Eine Spur Wehmut am Kubus

Die Ersatzspielstätte des Stadttheaters auf dem Waisenhausplatz hat ausgedient und wird abgebaut. Aus der bedruckten Hülle des Kubus sollen als Erinnerungsstücke Taschen entstehen.

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In diesen Tagen beginnen die Abbauarbeiten am über 200 Tonnen schweren Kubus, der Ersatzspielstätte des Stadttheaters. Voraussichtlich soll der Bau Anfang November vom Waisenhausplatz verschwunden sein. Der Kubus musste als Ersatzlösung auf den Platz ausweichen, weil die Sanierung des Stadttheaters länger dauert als geplant.

Und so wurden seit Mitte März im Provisorium knapp 200 Veranstaltungen von nicht ganz 50'000 Zuschauer besucht, wie KTB am Freitag mitteilte. Die 120 Veranstaltungen, welche unter KTB-Regie stattfanden, fanden rund 32'000 Zuschauer. Doch ganz verschwinden aus dem Herzen der Stadt soll der Koloss nicht. Die bedruckte Hülle des Kubus bekommt ein zweites Leben.

Aus der Aussenplane sollen bald Taschen, Schlüsselanhänger und Tablet-Hüllen werden. Die Produkte werden von den gemeinnützigen Werkstätten der Stiftung Terra Vecchia und des Kompetenzzentrums Arbeit hergestellt. Letzteres unterstützt ausbildungs- und erwerbslose Menschen bei der beruflichen und sozialen Integration.

Das Zentrum gehört zum Sozialamt der Stadt Bern. Zu kaufen gibt es die Erinnerungsstücke ab Ende November zur Wiedereröffnung des Stadttheaters sowie im Webshop von KTB. Die gesamte Hülle misst 1325 Quadratmeter. Wie viele Taschen daraus angefertigt werden, konnten die Verantwortlichen am Freitag noch nicht sagen, auch die Verkaufspreise sind noch nicht festgelegt.

Der KTB-Intendant zieht eine positive Bilanz: «Alle, die im Kubus gearbeitet haben, auf, hinter oder neben der Bühne, haben sich selbst übertroffen – organisatorisch, technisch und künstlerisch», sagt Stephan Märki. Weiter freut er sich darüber, mit künstlerischen Experimenten und neuen Formaten ein neues Publikum gewonnen zu haben. «Etwa jeder fünfte Zuschauer hat im Kubus zum ersten Mal eine Theater- oder Konzertveranstaltung von Konzert Theater Bern besucht», hält Märki fest.

Ebenfalls zufrieden ist der Vizepräsident des KTB-Stiftungsrates, Marcel Brülhart, der die Idee des Kubus entwickelt hat: «Neben dem guten Zuschauerzuspruch war es auch schön zu sehen, welche Freude unsere Mitarbeiter bei der Arbeit zeigten und welchen Motivationskick diese Spielstätte ausgelöst hat.»

Aus Gegnern wurden Fans

Die Wirte der am Waisenhaus gelegenen Restaurants Il Grissino und Luce hatten anfangs Bedenken, weshalb sie Beschwerde gegen das Projekt einreichten. Wegen der Spielstätte mussten sie ihre Aussenterrasse verkleinern. Als Gegenleistung wurde ihnen das Catering übertragen. Nun zeigen sich die Inhaber beider Lokale, die Gebrüder Nilovic, begeistert: «Wir hatten eine wunderbare Zeit», sagt Stevo Nilovic. Am letzten Abend habe er sogar Abschiedstränen in den Augen gehabt, erzählt er, dem Kubus trauere er schon jetzt etwas nach.

Ebenfalls ein Kubus-Fan ist Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP), der dort selbst in der Operettenpremiere «Im Weissen Rössl» auftrat. «Das Provisorium hat Kultur auf den sonst eher kargen Waisenhausplatz gebracht», schwärmt er.

Dennoch habe es auch sein Gutes, dass der Kubus wieder abgebaut werde: «Das Wissen, das etwas kommt und wieder geht, schafft eine kreative Atmosphäre», sagt Tschäppät. Und es habe sich gezeigt, dass etwa für klassische Musik das Provisorium nicht optimal sei, weil eben auch der Strassenlärm durch die Wände des Kubus zu vernehmen gewesen sei.

Nach achtmonatiger Umbauzeit wird das Stadttheater am 26. und 27. November mit den Premieren von Mozarts «Le Nozze di Figaro» und dem Tanzstück «Callas» wiedereröffnet. An jenem Wochenende wird es Führungen durch das sanierte Gebäude geben. (Der Bund)

Erstellt: 15.10.2016, 09:41 Uhr

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