Uneinigkeiten trotz RGM-Korsett

Beim ersten Auftritt der Berner Stapi-Kandidaten kamen immerhin Differenzen in der Kulturpolitik zutage. Ansonsten gaben sie sich konziliant.

Am Podium des Bekult-Gipfels trafen die Stapi-Kandidaten Ursula Wyss (SP), Alexandre Schmidt (FDP), Franziska Teuscher  (GB) und Alec von Graffenried (GFL) aufeinander.

Am Podium des Bekult-Gipfels trafen die Stapi-Kandidaten Ursula Wyss (SP), Alexandre Schmidt (FDP), Franziska Teuscher (GB) und Alec von Graffenried (GFL) aufeinander. Bild: Franziska Scheidegger

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Die Stadtpräsidiumskandidaten des Rot-Grün-Mitte-Bündnisses standen am Dienstag Abend erstmals nach ihrer Einigung auf eine gemeinsame Liste zusammen auf einem Podium.

Ursula Wyss (SP), Franziska Teuscher (GB), Alec von Graffenried (GFL) und auch Alexandre Schmidt (FDP) waren von Bekult, dem Dachverband der Berner Kulturveranstalter, zu einem Hearing eingeladen worden. Dabei traten erste Differenzen punkto Kulturpolitik zum Vorschein.

So waren sie sich nicht einig über den Sinn und Zweck einer Kulturstrategie, welche zurzeit erarbeitet wird. Während sich Teuscher und Wyss für diese «Spielregeln» aussprachen, kann von Graffenried einem solchen Papier nur wenig abgewinnen.

So seien wichtige kulturelle Institutionen wie die Reitschule oder die Dampfzentrale auch nicht durch ein solches Papier entstanden. Von Graffenried, Teuscher und Schmid gaben sich auch wenig begeistert von Wyss’ Idee, Kunst im öffentlichen Raum mit einem neuen «Kulturprozent» auf Bauprojekte zu erhöhen (Link).

Von Graffenried warf Wyss vor, sie wolle so den «öffentlichen Raum möblieren», Teuscher fand, das Geld aus einem solchen «Sonderkässli» solle man besser in die Kulturvermittlung für Kinder und Schulen einfliessen lassen.

Keine Wahltaktik im Zentrum

Im Vorfeld ihres ersten gemeinsamen Auftrittes haben sich die Kandidaten noch sehr konziliant gegeben. «Ich bin froh und erleichtert, ist das Bündnis in der Konstellation zustande gekommen, die wir angestrebt haben», sagt etwa Alec von Graffenried (GFL).

Auch wenn sich seine Partei den Forderungen der SP konsequent entgegenstellt hat, befürchtet er nicht, dass er von links-grünen Wählern nun abgestraft und von der Gemeinderatsliste gestrichen werden könnte.

Schafft er den Sprung in den Gemeinderat nicht, so bleibt ihm nämlich auch das Stadtpräsidiumsamt verwehrt. «Ich hoffe, dass die Stimmberechtigten einsehen, dass die Stärke der Liste in ihrer Breite liegt», sagt von Graffenried.

Auch Ursula Wyss (SP) ist froh, «dass jetzt nicht mehr Wahltaktik im Zentrum steht, sondern über Themen und Projekte diskutiert werden kann. Das oberste Ziel ist die Fortführung der erfolgreichen Stadtpolitik der letzten 24 Jahre.» Und Teuscher sagt: «Wir waren immer überzeugt, dass das Rot-Grün-Mitte-Bündnis die beste Variante ist.»

Nach wie vor sei das GB zwar überzeugt, dass es Zeit sei für eine Frau an der Spitze der Stadt. «Aber das GB hat damit nie Alec von Graffenried als Kandidaten ausschliessen wollen.»

Keine Spur von Ärger also. Die drei Politiker, die auf einer gemeinsamen Gemeinderatsliste antreten, betreiben für die Stadtpräsidiumswahlen aber individuelle Kampagnen. Wie grenzen sie sich da voneinander ab?

«Ich definiere meine politischen Ziele nicht über Abgrenzungen, ich präsentiere meine inhaltlichen Vorstellungen», sagt Teuscher. Von Graffenried betont, das Ziel eines Bündnisses sei nicht die Abgrenzung, sondern die Zusammenarbeit.

So seien sich die Bündnispartner in grossen Themen wie der Viererfeld-Abstimmung oder im Bestreben, die Zusammenarbeit mit der Region zu verstärken, einig. Einzig Wyss räumt ein, der Wahlkampf ums Stadtpräsidium könne zur Gratwanderung werden. Die Kandidaten müssten sich einerseits unterscheiden, dabei aber fair bleiben.

Kandidaten im Korsett

Politikberater Mark Balsiger hält es gar für unmöglich, dass sich die Kandidaten für den Stadtpräsidiumswahlkampf stark voneinander abgrenzen. «Die drei Kandidaten sind in einem Korsett, was die gemeinsamen Themen angeht. Wenn sie sich mit eigenen Themen profilieren wollten, würden sie ihre Allianzpartner auf der Gemeinderatsliste brüskieren», sagt Balsiger.

So bleibe den Kandidaten nur, die eigenen Netzwerke auszubauen und sich medial bestmöglich in Szene zu setzen. Wyss, Teuscher und von Graffenried würden wohl einen Verhaltenskodex unterschreiben, der sie verpflichte, auf ihre Konkurrenten Rücksicht zu nehmen, glaubt Balsiger.

Wie sich sich am Dienstag zeigte, wird der Wahlkampf deshalb aber nicht zwangsläufig langweilig werden. Interessant dürfte auch sein, wie sich die drei RGM-Stapi-Kandidaten etwa zur Velooffensive oder zur Reitschule positionieren.

Als spannend beurteilt Balsiger schliesslich die Tatsache, dass es FDP-Präsident Philippe Müller war, der Alec von Graffenried als Stapi-Kandidaten ins Spiel gebracht hatte. Zudem könne sich Wyss so sicher, wie sie sich am Montag gab, ihrer Wahl ins Stadtpräsidium nicht sein. «Heute hätte von Graffenried ähnlich gute Chancen wie sie», sagt Balsiger. (Der Bund)

Erstellt: 04.05.2016, 06:53 Uhr

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