Strassenmusik als Fitnesstraining

Am Buskers spielen auch Bands, die die grossen Bühnen der Welt kennen. Für The Penny Black Remedy ist das Musizieren auf der Strasse vor allem eine Rückkehr zu den Grundlagen der Musik.

The Penny Black Remedy spielt zum ersten Mal auf der Strasse.

The Penny Black Remedy spielt zum ersten Mal auf der Strasse. Bild: Franziska Scheidegger

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Grosse Menschenmengen, verschiedene Musik, die aus allen möglichen Gassen ertönt – es ist wieder Buskers-Zeit in der Berner Altstadt. Läuft man durch die Gassen, sieht man allerlei Strassenkünstler und hört die unterschiedlichsten Musikstile auf kleinem Raum. In der Rathausgasse tritt The Penny Black Remedy auf. Die internationale Band, die ihr Zuhause in London hat, spielt eine Mischung aus Folk, Ska, Country und Punk, zu welcher die Zuhörer gemächlich tanzen. Musik also, die gut zum Programm des Buskers und zur Strassenmusik passt. Doch die Band ist sich normalerweise nicht die Strasse, sondern grosse Bühnen und Festivals gewohnt, wie beispielsweise das letztjährige Montreux Jazz Festival oder das legendäre Glastonbury Festival in England.

Agent vermittelte die Band

Doch was zieht eine Band, die auf den grossen Bühnen der Welt spielt, nach Bern und auf die Strasse? Für The Penny Black Remedy ist es vor allem das neue Erlebnis. Zuvor hätten sie noch nie Strassenmusik gemacht, sagt Sänger Keith M. Thomson. Ihr Agent sei selber aber schon ein langjähriger Fan des Festivals, weshalb er sie vermittelt habe. Normal sei für die Band das Spielen auf der Strasse nicht. «Wir merken wieder, wie wir zu den Grundlagen der Musik zurückkehren müssen, und das macht sehr viel Spass», sagt Sängerin Marijana Hajdarhodzic. Wenn man auf diese Weise Musik machen könne, dann schaffe man es auch auf der grossen Bühne mit mehr Technik.

Doch nicht nur das Strassenequipment unterscheidet sich von demjenigen auf der Bühne. Während man auf der Bühne Vollgas geben könne, sei dies am Buskers nicht bei jedem Auftritt möglich. Weil sie jeden Abend drei bis vier Auftritte spielten, müssten sie sich kontrollieren, um für alle genug Energie zu haben. Erst beim letzten Konzert könnten sie dann wieder alles geben. Einen Fehler habe Thomson aber bereits begangen. «Ich gehe auf der Bühne immer gerne auf die Knie. Das wollte ich am Donnerstag auf der Strasse auch machen und habe es dann gleich bereut.» Mittlerweile täten ihm die Knie aber nicht mehr weh.

Fitnesstraining im Sommer

Gänzlich weicht jedoch auch die Strassenmusik nicht vom Musizieren auf der grossen Bühne ab. Besonders was die Zuhörer betreffe, ähnelten sich das Musizieren auf der Strasse und jenes an grossen Festivals sehr. So wüssten die Leute meist nicht, wer sie seien. «Das nimmt viel Druck von uns, sie mit unserer Musik zu begeistern», so Hajdarhodzic. Auf der Strasse komme man aber besser und schneller in Kontakt mit den Zuhörern als an grösseren Festivals. So habe man auch die Möglichkeit, ab und zu mit den Leuten aus dem Publikum ein Wort zu wechseln.

Das Strassenmusikfestival fordert The Penny Black Remedy aber nicht nur musikalisch. Auch physisch seien die drei Tage streng, weil sie ihr Equipment den ganzen Abend herumtragen müssten. «Für uns ist das jetzt unser Fitnesstraining im Sommer», sagt Hajdarhodzic und lacht. Vorstellen könnte es sich die Band mittlerweile auch, eine Akustiktour durch Europa zu unternehmen und auf der Strasse zu spielen. Dann müsste die Band aber wirklich reduzieren und könne nur das Wichtigste mitnehmen. Sonst werde es ihm zu schwer, sagt Thomson.

Die Band hat nun fertiggespielt, die Leute werfen noch etwas Geld in die auf dem Boden liegenden Hüte und entfernen sich langsam wieder. Die Musiker von The Penny Black Remedy sind zufrieden, packen ihre Instrumente ein und ziehen weiter. Auch wenn sie am Buskers weitaus weniger Geld verdienen als an anderen Festivals, wollen sie nächstes Jahr, wenn es möglich ist, wieder in Bern spielen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.08.2016, 08:26 Uhr

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