SVP-Kandidat verdiente Geld mit Prostituierten

Die SVP tritt mit fünf Kandidaten für die Gemeinderatswahlen an. Darunter ist ein ehemaliger Bordellbetreiber.

Verdiente sein Geld mit Prostituierten: Gemeinderatskandidat Stefan Hofer (SVP).

Verdiente sein Geld mit Prostituierten: Gemeinderatskandidat Stefan Hofer (SVP). Bild: zvg

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Das Fünferticket der SVP für die Gemeinderatswahlen ist komplett: Die Partei hat am Montag einstimmig ihre «bestens geeigneten Kandidaten» nominiert, wie sie mitteilt.

Neben dem populären Tierparkdirektor Bernd Schildger stehen Parteipräsident Rudolf Friedli, Lastwagenchauffeur Erich Hess, der parteilose Bronco und Ex-Stadtrat Jimy Hofer auf der Liste. Und da gibt es noch einen Hofer. Stefan Hofer, Pilot.

Doch Stefan Hofer sass nicht immer im Cockpit. Er war einst Bordellbetreiber. Von 2004 bis 2006 führte er den Saunaclub Kleopatra in Bargen bei Aarberg, in dem sich rund 20 Frauen, vorwiegend Ausländerinnen, noch immer prostituieren.

Als Hofer den Club 2006 an einen anderen Pächter übergab, verdiente er sein Geld noch bis 2014 als dessen Liegenschaftsbesitzer. 2011 fusionierte die Kleopatra Gastro Betriebs AG mit der Honag AG.

Bis Ende letzten Jahres war Hofer Verwaltungsratspräsident der Honag AG, laut Handelsregisterinformationen eine Immobilienfirma.

An seine Vergangenheit will sich Hofer erst nicht genau erinnern. Er sei nicht Betreiber, sondern Eigentümer der Liegenschaft gewesen, sagt er. Erst auf mehrmaliges Nachhaken räumt er ein, «Verwaltungsrat der Betreiberfirma des Clubs» gewesen zu sein.

Das schade seiner Glaubwürdigkeit als Gemeinderatskandidat jedoch keineswegs. «Selbstverständlich bleibe ich ein glaubwürdiger Kandidat», sagt er. Er sei voll auf Parteilinie. Hofer holt gar aus: «Im Gegensatz zu anderen Kandidaten bin ich selbstständig und weiss, was es heisst, Verantwortung zu übernehmen und Leute zu führen.»

Diese Aussagen erstaunen, hört man sich im Kleopatra um. Gabriela Burri, seit 2010 Geschäftsführerin des Bordells, lässt kein gutes Haar am ehemaligen Vermieter. «Wir haben Hofer eine horrende Miete bezahlt.»

Zudem seien noch immer Rechnungen von Reparaturen offen, die Hofer nicht bezahlt habe. «Uns ist klar gewesen, warum er den Club trotz unglaublicher Rendite loswerden wollte: Weil er keinen ‹Dreck am Stecken› mehr haben wollte», sagt Burri. Hofer übernimmt auf 1. März den Grossratssitz von Erich Hess, der im Oktober in den Nationalrat gewählt wurde.

Illegal arbeitende Prostituierte?

Zumindest einmal geriet der Saunaclub in die Schlagzeilen, als nach einer Razzia 2009 14 Frauen aus Rumänien und Bulgarien mit illegalem Aufenthaltsstatus in Ausschaffungshaft genommen wurden. Schon unter Hofer sollen Frauen aus diesen Ländern gearbeitet haben.

Dies, obwohl es ihnen erst ab Juli 2009 – nach Ausdehnung des Freizügigkeitsabkommens auf die osteuropäischen Staaten – erlaubt gewesen wäre, in der Schweiz ohne Sonderbewilligung einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

Darauf angesprochen, hält Hofer fest: «Nie existierte ein Arbeitsverhältnis zu irgendwelchen Besuchern des Clubs.» Zwar gelten laut Burri die Sexarbeiterinnen seit ihrer Führung tatsächlich als Besucherinnen, weil auch sie Eintritt in den Club bezahlen.

Dafür können sie das, was sie in den Nebenzimmern verdienen, behalten. Eine Art Mietverhältnis besteht aber trotzdem, auch weil einige Frauen im dazugehörigen Motel leben. Dazu sagt Hofer nichts. Dafür legt er Wert auf die Aussage, das Kleopatra sei bis heute ein Saunaclub.

Das Etablissement verfügt tatsächlich über einen Wellnessbereich. Aber auch über zehn «Arbeitszimmer», in denen sich die Gäste mit Prostituierten gemäss Homepage «ausleben» können.

SVP zeigt sich tolerant

Bleibt Hofer trotzdem der «bestens geeignete» Gemeinderatskandidat? Bei der SVP zeigt man sich tolerant. Er habe davon gehört, dass Hofer zum Kleopatra «eine geschäftliche Verbindung» gehabt habe, sagt Rudolf Friedli, Präsident der SVP Stadt Bern.

Es sei aber nicht verboten, ein Bordell zu führen – oder, wie es Friedli ausdrückt, «in diesem Bereich unternehmerisch tätig zu sein». Hofer habe ein Pilotenbrevet und sei daher «vom Intellekt her unbestritten fähig», das Amt auszuführen.

Auch für SVP-Wahlkampfleiter Roland Jakob ist und bleibt Hofer Kandidat. Er habe von dessen geschäftlicher Vergangenheit zwar nichts gewusst. «Ich kenne ihn als integre Person und schätze seine Führungsqualitäten.» (Der Bund)

(Erstellt: 03.02.2016, 06:51 Uhr)

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