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Bern

Zweite Röhre soll zum Zug kommen

Von Sarah Nowotny. Aktualisiert am 09.03.2011 2 Kommentare

Neun Milliarden Franken wünschen sich Bern und das Wallis vom Bund, damit der Lötschberg-Tunnel schon bald durchgehend zweispurig befahrbar wird. Ein Verein mit viel Polit-Prominenz wird nun lobbyieren.

Der Walliser Staatsrat jacques Melly (links), die bernische Baudirektorin Barbara Egger-Jenzer und Ex-BLS-Direktor Mathias Tromp wollen Druck machen. (Manu Friederich)

Der Walliser Staatsrat jacques Melly (links), die bernische Baudirektorin Barbara Egger-Jenzer und Ex-BLS-Direktor Mathias Tromp wollen Druck machen. (Manu Friederich)

Zügig mussten sich die Mitglieder der eidgenössischen Räte, denen der Ausbau der Bahn am Herzen liegt, gestern nach ihrer Session ins Berner Rathaus begeben. Sonst hätten sie riskiert, die Gründung des Lötschbergkomitees zu verpassen. Unter ihnen waren Christophe Darbellay, Walliser Nationalrat und Präsident der CVP Schweiz, der grüne Berner Nationalrat Alec von Graffenried, FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen aus Bern, der Oberländer SVP-Nationalrat Hansruedi Wandfluh, die Thuner BDP-Nationalrätin Ursula Haller und die grüne Berner Nationalrätin Franziska Teuscher. Als Vertreterin der Stadt Bern fand sich Verkehrsdirektorin Regula Rytz (GB) ein, aus mehreren Kantonen von Neuenburg bis in den Aargau waren Delegationen angereist. Nur der Lötschberg Vorkämpfer par excellence, Alt-Bundesrat Adolf Ogi, liess sich entschuldigen. Der Verein mit seinen bis jetzt ungefähr 300 Mitgliedern will von nun an alle Register der Lobbyarbeit ziehen, damit der vier Milliarden teure Lötschberg-Basistunnel zwischen den Kantonen Bern und Wallis durchgehend zweispurig befahrbar wird. In erster Linie möchte er in nächster Zeit fünf Vorhaben aufgleisen:

  • Den Ausbau des Tunnels für den 30-Minuten-Takt der Intercityzüge ins Wallis und zur Bereitstellung weiterer Kapazitäten für den Güterverkehr.
  • Die Erweiterung kann ihre volle Wirkung aber nur entfalten, wenn auch Engpässe bei den Zufahrten beseitigt werden. Deshalb soll das Aaretal zwischen Bern und Thun bahntechnisch ausgebaut werden.
  • Zudem möchte das Komitee den Ausbau des Bahnhofs Bern für den «reibungslosen Ablauf des Verkehrs».
  • Folgen soll auch ein weiterer Juradurchstich (Wiesenbergtunnel), um den Verkehr aus/in Richtung Norden aufzunehmen.
  • Schliesslich wünscht sich das Oberland einen stündlichen Schnellzughalt in Frutigen.

Primär soll der Bund bezahlen

Heute besteht der vor vier Jahren eröffnete Lötschbergtunnel im südlichen Drittel aus zwei voll ausgebauten Röhren, ist aber auf zwei Dritteln seiner Länge nur einspurig befahrbar (siehe Grafik). Das unfertige Bauwerk ist das Ergebnis eines typisch schweizerischen Kompromisses: Damit es sich überhaupt neben dem Gotthardtunnel behaupten konnte, musste auf den Ausbau verzichtet werden. Nun reicht eine Röhre aber vielen nicht mehr. «Heute sind 55 Prozent der Züge, die den Lötschberg durchqueren, Personenverkehrszüge – doppelt so viele wie ursprünglich vorgesehen», sagte Dirk Stahl, stellvertretender Chef des Bahnunternehmens BLS. Ein Ende des Wachstums sei nicht absehbar – «übrigens auch nicht beim Güterverkehr, der sich seit 2000 mehr als verdoppelt hat». Der Ausbau sei denn auch von nationalem und sogar internationalem Interesse, betonten die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin Barbara Egger-Jenzer (SP) und ihr Walliser Amtskollege Jacques Melly (CVP), Co-Präsidenten des Komitees.

Die Forderung nach einer durchgehenden zweiten Röhre ist so alt wie der Tunnel selbst. Das Problem mit dem Ausbau ist allerdings auch seit jeher dasselbe: Er würde 1,35 Milliarden Franken kosten, alle vom Komitee geforderten Vorhaben zusammen würden wohl mit fast 9 Milliarden zu Buche schlagen. Es ist zwar das erklärte Ziel des Vereins, Ideen zur Finanzierung aufs Tapet zu bringen – gestern war aber in dieser Hinsicht noch nicht viel zu erfahren. «Sähe ich eine Möglichkeit, wie sich der Kanton Bern finanziell am Lötschbergausbau beteiligen könnte, würde ich sie sofort ergreifen. Aber die Aussichten sind – trotz positiver Rechnung 2010 – düster», sagte Egger lediglich. Primär müsse der Bund genug Geld für den Ausbau von Schiene und Strasse bereitstellen.

«Wünschenswert, aber . . .»

Es ist indes fraglich, ob dieses Geld in nächster Zeit dem Berner Basistunnel zugute kommt. «Sein Ausbau wäre zwar wünschenswert», sagte der Zuger CVP-Ständerat und Verkehrsexperte Peter Bieri auf Anfrage. «Aber wir müssen uns überlegen, wo unsere Investitionen in den öffentlichen Verkehr am wirkungsvollsten sind.» Und das sei in erster Linie auf der Strecke zwischen Lausanne und Genf und am Gotthard der Fall. Ähnlich argumentiert Peter Vollmer, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr: «Bern liegt schon etwas abseits der grossen Wirtschaftsströme.» Dennoch sei der Lötschberg ein «Glücksfall», ohne den die Verlagerung des Verkehrs von der Strasse auf die Schiene noch weniger weit gediehen wäre. Nicht zuletzt wegen des internationalen Güterverkehrs ist auch der Zürcher SVP-Nationalrat Max Binder für den Ausbau. «Allerdings lässt er sich nicht kurz-, sondern erst mittelfristig realisieren», so der Verkehrsexperte. (Der Bund)

Erstellt: 09.03.2011, 06:54 Uhr

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2 Kommentare

Beat Müller

09.03.2011, 07:47 Uhr
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Da haben wir ja gerade 9 Milliarden Franken, die wir in die AHV oder IV investieren könnten, anstatt eine Erbschaftssteuer einzuführen! Dann wären in der IV zum Beispiel nur noch ca. 2 Milliarden Schulden, die wir sicher noch anderswo herbekommen und schon ist die Kasse saniert. Geld hat es genug in der Schweiz, es ist nur eine Frage der Verteilung und der politischen Interessen! Antworten


Peter Wyss

09.03.2011, 07:50 Uhr
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Alle bisherigen Bahnvorhaben, (als letztes Beispiel der Gotthard) haben gezeigt, dass aus neun Milliarden zwanzig werden. Und wer soll dies bezahlen? Die Konsumenten (durch die MWST), die Autofahrer (Infrastrukturfonds), die Steuerzahler (Kanton und Bund)?
Wären es die Verbraucher selbst, wäre das Projekt schon beerdigt und man hätte gestern Abend im Rathaus eine Sitzung einsparen können.
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