«Ich möchte in beiden Häusern ein Büro haben»

Nina Zimmer, die neue Direktorin von Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee, äussert sich im Interview zum Begriff «Superdirektorin» und ihren Plänen mit den Museen.

Franziska Rothenbühler/Hanna Jordi

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Am Montag wurde sie als neue Direktorin der beiden Berner Kunstinstitutionen Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee vorgestellt: Nina Zimmer, 43 Jahre alt und derzeit Vizedirektorin des Kunstmuseums Basel. Ihre Stelle tritt sie zwar erst am 1. August an – Fragen zu ihrer neuen Aufgabe und den Plänen mit dem Kunstplatz Bern beantwortete sie aber bereits heute:

Frau Zimmer, wie haben Sie reagiert, als Sie erfahren haben, dass Sie die neue Superdirektorin über die beiden Häuser Kunstmuseum und Paul Klee Zentrum sind?
Nina Zimmer: Das mit der Superdirektion ist ja ein Begriff, den ich am liebsten aus der Welt schaffen würde, denn «super» gibt es nur in der Waschmittelreklame. Aber ich freue mich auf die sehr interessante und spannende Aufgabe, weil es ein Moment ist, in dem man gestalten kann. Das hat mich an der neuen Aufgabe gereizt.

In der neuen Funktion haben Sie auch die nicht einfache Aufgabe übernommen, zwei Museen mit unterschiedlichen Kulturen näher zusammenzuführen. Wie schätzen Sie diese Herausforderung angesichts der möglichen Widerstände ein?
Ich sehe diese Aufgabe in erster Linie als Chance. Eingefahrene Strukturen können überdacht werden. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden können wir diese Aufgabe meistern. Das ist ein toller Moment, wenn alle aufgefordert sind, mitzudenken. Vielleicht können auch Ideen, die man schon lange hatte, jetzt neu eingebracht werden.

Haben Sie auch schon eine Idee?
Konkret möchte ich mich noch zurückhalten an diesem ersten Tag. Sie können aber versichert sein, dass in meinem Kopf sehr wohl einige Ideen bereits existieren.

Wie haben Sie Bern von Basel aus wahrgenommen?
Ich war 1997 schon mal in Bern an der Klee-Stiftung. Ich habe also erst mal Basel von Bern aus wahrgenommen. Seitdem kenne ich die Institutionen. Ich war auch in den letzten Jahren immer wieder in Bern. Ich habe viele Veränderungen mitbekommen. Insgesamt sehe ich, wie sich die ganze Schweizer Kulturlandschaft verändert. In Basel waren wir mit einem Erweiterungsbau beschäftigt. Es gibt Parallelen zu Zürich. Für Bern stellt sich die Frage: Wie können wir Akzente setzen, die spezifisch für die Stadt und die Region Bern sind?

Bern soll, so will es der Stiftungsrat, Nummer drei der Kunstplätze in der Schweiz werden. Wie soll dieses Ziel erreicht werden?
Wir müssen uns auf unsere Stärken konzentrieren und diese noch etwas mehr herausarbeiten, als dies in den vergangenen Jahren geschehen ist. Jetzt ziehen alle an einem Strang. Wir haben eine neue Organisationsstruktur, innerhalb welcher wir vieles neu angehen können. Das gibt mir die Überzeugung, dass wir mit einer ganz anderen Energie herangehen können.

Was soll in welchem Museum geschehen?
Mir ist es wichtig, dass beide Häuser ein eigenständiges Profil behalten. Ganz klar wird das Zentrum Paul Klee ein Klee-Museum sein. Das ist das Herz, der Kern, weswegen das Haus besteht, weswegen es international renommiert ist. Klee und auch die Klee-Rezeption werden Themen sein, die mich interessieren. Aber ich will auch Brücken schlagen, etwa zur Musik, zur Literatur. Im Kunstmuseum wiederum ist die Sammlung des 19. und 20. Jahrhunderts sehr stark. Dazu kommen wichtige Bereiche wie die alten Meister und die mittelalterliche Kunst. Diese sowie die Gegenwartskunst möchte ich in die Programmgestaltung integrieren. Hier geht es darum, die richtigen Formate zu finden; und die richtige Struktur, damit man die grosse Bandbreite der Sammlungen spüren kann. Die Besucher sollen zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit haben, von dieser Vielfalt profitieren zu können.

Wurden Sie vor Bern auch gewarnt? Davor, dass hier alles etwas schwerfälliger ist und man Angst hat, mutige Entscheide zu treffen?
Ich kenne alle Witze über langsame Berner. Das ist ein Klischee. Ich bin eher mit Tempo überzeugt worden.

Gestritten wird derzeit über die Sammlung Gurlitt: Wie wichtig ist dieses Thema für Sie?
Auf jeden Fall wird uns das beschäftigen. Ich freue mich auf die geplante Ausstellung. Die Sammlung Gurlitt zieht allerdings derzeit sehr viel Aufmerksamkeit auf sich. Ich glaube, langfristig wird es auch andere Höhepunkte und Themen geben, mit denen Bern von sich reden machen wird.

Immer mehr Stimmen in Deutschland sagen, die Gurlitt-Sammlung solle in Deutschland bleiben. Wie sehen Sie das?
Das muss man ganz gelassen abwarten, bis die Sache rechtlich gelöst ist. Stimmen gibt es immer viele.

Was ist persönlich Ihre favorisierte Kunstepoche?
Ich bin jemand, der alle Kunstepochen von der Gegenwartskunst aus denkt. Ich finde meine Ideen in der Auseinandersetzung mit der Kunst des 19. Jahrhunderts und dem Bezug zu anderen Epochen. Es braucht eine Spannung: Wie kann die Kunst den Blick auf das eigene Leben schärfen, wenn man den historischen Sprung macht? Sehr oft sind es die künstlerischen Sprachen von heute, mit denen man auch die Vergangenheit anders lesen lernt.

Haben Sie sich bereits entschieden, wo Ihr neues Büro sein wird – im ZPK oder im Kunstmuseum?
Darüber habe ich nachgedacht: Ich möchte es eigentlich aufteilen und in beiden Häusern ein Büro haben, damit die Mitarbeiter im Zentrum Paul Klee und im Kunstmuseum wissen, wann sie mich antreffen können. Ich möchte mich nicht entscheiden müssen, sondern für beide Häuser da sein.

Aufgezeichnet von: Marcello Odermatt, Brigitta Niederhauser, Hanna Jordi ()

(Erstellt: 21.03.2016, 14:56 Uhr)

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