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«Zusammen können wir etwas bewirken»

Von Timo Kollbrunner. Aktualisiert am 19.12.2011 1 Kommentar

Denise Beutler Mateso drang in die kongolesische Botschaft in Bern ein - weil sie kämpfen will gegen die Verbrechen in ihrer Heimat.

Entschlossen, zu kämpfen: Die Kongolesin Denise Beutler Mateso.

Entschlossen, zu kämpfen: Die Kongolesin Denise Beutler Mateso.
Bild: Manu Friederich

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Kabila offiziell zum Sieger erklärt

Trotz eines enormen Reichtums an Rohstoffen ist der Kongo eines der ärmsten Länder der Erde - wegen Ausbeutung und Kriegen. Seit nach dem Völkermord in Ruanda 1994 Hunderttausende Hutus in die Provinz Kivu im Osten Kongos flohen, wird die Gegend von Gewalt beherrscht. 1996 stürzte im Kongo die neue ruandische Tutsi-Regierung zusammen mit kongolesischen Rebellen den Diktator Mobutu und machte Laurent-Désiré Kabila zum Präsidenten. 2001 wurde er ermordet, sein Sohn Joseph erbte das Amt. Allerdings ist umstritten, ob der wirklich Laurent-Désirés Sohn ist - er soll das angenommene Kind ruandischer Eltern sein.

Ende November fanden im Kongo Wahlen statt. Am Freitag bestätigte der Oberste Gerichtshof den Sieg Kabilas gegen seinen Rivalen Etienne Tshisekedi - obwohl Wahlbeobachter frappante Unregelmässigkeiten feststellten: In einigen Provinzen wurden Wahlbeteiligungen von 100 Prozent gemeldet, andernorts gingen Tausende Wahlzettel verloren. Bei Zusammenstössen kamen über 20 Menschen ums Leben. Thisekedi ficht die Wahlresultate an und ruft seine Anhänger auf, heute oder morgen zu protestieren. Angst vor Unruhen geht um.

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«Schön», sagt Denise Beutler Mateso beim Treffen im Berner Bahnhof, und schaut zur Decke. Die Weihnachtsdekoration gefällt ihr. Dann sagt sie nachdenklich: «Wir werden blutige Weihnachten erleben.» «Wir», das sind die Menschen in der Demokratischen Republik Kongo, ihrer Heimat - die Menschen, für die sie sich einsetzt.

Zusammen mit zehn Männern ist Denise Beutler Mateso vor zwei Wochen in die kongolesische Botschaft in Bern eingedrungen. Aus Protest gegen die so offensichtlich undemokratischen Wahlen, aus denen der amtierende Präsident Joseph Kabila als Sieger hervorging. Sie hätten ein Fenster eingeschlagen und seien so in die verlassene Botschaft gelangt, erzählt sie. Dort hängten sie alle Bilder von Kabila ab und ersetzten sie mit dem Konterfei des Oppositionsführers Etienne Tshisekedi. Sie ist überzeugt, dass der die Wahlen eigentlich gewonnen hat. Sie sei keine Anhängerin von Tshisekedi, aber immerhin sei der in seinem Widerstand seit 30 Jahren konsequent geblieben. Kabila dagegen schliesse einfach die Augen, weil er profitiere von der Ausbeutung des Kongo.

Tägliche Telefonate in den Kongo

Sie hätten nichts gestohlen aus der Botschaft, beteuert die 41-Jährige, kein Mobiliar verwüstet. Sie erzählt, wie die Berner Polizei sie in Handschellen legte, auf dem Posten durchsuchte, Fingerabdrücke und einen DNA-Abstrich nahm. «Ich habe das für mein Land gemacht, deshalb war das kein Problem», sagt sie bestimmt. Denise Beutler Mateso ist eine einnehmende Frau. Wach schauen ihre Augen, sie lacht ihr hübsches Lachen und wird dann gleich wieder ernst, ja wütend, wenn sie über das Leid in ihrer Heimat spricht, über die Kriege, die Millionen von Toten, die Vergewaltigungen, die Arbeitslosigkeit und die Absenz von irgendwelcher wirkungsvoller Politik.

Täglich telefoniert Denise Beutler Mateso mit Familienmitgliedern im Kongo, wo nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse schwere Unruhen befürchtet werden. «Man muss die Angst vergessen», sagt sie. Sie sei entschlossen, gegen die Verbrechen in ihrer Heimat zu kämpfen. «Wir Kongolesen, die im Ausland leben, haben eine Verpflichtung. Wir müssen den Stummen eine Stimme geben.» In Belgien, in England, in den USA und in vielen anderen Ländern hätten Kongolesen gegen die Wahlen demonstriert, seien in Botschaften eingedrungen. Der Druck der Diaspora sei wichtig. «Zusammen können wir etwas bewirken.»

«Ich mag die Schweiz»

Bis im Jahr 2000 arbeitete Denise Beutler Mateso im Nord-Kivu, an der Grenze zu Ruanda, beim Zoll - mitten im Kampf um Bodenschätze, zwischen marodierenden Banden, wo Vergewaltigungen und Brandschatzungen bis heute den Alltag der Menschen bestimmen. Sie habe zugesehen, wie ihr Land geplündert wurde, wie das Coltan und das Gold einfach unverzollt über die Grenze nach Ruanda gebracht wurden - weil die grossen Mächte Ruanda unterstützten, um den Kongo auszubeuten. Doch Denise Beutler Mateso sah nicht einfach zu. «Ich kann nicht schweigen, wenn ich Ungerechtigkeiten sehe», sagt sie. Sie gab Interviews, sie tat ihre Empörung kund, es wurde gefährlich für sie. Sie bekam in der Schweiz Asyl. Und auch hier denkt sie nicht daran, zu schweigen. Als Präsidentin der Vereinigung «Espoir Congo» versucht sie, auf die kriegerische Gewalt im Kongo, auf die Vergewaltigungen von Frauen aufmerksam zu machen. Ihre Heimat sei so reich, sagt sie, die Erde schwarz, «du wirfst am einen Tag einen Samen hin, und am nächsten hast du eine Pflanze.» Aber die Frauen wagten sich nicht mehr auf die Felder, aus Angst, vergewaltigt zu werden. Der Kongo werde «auf kleiner Flamme zerstört».

Im freiburgischen Dorf, wo Denise Beutler Mateso lebt, ist sie bestens integriert. Alle kennen sie und ihren vierzehnjährigen Sohn, die einzigen Schwarzafrikaner im Dorf. Sie arbeitet bei einer grossen Firma als Kundenberaterin, nimmt teil am Dorfleben und will in nächster Zeit einer Partei beitreten, der SP wohl. Wenn die Schweizer Fussballnationalmannschaft spielt, zieht sie ein rotes T-Shirt mit Schweizerkreuz an. «Ich mag die Schweiz», sagt sie, «aber irgendwann muss ich wieder in den Kongo. Dort bin ich zu Hause.» (Der Bund)

Erstellt: 19.12.2011, 13:54 Uhr

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1 Kommentar

Roger Zimmerli

19.12.2011, 23:35 Uhr
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Und so eine grossartige Frau, die für eine bessere Heimat kämpfte und aus dem "Exil" weiterkämpft, damit sie einmal wieder zurück kann, so eine Persönlichkeit müsste also gemäss Ausschaffungsinitiative in den Kongo zurückgeschafft werden - weil sie in der Schweiz wegen Hausfriedensbruchs oä verhaftet wurde, und das Völkerrecht (non-refoulment) nicht gelten sollte. Wozu haben wir Ja gesagt?!! Antworten



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