«Ich habe in meiner Vergangenheit kein Problem gesehen»

Nachdem der Rückhalt in der Partei bröckelte, gab Stefan Hofer am Dienstag seinen Rücktritt bekannt. Seine Geschäftstätigkeiten verteidigt er nach wie vor.

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Stefan Hofer war bis vor wenigen Tagen in der Politik der Stadt Bern ein Unbekannter. Unbekannt war vielen bis vor kurzem auch dessen Vergangenheit im Rotlichtmilieu. Vorerst stützte die Partei ihren Kandidaten. Am Montagabend – nachdem der «Bund» den städtischen SVP-Präsidenten Rudolf Friedli mit den neuen Vorwürfen der überteuerten Sozial­wohnungen konfrontiert hatte – sprach dieser aber von einem «eklatanten Vertrauensbruch». Am Dienstag gab Hofer seinen Rücktritt bekannt. «Als ich den Rückhalt in der Partei nicht mehr spürte, habe ich mich entschieden, meine Kandidatur zurückzuziehen», sagt Hofer. Er sei sich zwar bewusst gewesen, dass er nicht eine «0815-Vergangenheit» habe, dennoch habe er in dieser kein Problem gesehen. Er sei davon ausgegangen, «dass man in der Stadt Bern offen denkt».

Hofer findet Preise «fair»

Der 41-jährige Pilot verteidigt sich nach wie vor. «Ich habe weder etwas Illegales gemacht noch bin ich für etwas verurteilt worden.» Für die schäbigen Zimmer im Landgasthof Löwen in Münchenbuchsee hatte Hofer rund 700 Franken monatlich verlangt. Die Sozialhilfeempfänger teilen sich dort die Etagentoiletten, es gibt keine Kochgelegenheit. Hofer spricht von Hotelzimmern, die er für 20 bis 30 Franken pro Nacht vermietet habe. Das sei «definitiv nicht überrissen, sondern fair». Auf weitere Fragen, auch zur Vergangenheit im Bordell, geht er nicht ein. Im Nachhinein, sagt er zwar, wisse er, dass er offener hätte kommunizieren sollen. Dennoch glaubt er nicht, dass er aufgrund seiner Tätigkeiten im Rotlichtmilieu nicht aufgestellt worden wäre. Dem widerspricht Parteipräsident Friedli: «Hätten wir von Hofers Rotlichtvergangenheit früher gewusst, hätten wir ihn nicht als Kandidaten vorgeschlagen.»

Passives Parteimitglied bleiben

Hofer hätte Anfang März für den in den Nationalrat gewählten Erich Hess ins Berner Kantonsparlament nachrutschen sollen. Dazu wird es wohl nicht kommen. Denn laut SVP-Kantonalpräsident Werner Salzmann würde die Partei ihn dann wohl aus der grossrätlichen SVP-Fraktion ausschliessen. Hofer sagt, er werde sich das noch überlegen. Jedenfalls wolle er passives Parteimitglied bleiben. Noch offen ist, wer anstelle Hofers in den Grossen Rat nachrutschen würde. Auf den ersten Ersatzplätzen finden sich die Berner Stadtpolitiker Ueli Jaisli, Nathalie D’Addezio und Alexander Feuz. (Der Bund)

(Erstellt: 10.02.2016, 06:33 Uhr)

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