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Bern

«Wohl in die falsche Schachtel geraten»

Von Dölf Barben. Aktualisiert am 16.12.2011 3 Kommentare

Die Lektüre des Berichts über die Vernichtung der Stimmzettel ist vergnüglich.

Am schönsten ist die Geschichte aus Koppigen: «In der Zeit um die Abstimmung vom 13. Februar war im Materialraum der Gemeinde sehr viel zu vernichtendes Material gestapelt», heisst es im gestern veröffentlichten Bericht der Staatskanzlei zur Vernichtung von Stimmzetteln. Und weiter: «Die Unterlagen (...) wurden zur Aufbewahrung im Safe bereitgestellt. Die zuständige Mitarbeiterin wurde jedoch durch einen Telefonanruf bei ihrer Arbeit unterbrochen. Während sie am Telefon war, begab sich eine Lernende in den Materialraum, um – entsprechend der ständigen Weisung – nicht ausgefüllte Zeit dazu zu nutzen, Akten zu vernichten. Als die zuständige Mitarbeiterin dies bemerkte, das Telefongespräch unterbrach und sofort in den Materialraum ging, war es bereits zu spät und die Abstimmungsunterlagen der Gemeinden Alchenstorf und Willadingen vernichtet. Die Unterlagen der Gemeinde Koppigen dagegen konnten noch gerettet werden.» Kleiner Trost: Auch in Tramelan war es ein Auszubildender, der die Zettel «versehentlich» schredderte.

«Umfangreiche Aufräumarbeiten»

Zu jeder der 30 betroffenen Gemeinden gibt es im Bericht eine kurze Zusammenfassung dessen, was sich zugetragen hat. Erklärt wird auch, warum das Material in Oberwil bei Büren zuerst als vermisst galt und dann wieder auftauchte: Der Gemeindeschreiber hatte das Material zwar aufbewahrt, «jedoch an einem anderen Ort als üblich».

Dass es für die Gemeindeschreiber nicht sehr angenehm war, über eigene Fehler zu berichten, ist den Berichten anzumerken. Die Formulierungen klingen nicht selten etwas schwammig. In Langenthal zum Beispiel wurde «im Rahmen einer Aktion zur Lösung des Platzproblems» (...) vorgeschlagen, die circa 15 Schachteln zu entsorgen. Der «verantwortliche Mitarbeiter» konsultierte die Homepage der Staatskanzlei und erfuhr darauf, die Resultate seien «erwahrt».

In La Heutte wurden die Unterlagen «im Rahmen von Aufräum- und Umgestaltungsaktionen vernichtet». In Riggisberg waren die Couverts zwar mit dem Abstimmungsdatum, nicht aber mit dem Thema beschriftet. «Umfangreiche Archivierungs- und Aufräumarbeiten» fanden auch in Gründlischwand statt, «anlässlich derer diverse Akten zu schreddern und zu vernichten waren»: Der Gemeinderat «geht davon aus», dass die Stimmzettel versehentlich zu diesen Unterlagen gelegt wurden. In Habkern hatte der Gemeindeschreiber «in der Hektik nicht daran gedacht», das Material aufzubewahren. In Ringgenberg gelangten die Unterlagen «wohl in die falsche Aufbewahrungsschachtel»; in Thunstetten wurde das Material «infolge einer Verwechslung» vernichtet; in Rütschelen geschah es deshalb, weil sich die zuständige Mitarbeiterin «aus unerklärlichen Gründen» dazu entschieden hatte. Und in Müntschemier vernichtete eine Verwaltungsangestellte das Material «in der Annahme, die Sache mit der Abstimmung über die Motorfahrzeugsteuern habe sich längst erledigt.» (Der Bund)

Erstellt: 16.12.2011, 10:48 Uhr

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3 Kommentare

Ruedi Durrer

16.12.2011, 15:15 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Eigentlich ein Armutszeugnis, wenn für das Versagen der Vorgesetzten immer die Kleinen den Kopf herhalten müssen. Zufällig musste eine Angestellte während des Schredderns ans Telefon. Zufällig ist dann ein Lehrling eingesprungen und hat den Fehler begangen. Für wie dumm halten die Chefs eigentlich das Volk? Antworten


Sibylle Weiss

16.12.2011, 13:49 Uhr
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Falls nicht schon geschehen, sollte man die Schachteln in Zukunft vielleicht anschreiben u.die Schachtel,wo z.B. "zum Vernichten" draufsteht, wenn möglich am selben Ort belassen.Und die Schachtel,wo die aufzubewahrenden Dokumente drin sind, sollte ebenfalls mit "zur Aufbewahrung" angeschrieben werden.Dann wären diese Fehltritte vermutlich gar nicht passiert!Hier sind nicht die Lehrlinge schuld! Antworten



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