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Bern

Wo Altrocker mit Hip-Hoppern die WM feiern

Von Matthias Raaflaub. Aktualisiert am 21.06.2010 1 Kommentar

Im Profil: Küchenchef Luca Jenni (24) versorgt die Fussballfans im Berner Bierhübeli mit Nahrung – und viel Bier.

Konzertstimmung am Fussballmatch: Luca Jenni freuts. (Valérie Chételat)

Konzertstimmung am Fussballmatch: Luca Jenni freuts. (Valérie Chételat)

«Das Tor der Schweizer habe ich leider nicht gesehen. Aber gehört. Ich war in der Küche. Erst jubelten die Leute aus der Lounge, fünf Sekunden später ging es bei der Grossleinwand im Saal los. Am einen Ort empfangen wir das Spiel über Kabel, am andern über Satellit, darum die Verzögerung bei den Jubelschreien. Hier war es beim Spiel Schweiz - Spanien rappelvoll. Die Leute, die nicht mehr reinkonnten, haben noch draussen durch das Fenster mitgeschaut. Es sah aus wie im Stadion: Die Leute kamen in den Landesfarben geschminkt, sie brachten Fahnen, Vuvuzelas und Kuhglocken mit. Ob Jung oder Alt, ob Hip-Hopper oder Rocker, alle haben sich zusammen gefreut. Wir haben auch Firmen hier, die zum Nachtessen vor dem Abendspiel kommen. Da kommt es vor, dass die Herren vor der Tür ihren Kittel ausziehen und ein Trikot überziehen. Nur die Spanier – ja, die waren natürlich nicht so in Feierlaune.»

«Im Bierhübeli arbeite ich seit dem letzten Herbst als Küchenchef. Zu den WM-Spielen verkaufen wir meist Fingerfood. Aber auch unsere Hauswürste und Salate sind im Biergarten gefragt. Und natürlich Bier. Das gehört wohl einfach dazu. Ich helfe an der Bar aus. Da herrscht dann Ausnahmezustand. Weil das Haus beim Schweizer Spiel voll war, hat man einander gegenseitig geholfen. Wer nicht an die Bar konnte, hat sein Geld nach vorne gereicht und ich schickte das Bier auf den Weg durch die Reihen. Die Stimmung hier war vergleichbar mit einem ausverkauften Konzert.»

«Wenn hier im Winter Bands spielen, koche ich für sie. Mein ganzes Leben dreht sich um Musik und ums Kochen. Hier kann ich beides verbinden. Seine Lieblingsmusiker zu bekochen und es von ihnen noch verdankt zu kriegen, ist ein Traumjob. Die WM bedeutet vor allem viel Arbeit. Wir haben von 15 bis 23 Uhr abends warme Küche. Ich komme meistens nach dem Mittag, verfolge das erste WM-Spiel des Tages. Das ist das Einzige, bei dem das noch ohne Stress geht. Nach Hause kann ich zwischen Mitternacht und ein Uhr. Das sind schon lange Tage, aber durch die Stimmung hier merkt man das kaum. Und im Vergleich zu den Partys, die wir hier auch haben, ist das noch heilig.»

«Mein Lieblingsteam wäre eigentlich Schweden. Aber die schwedische Mannschaft ist ja nicht bei der WM dabei, und so liegen meine Sympathien bei Steven Gerrards Engländern. Ich schaue auch den Spaniern gerne zu. Sie haben in ihrem ersten Spiel auch schön kombiniert, nur zu wenig effizient gespielt. Zum grossen Glück für die Schweizer. Ob sies in die Achtelfinals schaffen? Nun, ich bin da noch etwas skeptisch.»

(Der Bund)

Erstellt: 21.06.2010, 09:08 Uhr

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1 Kommentar

Rudolf Steiner

21.06.2010, 10:01 Uhr
Melden

Hauptsache nicht für die Schweiz... Verkorkste Leute, die in diesem Land leben... Antworten



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