Fahrende in Bern-Buech warten auf Zeichen des neuen Gemeinderats

Der abgewählte Gemeinderat Alexandre Schmidt hatte den Fahrenden auf dem Standplatz Bern-Buech Hoffnung auf mehr Platz gemacht. Wie steht der neue Gemeinderat dazu?

Der Standplatz Bern-Buech im Westen der Stadt bietet nicht genug Platz für alle, die dort leben möchten.

Der Standplatz Bern-Buech im Westen der Stadt bietet nicht genug Platz für alle, die dort leben möchten. Bild: Adrian Moser

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Das Verhältnis zwischen den Fahrenden auf dem Standplatz Bern-Buech und der Stadt Bern hat im Sommer des letzten Jahres einen Tiefpunkt erreicht. Aus Platznot hat ein junges Paar ein Mobile Home auf einem Parkplatz des Standplatzes abgestellt und wohnt seither darin. Weil dafür keine Baubewilligung vorhanden war und das Wohnen auf dem Parkplatz gegen die Platzordnung verstösst, hat Immobilien Stadt Bern, Vermieterin der Parzellen, den Mobile-Home-Bewohnern eine Frist zur Räumung gesetzt und bei Nichterfüllung mit einer Zwangsräumung gedroht.

Das junge Paar ist dieser Aufforderung bis heute nicht nachgekommen, worauf Immobilien Stadt Bern weitere Schritte prüfen wollte, «um den rechtmässigen Zustand wiederherzustellen». Vor dieser spannungsgeladenen Ausgangslage war es umso erstaunlicher, dass im Oktober der damalige Gemeinderat Alexandre Schmidt (FDP), zu dessen Finanzdirektion auch Immobilien Stadt Bern gehört, den Standplatz Bern-Buech besuchte und dort einerseits die Idee äusserte, man könnte einen Ausbau der bestehenden Chalets auf zwei Etagen erlauben und man könnte eine Vergrösserung des Standplatzes gegen Osten in Betracht ziehen.

Verwaltung hat Meinung geändert

Damit hat Schmidt bei den Jenischen und den Sinti in Buech Hoffnung auf eine Entspannung der Situation geweckt. Schmidt ist aber seit diesem Jahr nicht mehr Vorsteher der zuständigen Direktion, sondern Michael Aebersold (SP). Müssen die Jenischen ihre Hoffnungen jetzt wieder begraben oder finden Schmidts Ideen auch bei seinem Nachfolger Anklang?

Da er die Leitung der Direktion erst zu Beginn der vergangenen Woche übernommen habe, habe er noch keine Zeit gefunden, sich ins Dossier einzulesen, sagt Michael Aebersold. Zudem habe der Stadtrat kürzlich einen Vorstoss zu Bern-Buech überwiesen, weshalb er das Thema im Moment nicht kommentiere. «Das Thema Bern-Buech hat aber eine hohe Priorität für mich», sagt er.

Deutlich geändert hat sich der Ton derweil bei Immobilien Stadt Bern. «Solange die heutige Situation des widerrechtlich abgestellten Mobile Home von den Platzbewohnenden akzeptiert wird, wird diese Situation bis auf weiteres toleriert», schreibt Dagmar Boss auf Anfrage. Sie könne keine Angaben über die weiteren Schritte machen, solange der Gemeinderat nicht auf den Vorstoss im Stadtrat geantwortet habe. Der Vorstoss aus dem linken Lager verlangt, von einer Räumung des Standplatzes Buech und von jeglicher Gewalt gegen Personen und Sachen abzusehen und die Planung für eine Erweiterung des Standplatzes oder eines zusätzlichen Standplatzes aufzunehmen.

SP will Dialog fördern

Um den Dialog zwischen den Fahrenden und dem Stadtparlament zu fördern, hat der ehemalige SP-Stadtrat Hans Stucki die Parlamentarier am Samstag zu einer Begehung des Standplatzes Buech eingeladen. Dabei sollten die Politiker die Möglichkeit haben, mit den Jenischen zu diskutieren und ihre Wohnsituation kennen zu lernen, wie Stucki sagte. Fino Winter, der auf dem Standplatz wohnt und Präsident von Sinti Schweiz ist, zeigte den Stadträten, wie die Erweiterung des Standplatzes Richtung Osten umgesetzt werden könnte. «Dafür ist die Ebnung eines Hügels notwendig, wodurch für vier bis sechs Familien neuer Wohnraum geschaffen werden könnte», sagt Winter. Stadtrat Martin Krebs (SP), einer der Erstunterzeichner des Vorstosses, besuchte den Standplatz auch, um sich ein Bild der Möglichkeiten zur inneren Verdichtung zu machen. «Die Erkenntnisse sollen auch dem Widerstand gegen den Gemeinderat dienen, sollte dieser unserer Forderung nicht nachkommen», sagt Krebs. Seine Hoffnung, dass am Samstag von jeder Fraktion mindestens ein Vertreter anwesend sein würde, erwies sich aber als Wunschdenken: Die zehn anwesenden Stadträte waren alle von den Sozialdemokraten und den Grünen. (Der Bund)

Erstellt: 23.01.2017, 08:51 Uhr

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