Nur das einkaufen, was auf den Teller kommt

Der Lebensmittelladen Petit Couteau will im Herbst in Bern Fuss fassen. Die Produkte sind nach Rezepten angeordnet – das soll den Food-Waste eindämmen.

Produkte werden nach Rezepten angeordnet – das ist das Konzept des deutschen «Kochhaus». Hier die Filiale in Frankfurt.

Produkte werden nach Rezepten angeordnet – das ist das Konzept des deutschen «Kochhaus». Hier die Filiale in Frankfurt. Bild: zvg / kochhaus.de

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Grosseinkäufe wird hier niemand tätigen. Das ist auch nicht das Ziel des Petit Couteau: Das Lebensmittelgeschäft will Kunden anlocken, die nach neuen Rezepten suchen und einzelne Zutaten nicht kiloweise kaufen wollen. Statt nach Warengruppen sind die Produkte daher nach Rezept geordnet. «Bei uns kriegt man nicht nur die richtigen Zutaten, sondern gleich auch die richtige Menge», sagt Fabienne Messerli, die das Geschäft im Berner Monbijou-Quartier in einem Viererteam leiten wird. Der Betrieb startet voraussichtlich im September – sofern keine Einsprachen das Vorhaben verzögern. Denn zunächst müssen die Räumlichkeiten umgebaut werden: Bis im Februar war hier noch der Sportartikelhändler Eiselin eingemietet.

Messerli erklärt an einem Beispiel, wie der Einkauf aussehen soll: «Der Kunde steht vor einer Rezept-Insel und sucht sich das Menü Spinat-Gnocchi aus. Er sieht sich die Zutaten und Mengenangaben an und findet sogleich die Produkte, die er benötigt, etwa Eier, Kartoffeln und Spinat. Produkte, die kühl gelagert werden müssen, befinden sich dann im Kühlregal daneben.» Der Kunde nehme sich nur die benötigte Menge, das sei wichtig. Den Inhabern geht es nämlich nicht nur ums Einkaufserlebnis: «Privathaushalte produzieren am meisten Food-Waste», so Messerli. Wenn man rezeptweise und in kleineren Mengen einkaufe, landeten am Ende auch weniger Lebensmittel im Abfall.

Einfach, exotisch oder erlesen

Die Rezepte sind in drei Kategorien aufgeteilt: Einfachere Menüs, Exotisches und aufwendige Rezepte. Das Sortiment werde vor allem aus regionalen Produkten bestehen, sagt Messerli. Das heisse nicht, dass auch alles teuer sein müsse. «Die Zutaten einfacher Rezepte für zwei Personen und ohne Fleisch kosten etwa 12 Franken. Gourmet-Menüs mit erlesenen Zutaten etwa 35 Franken.»

Im rund 190 Quadratmeter grossen Geschäft wird das Petit-Couteau-Team ausserdem eine Wein- und Pastabar betreiben. Das Team besteht aus Messerli, ihrem Bruder und zwei Freunden. Sie selbst sei «leidenschaftliche Hobbyköchin» und eine Quereinsteigerin. Der Bruder Thomas Messerli hingegen ist Koch mit Gault-Millau-Auszeichnungen. Vom Familiennamen der Geschwister leitet sich auch der Name des Geschäfts ab: «Petit Couteau» bedeutet auf Deutsch: kleines Messer.

Konzept hat in Deutschland Erfolg

Das Konzept, die Ware nach Rezepten anzuordnen, ist nicht neu: So macht es das deutsche Unternehmen Kochhaus seit sieben Jahren. Auch Kochkurse und Hauslieferungen sind im Angebot. Seit längerem ist bekannt, dass der Detailhändler in die Schweiz expandieren will. Man habe grossen Erfolg in Deutschland, nun wolle man in Zürich Fuss fassen, sagt Pressesprecherin Barbara Böck. Konkrete Pläne für Bern bestünden noch nicht.

Ein ähnlicher Trend ist im Internet zu verzeichnen: Unternehmen wie Hello Fresh versenden individuell zusammengestellte Lebensmittelboxen mit Fleisch, Getreide und Gemüse mitsamt Rezepten. Und Offline können Berner schon lange Bio-Abos lösen und erhalten eine wöchentliche Ration Lebensmittel zur Abholung bereitgestellt. Fabienne Messerli und ihr Team kombinieren die verschiedenen Ansätze. Eine Lieferung sei aber derzeit nicht vorgesehen. «Das erfolgt vielleicht in einem nächsten Schritt. Wenn es Kunden eilig haben, können sie die benötigten Mengen aber im Voraus von uns zusammenstellen lassen.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.06.2017, 17:58 Uhr

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