Zu Hause ist es doch am schönsten
Von Simon Wälti. Aktualisiert am 08.09.2011 6 Kommentare
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Der Umzug von Ursina und Berna nach Zarnesti in Rumänien ist gescheitert. Die beiden weiblichen Jungbären bleiben zu Hause bei Mutti. Die Abmachung, dass die Cristina-Lapis-Foundation auch weitere Bären aus Bern in ihrer Anlage in Zarnesti aufnimmt, wurde im August zurückgezogen, wie Bärenpark-Direktor Bernd Schildger gestern an einer Medienkonferenz erklärte. In einer neuen Vereinbarung sollte Bern für unbeschränkte Zeit auf Bärennachwuchs verzichten. Dies sei weder für den Bärenpark noch für den Gemeinderat tragbar gewesen, so Schildger. Auch eine Importgenehmigung für Ursina und Berna traf nicht ein.
Damit waren alle Möglichkeiten für eine Unterbringung der Jungbären der Reihe nach gescheitert, der Bärenpark entschloss sich deshalb, neue Wege zu beschreiten. Bisher war man davon ausgegangen, dass Bärenmutter Björk ihre im Dezember zweijährigen Kinder bald verstossen wird und dass Finn ferngehalten werden muss, weil er Ursina und Berna verletzen oder töten könnte. Nun wird zusammen mit der international bekannten Bärenexpertin Else Poulsen aus Kanada eine Zusammenführung in die Wege geleitet.
Finn wird sterilisiert
«Es sollte möglich sein, dass diese vier Bären in Bern zusammenleben», sagt Schildger. Mutter Björk toleriere ihre Kinder nach wie vor, Finn sei am Schieber nur noch neugierig, und im Bärenpark habe es genügend Platz für alle vier Bären. «Gebt dem Berner, was des Berners ist, nämlich seine Bären.» Damit die Familienzusammenführung letztlich auch klappt, braucht es eine Reihe von Anstrengungen und Massnahmen. Die einschneidendste betrifft Finn. Das Bärenmännchen wird sterilisiert, aber nicht kastriert. «Das ist keine Wortklauberei», betont Schildger, «sondern ein wesentlicher Unterschied.» Bei der Sterilisation wird ein Stück des Samenleiters entfernt, Paarungen sind weiterhin möglich. Bei der Kastration dagegen werden die Hoden entfernt, was laut Schildger zu einer dramatischen Verhaltensänderung führen würde.
Die Zusammenführung, geleitet von der Zoopädagogin und Verhaltensbiologin Cornelia Mainini, soll im nächsten Frühsommer versucht werden. «Wir wollen das Zeitfenster gegen Ende der Brunft nutzen», erklärt Mainini. «Das ist eine Meet-and-Greet-Phase.» Die Bären, sonst als Einzelgänger unterwegs, sind noch offener für Kontakte. Die Aufgabe der Angestellten im Bärenpark wird es nun sein, den Bären einige Tatsachen begreiflich zu machen.
•Das Futterangebot wird ausgebaut, sodass die Bären merken, dass die Zusammenführung das Nahrungsangebot nicht verschlechtert, sondern kurzzeitig sogar verbessert.
•Finn muss merken, dass die Anwesenheit seiner Töchter eine Paarung mit Björk nicht verhindert.
•Björk ihrerseits muss überzeugt werden, dass Finn keine Gefahr für ihre Töchter darstellt.
«Es gibt keinen Garantieschein»
Den Bären soll «Enrichment», eine Bereicherung ihres Daseins, geboten werden. Der Bärenpark soll noch attraktiver werden. Maden oder Eier werden zum Beispiel in einem Holzstück versteckt, sodass der Bär sie herausklauben muss. Die Bären haben Nestmaterial zur Verfügung, verschiedene Tagesnester und Ruheplätze werden eingerichtet, wohin sie sich zurückziehen können. Auch Kinder können zum «Enrichment» beitragen. Sie erfinden, bauen und platzieren Futterrätsel in der Anlage. Die Bären erhalten dadurch neue Aufgaben, und die Gerüche, welche die Kinder zurücklassen, bieten «Lesestoff». «Es gibt keinen Garantieschein, dass es klappt», sagt Tierpfleger Walter Bosshard. Die Chance sei aber sehr gross. Auch Schildger zeigt sich zuversichtlich. Das Risiko eines Scheiterns wollte er nicht quantifizieren. «Bären sind hochkomplexe Säugetiere, die sich der trivialen Mathematik entziehen.» Für Finn hat die Zusammenführung den Vorteil, dass er sein eher kleines Gehege verlassen kann.
Bern muss Verzicht üben
Für Stadtpräsident Alexander Tschäppät ist es «grundsätzlich toll, dass die Bären hier bleiben». Das Wichtigste sei, dass die Bären ein Zuhause hätten: «Einfach abschiessen geht ja nicht.» Die Familienzusammenführung bedeutet aber auch, dass es für längere Zeit in Bern keine jungen Bären mehr geben wird. Dies dürfte den Besucherzahlen abträglich sein. So erklärte Bern Tourismus denn auch, der Verzicht auf Jungbären sei aus touristischer Sicht bedauerlich. Man freue sich aber, ein «so spannendes und ambitiöses Projekt begleiten und mittragen zu dürfen». Tschäppät sieht es pragmatisch: «Wir hatten lange keinen Nachwuchs in Bern, damit können wir auch jetzt leben.»
Mischa und Mascha im Tierpark Dählhölzli dagegen kommen als mögliche Eltern eher nicht infrage. Es gibt kaum Zoos, die ussurische Braunbären halten. «Die sind so riesig, da müsste ein Platz schon vorher fixiert sein», sagt Direktor Bernd Schildger. «Und der Vertrag unterschrieben.» Ussurische Braunbären können ein Gewicht von 400 bis 700 Kilogramm erreichen. Derzeit sind die beiden Geschenke aus Russland noch nicht geschlechtsreif. (Der Bund)
Erstellt: 08.09.2011, 06:42 Uhr
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