«Aufgetischt»: Laute Musik und bunter Burrito

In den Take-aways von Anibal Gamez gibt es mittags an drei Standorten in und um Bern lateinamerikanische Gerichte als Alternative zu Kantine oder Kebab.

Anibal Gamez plaudert gerne mit seiner Kundschaft - wenn die Musik nicht gerade alles übertönt.

Anibal Gamez plaudert gerne mit seiner Kundschaft - wenn die Musik nicht gerade alles übertönt. Bild: Adrian Sulc

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Es ist laut in der Lorraine an diesem Dienstagmittag. Südamerikanischer Rap hallt durch die Strasse. Die Musik kommt aus einem roten Anhänger, der jeden Dienstagmittag hier geparkt ist.

Darin kocht Anibal Gamez, ein 40-jähriger Venezolaner, der schon in den Berner Restaurants Marzilibrücke und Rosengarten gewirkt hat – aber auch in Sydney, Las Vegas, San Francisco und Miami. Nun bietet er seine Kreationen mittags an drei Standorten in und um Bern als Alternative zu Kantine und Kebabstand an, zudem ist er als Caterer tätig.

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Als wir letztes Jahr das erste Mal neugierig in seine fahrende Küche blickten, forderte er uns auf Englisch auf, sein Essen zu versuchen. Wir würden es nicht bereuen, sagte der Koch selbstbewusst – und er hatte recht behalten. Was uns auch in Erinnerung geblieben ist: Der Mann nimmt sich Zeit, erzählt den Gästen von seiner Philosophie der frischen Zutaten, während die hungrigen Bürolisten doch einfach etwas zu essen möchten.

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Dieses Mal geht es schneller, was vielleicht auch an der lauten Musik liegt – wir verstehen nur «Burrito» und bestellen. Anibal macht sich ans Werk, füllt eine Tortilla mit gekochten Peperoni, Erbsen, Stangensellerie und Tomaten, mit gebratenem Schweinefleisch, etwas schwarzem Reis sowie Bohnenmus und Käse.

Während er das Ganze aufwärmt, kommt eine junge Anwohnerin vorbei und beklagt sich über die laute Musik. Der Koch meint bloss, er höre nicht so gut, weshalb er die Musik laut stellen müsse.

Dann verziert er unsere Burritos, ganz im Stil seiner lateinamerikanisch-europäischen Fusionsküche, mit rot leuchtendem gekochtem Kabis und mit einigen Korianderzweigen. 15 Franken kostet die satt machende Portion, die im schmucken Öko-Teller überreicht wird. Nur den gemäss Anibals Website zugehörigen Salat bzw. das inbegriffene Getränk gibt es nicht.

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Im Lorrainepark gegenüber finden wir eine freie Parkbank. Der sehr ansehnliche Burrito überzeugt mit seiner Komposition: Das Fleisch ist gut gewürzt und gesalzen, und auch der dezent eingesetzte geschmolzene Käse trägt zum Umami-Erlebnis bei.

Das Gemüse entfaltet seinen Geschmack, der süss-säuerliche Kabis setzt einen schönen Kontrapunkt. Der Verzehr der Speise ist ohne Tisch nicht ganz einfach, doch zum Glück stellt Anibal auch Gabel und Messer zur Verfügung. So verzehren wir unseren Burrito fast unfallfrei – und werden so satt, dass wir uns zum Dessert nur noch einen Espresso macchiato in einem nahen Café genehmigen. (Der Bund)

Erstellt: 22.05.2017, 06:36 Uhr

Die Rechnung, bitte

Karte: Jede Woche ein anderes Tagesmenü zum Mitnehmen, oft lateinamerikanisch angehaucht.

Preise: Das Tagesangebot kostet 15 Franken, 14 Franken in der fleischlosen Variante.

Kundschaft: Arbeitnehmende aus der jeweiligen Umgebung.
Öffnungszeiten: 11.30 bis 14 Uhr (wobei oft früher ausverkauft ist).

Adresse: Dienstag Lorrainestrasse 4, Bern, Mittwoch und Donnerstag Werkstrasse 18, Wabern (Rotes Kreuz), Freitag Ey 9a, Ittigen, www.anibalgamez.wixsite.com/personal-chef, Tel. 075 430 28 76.

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