Bühne ohne Bretter

Nach einem holprigen Prolog mit Startschwierigkeiten und Verzögerungen sind die Umbauarbeiten im Berner Stadttheater jetzt auf Kurs.

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«So wird man die Bühne nie mehr zu Gesicht kriegen», sagt Thomas Pfluger, der Stadtbaumeister von Bern. Er betritt den Bühnenraum im Berner Stadttheater. Die Schritte widerhallen. Der Ort erinnert eher an eine brachiale Industriehalle denn an eine neoklassizistische Theaterstätte. Nackte Backsteinmauern ragen in die Höhe. Eisenträger mit herunterhängenden Seilen überspannen viele Meter über den Köpfen den frisch renovierten Boden. Dieser besteht aus einem weiss-gelben Seekieferholz. «Am Schluss wird der Boden mit österreichischer Schwarzkiefer belegt und mit einem schwarzen Öl eingefärbt», sagt Pfluger. Das harzhaltige Holz wird den Boden äusserst widerstandsfähig gegen die starke Beanspruchung der Theaterleute machen. Nach dem Umbau streichen die Maler den ganzen Bühnenraum wieder schwarz. Dadurch könnten die Regisseure das Licht genau kontrollieren, sagt Pfluger.

Spezialisten aus Deutschland

Seit Ende Mai wird das Stadttheater saniert. Bis am 31. August 2017 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Pfluger betont, dass bisher die Arbeiten der aktuellen Bauphase reibungslos verlaufen sind. Es sei nichts Unerwartetes vorgefallen. «Wir sind im Zeit- und Budgetplan», so der Stadtbaumeister.

Das war nicht immer so. Teilprojekte mussten von der Wunschliste gestrichen werden. Etwa die Neugestaltung des Vorplatzbereiches – wegen Einsprachen von Bernmobil und Energie Wasser Bern. Dazu sind Wechsel in der Projektleitung gekommen. Im Frühling 2014 übernahm Hochbau Stadt Bern mit Thomas Pfluger an der Spitze die Bauherrschaft von den Berner Stadtbauten. Und erst im Mai 2015 musste das Planerbüro Emch und Berger die Gesamtprojektleitung an Kontur Projektmanagement abtreten (siehe Box rechts). Nun scheint aber vorerst Ruhe eingekehrt zu sein. «Die Logistik zwischen Handwerkern, Anlieferern und Spezialisten ist eingespielt. Wir konnten sogar etwas Zeit gewinnen», sagt Pfluger. Er betont wieder, «dass alles nach Plan verläuft».

Einige Handwerker sind daran, die «Bühnenuntermaschinerie» zu ersetzen. Die neuen Motorblöcke mit den gelben Antriebswellen sollen 2017 die Bühne wieder heben und drehen. Jeder Handgriff der Arbeiter in den blauen Latzhosen sitzt. «Spezialisten», kommentiert Pfluger das konzentrierte Vorgehen. Für den Umbau der Bühnentechnik sei ein deutsches Spezialunternehmen beauftragt worden. In der Schweiz sei der Markt für solche Firmen eben relativ klein.

Benedikt Weibel als Sesseltester

Neben der Bühne erhalten auch andere Teile des Stadttheaters ein neues Gesicht. So werden das Bühnenhinterhaus und der Schüttertrakt sowie der Publikumsbereich und das Theatercafé modernisiert. Der monumentale Bau am Kornhausplatz steht unter Denkmalschutz. Schwierigkeiten im Zuge der Bauarbeiten habe es aber deswegen keine gegeben, sagt Pfluger. Im Gegenteil: Mit dem Denkmalschutz habe ein reger Austausch stattgefunden. «Neues wird jetzt in die bestehende Formensprache eingebettet.» Ist das nicht langweilig? Pfluger entgegnet, dass auch Besuchenden ohne Architekturstudium die Unterschiede auffallen werden. So würden etwa die markanten roten Stühle ausgewechselt. Nach Kritik am Auswahlverfahren der Stühle wurde der Auftrag neu ausgeschrieben. Bald können Vertreter der Bauherrschaft, von Konzert Theater Bern wie auch ausgewählte Theaterbesucher die Stühle begutachten und testen. Auch Benedikt Weibel und Alexander Tschäppät seien als Sesseltester willkommen, sagt Pfluger. (Der Bund)

Erstellt: 13.08.2015, 13:19 Uhr

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