Chillen auf dem Friedhof

Die Stadt Bern hat einen Teil des Bremgartenfriedhofs eben zum Quartierpark umgestaltet. Der Platz ist noch wenig belebt – aber er scheint Potenzial zu haben.

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In Kairo gibt es die «Stadt der Toten», ein riesiges Friedhofsquartier, welches wegen der dort herrschenden Wohnungsnot mittlerweile von Hunderttausenden von Menschen bevölkert wird. Bern hat seit Donnerstag, dem 22. Juni, die Friedbühlanlage – einen neuen Park auf dem (ehemaligen) Gelände des Bremgartenfriedhofs.

Still flimmert der neue Platz zwischen Friedbühl- und Weyermannsstrasse in der Mittagssonne vor sich hin. Dieser Tage wurde der offene Kiesplatz mit dem an den Bremgartenfriedhof angrenzenden Parkteil von der Stadt eröffnet. Damit habe man den Wunsch des Quartiers nach neuen Freiräumen erfüllen können, heisst es in einer entsprechenden Mitteilung. Acht Monate dauerte der Bau der Anlage; die Kosten betrugen 800'000 Franken.

Da hierzulande immer weniger Menschen eine Erdbestattung wünschen, herrscht auf dem Bremgartenfriedhof kein Dichtestress. Der südlichste Zipfel ist deshalb ab sofort auch für die Lebenden bestimmt: «Veranstaltungen, Feste, Spiel und Bewegung» sind in dieser «Begegnungszone» gemäss einer Infotafel erwünscht.

Hier wird man auch mit lauten Veranstaltungen, etwa einem Quartierfest, keine Toten wecken. Gemäss Walter Glauser, Bereichsleiter Friedhöfe bei Stadtgrün Bern, standen hier früher die Gewächshäuser der Friedhofsgärtnerei. Noch früher gab es hier sogar Familiengärten. Bestattet wurde einzig im grünen Bereich, der jetzt unmittelbar an den Friedhof grenzt. Könnte hier der schlecht erzogene Hund eines Parkbesuchers auf alte Gebeine stossen? Das sei ausgeschlossen, sagt Glauser. Dieser Bereich sei immer schon für Urnenbeisetzungen reserviert gewesen. Die letzte habe vor über zwanzig Jahren stattgefunden.

Auf einer der neuen Parkbänke knabbern zwei junge Frauen an ihren Sandwiches. Sie arbeiten in einem Büro gleich um die Ecke. Den Platz finden sie «gemütlich», wie sie sagen. Allerdings gebe es noch zu wenig Bänke im Schatten, sagen sie und weisen auf die vielen leeren Sitzgelegenheiten an der prallen Sonne. Noch sind die über zwanzig neu gepflanzten Bäume zu klein, um Schatten zu spenden. Das Schattenreich beziehungsweise die «Erholungszone», wie es auf der Infotafel heisst, beginnt nach dem Kiesplatz. Hier ist man aufgefordert, die «besondere Atmosphäre des Friedhofs zu respektieren» und die Erholungszone ausschliesslich für «ruhige Aktivitäten» zu nutzen.

Bier kaufen beim nahen Kiosk

Zonenkonform stochert ein junger Büezer im Schatten der prächtigen Buchen im Hörnlisalat eines Grossverteilers. Er arbeite auf der Inselbaustelle und geniesse hier den Schatten und die Ruhe. Den Platz findet er ein «bisschen fade». Es fehle irgendetwas mit Anziehungskraft, «ein Brunnen oder so». Am Abend habe er hier auch schon ein Feierabendbier getrunken. Um die Ecke gebe es einen Kiosk, wo man auch etwas später noch Bier kaufen könne.

Kinder jedoch wird der Quartierpark nicht überzeugen: Weder eine Schaukel noch eine Rutschbahn sind vorhanden. Dafür gibt es eine WC-Anlage in unmittelbarer Nähe. Schlagartig offenbart sich das Potenzial des Platzes: Nebst der Münsterplattform und dem Lorrainepark wird wohl auch diese Fläche bald von Boulespielern genutzt – die Kiesgrösse ist ideal. Und die Toten wird das nicht stören. (Der Bund)

Erstellt: 23.06.2017, 06:33 Uhr

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