und Damaskus wirkt Amman modern. Zwar kommt die Stadt als «Rabba» schon in der Bibel vor; die Ammoniter nannten sie Rabbat-Ammon. Nach der Eroberung durch Alexander den Grossen kam sie unter ptolemäische Herrschaft; König Ptolemaios II. Philadelphos gab ihr den Namen Philadelphia, den sie fast 1000 Jahre lang behalten sollte. Ihre grosse Zeit brach an, als der römische Kaiser Traian die Region in die Provinz Arabia Petraea eingliederte. Aus dieser Zeit stammen die Ruinen der Zitadelle, das Forum und das ausserordentlich gut erhaltene Amphitheater.

635 eroberten die Araber die Stadt, und ab 750 begann ihr Abstieg. Im Mittelalter war sie weitgehend entvölkert. Sie erholte sich erst ab 1903 dank der Hedjaz-Bahn. Deren malerischer Bahnhof beherbergt heute ein kleines Bahnmuseum. 1921 wählte Abdallah Ibn al-Hussein, der aus dem Hedjaz vertriebene Haschemitenchef, Amman als Regierungssitz des neuen Emirats Transjordanien, das ihm die Mandatsmacht England zugeschanzt hatte und aus welchem später das Königreich Jordanien entstand. Doch Amman blieb klein. 1900 hatte es 2000 Einwohner, 1948, als der Nachbarstaat Israel proklamiert wurde, etwa 30 000. Erst mit dem Zustrom palästinensischer Flüchtlinge nach 1948 wuchs die Stadt rasch; sie hat heute offiziell eine, in Wirklichkeit etwa anderthalb Millionen Einwohner.

Der herrlichste Ort der Welt

Von Amman aus können einige der wichtigsten Stätten des Landes besichtigt werden: die Römerstadt Jerash; der Berg Nebo, wo Moses laut der Legende starb und beerdigt wurde; das Tote Meer. Etwas weiter entfernt ist Petra, die wichtigste Sehenswürdigkeit des Nahen Ostens mit einer Geschichte, die in die graue Vorzeit zurückreicht: Das Tal von Petra war schon in der Altsteinzeit besiedelt. Um 500 v. Chr. errangen die semitischen Nabatäer, die aus dem Inneren Arabiens stammten, die Kontrolle über die Handelswege, die in der Gegend zusammenliefen. Die Nabatäer und ihre Hauptstadt Petra wurden rasch sehr reich und ersetzten ihre Zeltstadt ab dem 3. Jhdt. v. Chr. durch feste Bauten. Das nabatäische Königreich eroberte im 1. Jhdt. v. Chr. Damaskus und belagerte Jerusalem.

Das allerdings war ein Fehler, denn jetzt fühlten sich die Römer angegriffen, und ihr Feldherr Marcus Aemilius Scaurus besiegte 62 v. Chr. den Nabatäerkönig Aretas III. Trotzdem wuchs der Wohlstand der Stadt weiter, und die Bauten nahmen um die Zeit von Christi Geburt immer monumentalere Formen an. Erst 106 n. Chr. besiegte der römische Kaiser Traian die Nabatäer endgültig und gliederte ihr Land als Provinz Arabia Petraea ins Römische Reich ein.

Nach schweren Erdbeben 363 und 551 und nach Eroberung der Region durch die Araber 663 verliessen die letzten Einwohner Petra. Von den gemauerten Bauten blieben nur wenig übrig; die Felsgräber und das Theater dagegen, die aus dem roten Stein der Bergflanken herausgemeisselt worden waren und derentwegen heute unzählige Touristen Petra besuchen, haben die Zeit überstanden.

Seit den Kreuzzügen hatte kein Europäer mehr Petra betreten. Erst 1812 entdeckte der Basler Orientalist und Abenteurer Jean Louis Burckhardt Petra neu. T. E. Lawrence, «Lawrence von Arabien», veröffentlichte 1926 sein Werk «Die sieben Säulen der Weisheit». Darin schilderte er, wie er den Aufstand der Araber gegen die osmanischen Türken organisiert hatte. Und zu Petra meinte er, es sei «der herrlichste Ort der Welt». Eine Meinung, der sich Petra-Besucher nur anschliessen können. (Der Bund)

Erstellt: 22.02.2010, 08:39 Uhr