Design-Hotel zieht in Schönburg ein

Das Prizeotel in der Berner Schönburg will Ende 2019 «das grösste Hotel am Platz» sein. In den einstigen Hauptsitz der Post werden auch 135 Wohnungen eingebaut.

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Die Szenerie hat etwas Unheimliches: Flankiert von privater Security, wird der Gast durch leere Hallen und Gänge zur Medienorientierung im siebten Stock der Schönburg geleitet. Seit dem Auszug der Post im Mai letzten Jahres stehen die riesigen Büroflächen leer. Gemäss den am Donnerstag präsentierten Plänen hat es damit aber nun ein Ende.

Die Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site (SPS) will das Gebäude «an der Hangkante zum Altenberg, mit Blick auf die Altstadt und die Alpen» bis Ende 2019 umbauen, wie Peter Lehmann, Leiter der SPS-Unternehmenskommunikation, sagt. Die SPS will dafür 130 Millionen Franken investieren. Die Bauarbeiten beginnen nächstes Frühjahr. Bis zum Ablauf der Einsprachefrist hat es keine Einsprachen gegeben.

Lehmann ist überzeugt, dass die geplante Mischnutzung mit Wohnungen, einer Niederlassung der deutschen Design-Hotelkette Prizeotel, einer Coop-Filiale und einem Fitnesscenter dem Bedürfnis der Kundschaft entspricht. «Es wäre auch der Einbau einer Klinik möglich gewesen», sagt Lehmann.

«High-Comfort-Bed»

Für Prizeotel ist das Vorhaben in Bern das erste internationale Projekt, wie Direktor Marco Nussbaum sagte. Die Hotelkette gehört knapp zur Hälfte der Hotelgruppe Rezidor (Radisson Blu, Park Inn), die mit Prizeotel eine «ambitionierte Wachstumsstrategie» in den deutschsprachigen Ländern und im Benelux verfolgt, wie es in einer Mitteilung heisst.

Die Zimmer, Flure und Lounges in den Prizeotel-Niederlassungen werden vom New Yorker Designer Karim Rashid entworfen. Der Name Prizeotel weise nicht nur auf den Preis, sondern auch auf den gestalterischen Mehrwert für den Kunden hin, sagte Nussbaum. Preislich kann sich das Angebot durchaus sehen lassen. So sollen Zimmer ab 59 Euro pro Nacht zu haben sein.

Am Rande der Veranstaltung war aber zu vernehmen, dass es Anpassungen ans Schweizer Preisniveau geben könnte. Die komfortable Ausstattung mit «High-Comfort-Bed», Flatscreen-TV, Designer-Dusche und Bodenheizung im Bad deuten jedenfalls auf eine mögliche Anhebung der Preise hin.

Begeisterte Touristiker

Als erstmals ruchbar wurde, dass die Schönburg frei werden könnte, war zunächst von einem Fünfsternhotel und Business-Appartements die Rede. Damals hatte der Gebäudekomplex aber noch einen anderen Eigentümer und die Zukunft des Schweizerhofs war vorübergehend ungewiss. «Heute hat die Stadt Bern einen Mehrbedarf von 500 bis 1000 Hotelbetten im Drei- und Viersternbereich», sagt Markus Lergier, Direktor Bern Tourismus, auf Anfrage.

Das Hotelangebot habe in den letzten Jahren mit der touristischen Entwicklung der Stadt nicht Schritt halten können. Das Angebot des Prizeotels sei da ein Schritt in die richtige Richtung. Die Lage zwischen Messeplatz und Stadien sowie Rosengarten und Altstadt sei ideal. «Mit Prizeotel könnte Bern für weitere Anbieter attraktiver werden.» Als möglicher neuer Hotelstandort komme etwa Wankdorf-City infrage, sagt Lergier.

Von einer «wertvollen Ergänzung» zum bestehenden Hotelangebot spricht Monika Bandi Tanner von der Forschungsstelle Tourismus der Universität Bern (Cred-t). Mit dem Design-Profil grenze sich Prizeotel durchaus vom benachbarten Novotel am Guisanplatz ab. Mit 188 Zimmern habe die Niederlassung zudem eine Grösse, die an der relativ teuren urbanen Lage «eher eine ausreichende Rentabilität sichert», sagt Bandi.

Tendenz zu Singlehaushalten

Der Hotelbetreiber wird vor allem den Nordflügel Richtung Viktoriastrasse belegen. In den ruhiger gelegenen Gebäudeteilen werden die 135 Wohnungen eingebaut. Über zwei Drittel davon sind 2,5- und 3,5-Zimmer-Wohnungen, die für 1400 respektive 2300 Franken im Monat angeboten werden. Die Mieten der wenigen 4,5- und 5,5-Zimmer-Wohnungen liegen bei 2850 beziehungsweise 3500 Franken. «Wir freuen uns über jede Familie», sagt Karin Aeberhard von der Immobilienvermarktungsfirma Immoveris.

Marktanalysen hätten aber ergeben, dass es ein Bedürfnis nach kleineren Wohnungen an dieser Lage gebe. Zudem sei die Tendenz zu mehr Singlehaushalten in den Städten ungebrochen, sagte Aeberhard. Bei den Bewohnern wird es sich aber ausschliesslich um Mieter handeln. «Der Verkauf von Gebäudeteilen hätte die Anlegerqualitäten der Schönburg geschmälert», sagt SPS-Kommunikationschef Lehmann.

Positive Reaktionen gibt es auch aus dem Quartier. «Natürlich sind die Wohnungen im oberen Preissegment», sagt Thomas Ingold, Präsident des Leists Bern Nord. Die Stadt Bern benötige aber auch Wohnungen für gute Steuerzahler. Zudem könnte die Schönburg Mieter aus der Stadt anziehen, wodurch dringend benötigter Wohnraum im Bestand frei werde. Erfreut ist Ingold auch über die Coop-Filiale. «Seit der Schliessung des Spar an der Viktoriastrasse fehlt ein Lebensmittelverteiler in dieser Ecke des Quartiers.»

(Der Bund)

Erstellt: 10.11.2016, 12:51 Uhr

«Wir brauchen moderne Hotels»

Ein Kurzinterview mit dem Berner Stadtpräsidenten

Herr Tschäppät, im ehemaligen Posthauptsitz in der Schönburg entsteht ein Dreisternhotel. Ist das das Hotel, welches es an dieser Lage braucht?

Ich bin kein Touristiker. Aber ich denke, es ist toll, dass aus einem Bürohaus ein bewohntes Haus wird.


Ursprünglich war für die Schönburg von einem Fünfsternhotel die Rede. Halten Sie zwei Sterne weniger für den richtigen Entscheid?

Ja. Bern hat bereits zwei Fünfsternhotels, die um Auslastung kämpfen. Gute Drei- und Viersternhotels sind nötig. Wenn an dieser tollen Lage zu vernünftigen Preisen ein gutes Angebot entsteht, finde ich das sensationell.

Die Hotels der Kette Prizeotel kommen in sehr knalligem Design daher. Passt das in die Schönburg?

Ich kenne das Design nicht, aber über Geschmack lässt sich immer streiten. Wichtig ist: Wir brauchen moderne Hotels, die den heutigen Ansprüchen von reisegewohnten Touristen entsprechen, da haben wir Nachholbedarf. Preis, Leistung und Lage müssen stimmen.

Neben dem Hotel sind auf 20'000 Quadratmetern nun Miet- und nicht Eigentumswohnungen geplant. Zieht man damit die richtigen Steuerzahler an?

Wenn die Wohnungen an Leute vermietet werden, die in Bern Steuern zahlen und hier leben wollen, ist aus meiner Sicht alles gut.

Geplant sind vorab kleine Wohnungen. Ist es nicht bedauerlich, dass fast keine für Familien entstehen?

Das Projekt ist tatsächlich nicht sehr familienfreundlich. Doch das Gebäude liegt direkt an einer Kreuzung, was vielleicht ohnehin nicht die beste Lage für Familien ist. Meine Sorge ist eher, dass die kleinen Wohnungen dann als Zweitwohnungen genutzt werden oder dass Firmen sie als temporäre Unterkünfte für Spezialisten nutzen. Je kleiner die Wohnungen, desto grösser das Risiko, dass dies passiert.

Zusätzlich entsteht auch eine Coop-Filiale, begrüssen Sie das?

Ja, hier hat es ja relativ wenig Einkaufsmöglichkeiten. Es braucht Läden, um ein Wohnquartier zu versorgen.

Wie kann sich die Schönburg abgesehen von diesem Projekt noch weiterentwickeln?

Das Entwicklungspotenzial ist nicht mehr sehr gross. Ich sehe eher vis-à-vis beim Kasernenareal Möglichkeiten für verdichtetes Bauen.

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