Inselareal erhält ein neues Gesicht

Auf dem Gelände des Inselspitals wird intensiv gebaut. Eine abgespeckte Version des Organ- und Tumorzentrums bildet die erste grosse Veränderung. Ein Besuch auf der Baustelle.

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Es herrscht reger Betrieb. Links und rechts der Strasse stehen Autos und Lieferwagen, Chauffeure laden Material ab, dahinter ein in Gerüste eingehüllter Betonbau. An der Friedbühlstrasse in Bern gleich neben dem Bremgartenfriedhof sind derzeit 100 Arbeiter daran, ein fünfstöckiges Gebäude für das Berner Inselspital zu bauen.

Es soll ab März 2018 vorübergehend die Patientinnen der Frauenklinik beherbergen, während die eigentliche Frauenklinik saniert wird. Nach dieser Zwischennutzung soll das Gebäude noch um fünf Stockwerke erhöht werden, um als Organ- und Tumorzentrum zu funktionieren. Wie lange das Gebäude als Zwischenlösung für die Frauenklinik dient, hängt von der Sanierungsplanung der Frauenklinik ab. «Wir haben den Kanton als seinerzeitigen Bauherrn mit der Bitte um Übernahme anteiliger Sanierungskosten angeschrieben», sagt Holger Baumann, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Inselgruppe. Solange die Gespräche im Gang seien, könne man nichts sagen.

Gebäude mit Brücken verbunden

Klar ist: Auf dem Spitalareal der Inselgruppe stehen die nächsten Jahre grosse Bauprojekte an; das Spitalgelände wird ein völlig neues Gesicht erhalten. Der Bau des Organ- und Tumorzentrums ist dabei der erste Meilenstein. Deshalb lud die Inselgruppe die Medien zur Baustellenführung und Grundsteinlegung ein.

Begangen werden konnten das Eingangsgeschoss sowie die zwei Untergeschosse. «Die Untergeschosse werden nur für die Haustechnik genutzt», sagte Bernhard Leu, Direktor Infrastruktur des Inselspitals, während daneben gehämmert, gefräst und geschliffen wurde. Die Patienten würden nur auf den überirdischen Etagen behandelt. Der Rundgang geht weiter, man befindet sich wieder im Eingangsbereich, als die geplanten Verbindungsbrücken erwähnt werden. Sie sollen das Organ- und Tumorzentrum mit dem unmittelbar angrenzenden Intensivbehandlungs-, Notfall- und Operationszentrum (INO) verbinden. Auf mindestens zwei Etagen, auf denen Operationen und Intensivbehandlungen stattfinden werden, sollen Brücken zum Nachbargebäude entstehen. Weil im INO-Gebäude auf denselben Etagen die gleichen Behandlungen durchgeführt werden, erhofft man sich dadurch Effizienzgewinne. «Mit den Verbindungsbrücken muss beim Patiententransport weniger Lift gefahren werden, womit sich die Laufwege verkürzen», sagt Leu. Insgesamt soll das Organ- und Tumorzentrum 250 Millionen Franken kosten.

Ersatz des Bettenhauses

Die sichtbarste Veränderung auf dem Inselareal wird der Abriss des markanten Bettenhochhauses sein, der im Jahr 2025 geplant ist. «Wir haben uns zum Abriss des Bettenhauses entschlossen, weil es renovationsbedürftig ist und nicht bei laufendem Spitalbetrieb saniert werden kann», sagte Baumann. Um die Patienten ab 2025 unterzubringen, braucht es folglich einen Neubau. Das Inselspital soll an der Freiburgstrasse ein neues Hauptgebäude erhalten, in dem das Schweizerische Herz- und Gefässzentrum, verschiedene Fachkliniken und Pflegestationen unterkommen werden. Das Gebäude, das 60 Meter hoch werden soll, wird nicht nur einen Grossteil des Hochhauses, sondern auch einen Trakt der Poliklinik ersetzen, der dem neuen Hauptgebäude weichen muss. Die Aushub- und Abbrucharbeiten beginnen 2017. Die Fertigstellung des Hauptgebäudes, das 500 Millionen Franken kosten soll, ist für das Jahr 2023 vorgesehen. Der Betrieb der Poliklinik wird während der Bauarbeiten in einem provisorischen Modulbau unterkommen, der zurzeit im Entstehen ist.

«Das Risiko scheint klein»

Insgesamt fallen mit den zwei Neubauten Kosten von 750 Millionen Franken an. Darin sind aber der Abriss des Bettenhauses und die Sanierung der Frauenklinik noch nicht enthalten. Angesichts der hohen Investitionssumme und des kurzen Zeitraums fragt man sich, ob das Projekt für die Insel nicht zu riskant ist. Baumann verneint. «Riskant wäre es, diese Investitionen nicht zu tätigen», sagt er. Die Instandhaltungskosten der bestehenden Gebäude würden mit zunehmendem Alter immer stärker ins Gewicht fallen. Als man vor der Sanierung des Bettenhauses gestanden sei, habe man erkannt, dass der Weg nur über Neubauten führen könne.

«Wir werden nicht nur die bestehenden Gebäude ersetzen, sondern auch eine Zentralisierung herbeiführen», sagt Baumann und verweist auf das Loryhaus und das Anna-Seiler-Haus, die von der Inselgruppe aufgegeben werden. Das einzige bestehende Risiko sei, dass die Patienten ausblieben. «Das Risiko scheint mir aber klein zu sein angesichts der Tatsache, dass die meisten unserer Bereiche hoch spezialisiert sind», so Baumann. Die Basis für die Bauprojekte der Inselgruppe hat das Berner Stimmvolk im Frühjahr 2015 gelegt. Mit 86,6 Prozent Ja-Stimmen wurde die Überbauungsordnung deutlich genehmigt, die die Weiterentwicklung des Insel-Areals bis ins Jahr 2060 regelt. (Der Bund)

Erstellt: 07.12.2016, 06:33 Uhr

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