Stadt Bern plant neues Quartier beim «Weyerli»

Stadt, Post und Burgergemeinde wollen auf einem Areal im Weyermannshaus ein neues Quartier mit rund 800 Wohnungen errichten. Das Freibad Weyermannshaus soll zum Stadtpark werden.

Heute Gewerbe, morgen Wohnen: Das Areal Weyermannshaus West mit dem Freibad im Hintergrund.

Heute Gewerbe, morgen Wohnen: Das Areal Weyermannshaus West mit dem Freibad im Hintergrund. Bild: Franziska Rothenbühler

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Alle reden von innerer Verdichtung. In Bern-West geschieht sie im Grossmassstab: Da sollen Überbauungen aus der Nachkriegszeit Neubauten weichen wie im Stöckackerquartier (der «Bund» berichtete). Und für alte Industrieareale ist eine Wiederauferstehung als Wohn- und Geschäftsviertel geplant wie im Quartier Weyermannshaus.

Dies zumindest ist das Ziel von Stadt, Post und Berner Burgergemeinde, die jüngst eine entsprechende Planungsvereinbarung unterzeichnet haben, wie Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) diese Woche an einer Veranstaltung sagte. Im neuen Quartier seien rund 800 Wohnungen vorgesehen. Zudem soll das benachbarte Freibad Weyermannshaus in einen ganzjährig genutzten Stadtteilpark umgewandelt werden, sagte von Graffenried.

Kein Totalabriss geplant

Das Areal ist mit einer Grundfläche von 65'000 Quadratmetern nur wenig kleiner als das Neubaugebiet Viererfeld. Die beiden Grundeigentümer rechnen mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 470 bis 480 Millionen Franken. Laut einem Post-Sprecher sind nebst Wohnungen auch Läden und Freizeitnutzungen vorgesehen. Post und Burgergemeinde bleiben Grundeigentümerinnen und werden sich an der Weiterentwicklung des Perimeters beteiligen. Die Leitung des Projektes obliegt dem Stadtplanungsamt. Laut Quartierplanerin Jeanette Beck wird kein vollständiger Abriss und Wiederaufbau stattfinden. «Auf dem Areal Weyermannshaus West wird mit grosser Wahrscheinlichkeit keine Tabula-rasa-Methode angewendet werden.» Schliesslich gebe es bestehende Baurechtsverträge auf Teilen des Areals, die bis ins Jahr 2039 reichen. Auch befänden sich zwei Gebäude auf dem Perimeter, die im Bauinventar der Stadt Bern als «erhaltenswert» eingestuft seien. Eines dieser Gebäude sei aber nicht standortgebunden, könne allenfalls disloziert werden. «Die denkmalpflegerischen Rahmenbedingungen sollten meiner Meinung nach nicht zu Verzögerungen führen», sagt Beck.

Abstimmung frühestens 2021

Das Stadtplanungsamt strebe ein «durchmischtes und lebendiges neues Quartier» an, in dem bestehende, identitätsstiftende Gebäude und Strukturen integriert werden können, hält die Quartierplanerin fest. Die Stadt und die Grundeigentümer hätten einen Studienauftrag vergeben, in dem voraussichtlich auch Hochhäuser als mögliche Bauformen geprüft werden. Auch ist ein Anteil an gemeinnützigen Wohnungen von einem Drittel vorgesehen, «obwohl die Wohninitiative noch nicht in Kraft gesetzt ist», hält Beck fest.

Zur Realisierung der Planung ist eine Umzonung notwendig. Läuft alles nach Plan, soll die Volksabstimmung über die Anpassung des Zonenplanes Anfang 2021 stattfinden. Die Realisierung ist anschliessend in Etappen in den Jahren 2021 bis 2024 vorgesehen.

Bedenken wegen «Entmischung»

Bei der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB) spricht man von einer grossen Chance. «Auf diesem riesigen Areal können positive Akzente gesetzt werden», sagt Präsident Bernardo Albisetti. Er werde sich jedenfalls für «qualitativ hochstehende Aussenräume» einsetzen – so zum Beispiel für eine Fusswegverbindung vom Untermattquartier in den neuen Stadtteilpark im heutigen Freibad. Albisetti befürchtet nicht, dass zwischen dem neuen Quartier und dem sozial benachteiligten Untermattquartier Spannungsfelder entstehen. «Auf dem Areal sollen erschwingliche Wohnungen für alle entstehen.» Auch müsse darauf achtgegeben werden, dass die heute vorherrschende gewerbliche Nutzung im Entwicklungsschwerpunkt Ausserholligen nicht vollständig verdrängt werde. «Es darf nicht zu einer vollständigen Entmischung der Nutzungen kommen», sagt Albisetti. (Der Bund)

Erstellt: 05.05.2017, 07:16 Uhr

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