SVP «schockiert» über Filmvorführung

Die Sozialhilfekommission der Stadt zeigt ein satirisches Video über einen Sozialhilfebezüger. Die SVP findet es nicht lustig.

Die SVP spricht von «städtischer Propaganda». Screenshot aus dem Film «Redemer drüber: Sozialhilfebezüger können nicht River-Raften», (2016) mit Remo Kaiser.

Die SVP spricht von «städtischer Propaganda». Screenshot aus dem Film «Redemer drüber: Sozialhilfebezüger können nicht River-Raften», (2016) mit Remo Kaiser. Bild: Youtube/Drehtag

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Wie lange kann man von einem Kilo Zucker überleben? Wie wird man frechster Sozialhilfebezüger der Schweiz? – Diese und viele weitere (nicht ganz ernst gemeinte) Fragen beantwortet auf satirische Weise der Slam-Poet Renato Kaiser im Kurzfilm «Redemer drüber: Sozialilfebezüger können nicht River-Raften». Das 18-minütige Video, welches seit November 2016 auf YouTube angeschaut werden kann, wurde am Dienstagabend in der Aula der Berner Fachhochschule gezeigt.

Die Sozialhilfekommission der Stadt Bern zeigte den Film im Rahmen einer von ihnen durchgeführten öffentlichen Veranstaltung zum Thema Sozialhilfekürzungen. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob tiefere Sozialhilfeleistungen ein geeignetes Mittel sei, um Armut zu bekämpfen. Der Kanton Bern will bekanntlich die Sozialhilfeleistungen künftig um 10 Prozent kürzen. Nach der Vorführung folgte das Referat eines Armutexperten und eine Podiumsdiskussion mit Kommissionsmitglieder aus verschiedenen Parteien.

Anwesend war auch eine Delegation der Stadtberner SVP. Diese fand die öffentliche Vorführung des Satire-Video gar nicht lustig und reagierte umgehend mit einer Mitteilung an die Medien. Die SVP sei schockiert darüber, dass die Stadt Bern an einer öffentlichen Veranstaltung einen Film zeige, welcher die Positionen der SVP zur Sozialhilfe ins Lächerliche ziehe. «Die Filmvorführung im Namen der Stadt Bern ist schlicht inakzeptabel!» Die SVP spricht gar von einer «Hexenjagd auf Leistungskürzungen in der Sozialhilfe». Die Stadt Bern beziehungsweise ihre Organe hätten sich bei öffentlichen Veranstaltungen neutral und sachlich zu verhalten. Nun verlangt die SVP in einem Vorstoss die Nennung der Verantwortlichen der Filmaufführung.

Film bei Armen beliebt

Wie reagieren die Veranstalter auf die Vorwürfe der SVP? «Der Film beleuchtet auf humorvolle und kritische Weise die Sozialhilfe», sagt Felix Wolffers, Leiter des Sozialamts der Stadt. Er wende sich «keinenfalls» gegen eine bestimmte Partei, sondern lasse Exponenten verschiedener Parteien und vor allem auch Armutsbetroffene zu Wort kommen, sagt Wolffers. Er habe die öffentliche Vorführung dieses Films schon einige Male erlebt, er wurde vom Publikumwegen seinem humorvollen, aber nie verletzenden Umgang mit einem schwierigen Thema immer sehr gut aufgenommen.

(Der Bund)

Erstellt: 17.05.2017, 19:01 Uhr

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