Wird der Abendverkauf durch einen Fanmarsch gestört?
Von Christoph Lenz. Aktualisiert am 07.02.2012 5 Kommentare
Thun: Mit Fankarte Anonymität aufheben
In Thun wird bald eine Fankarte eingeführt. So zumindest sehen die Pläne der Stadionverantwortlichen aus, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. Fussballfans, welche in die Heimfankurve wollen, werden die Karte benötigen, um sich ausweisen und die Kurve überhaupt betreten zu können. Die Karte soll gleichzeitig aber auch gewisse Anreize schaffen. Fans, welche die Karte haben, sollen dafür etwas zurückerhalten. Was, ist noch unklar. Wie der CEO der Thun Arena Alain Kappeler erklärt, soll die Karte dazu dienen, die Anonymisierung der Fans etwas aufzuheben. Die Einführung der Karte ist Teil des Thuner Modells, mit welchem die Sicherheit im und ums Stadion verbessert werden soll. Weitere Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit wären verschärfte Eingangskontrollen, ein Aufgebot an Sicherheitspersonal im Heimsektor, die Einschränkung von Fahnen, der Entzug der Fankarte, des Saisonabis oder die Aufhebung der Stehplätze als Sanktionsmassnahmen, wenn sich Fans nicht an geltende Sicherheitsregeln halten. Ultima Ratio bleibt das Stadionverbot. Noch liegt das Modell nicht im Detail vor, weil sich die Beteiligten noch nicht in allen Punkten gefunden haben.
Obwohl die Thuner Fans als friedlich gelten, haben sich in jüngster Zeit Fans in die Szene gemischt, die andere Vorstellungen von Fankultur haben. Dies führt auch zu Spannungen innerhalb der Fangruppierungen. Wegen dieses schwelenden Konflikts soll künftig nun auch Sicherheitspersonal mit an die Auswärtsspiele fahren. Noch nicht einig sind sich der FC Thun, die Arena AG und der Gemeinderat über die Verteilung der Sicherheitskosten. Der FC Thun zahlt jährlich 1 000 Franken, der Stadt wiederum erwachsen wegen der Fussballspiele jährliche Sicherheitskosten von 1 Million Franken. Wie Stadtpräsident Raphael Lanz sagt, stimmt dieses Verhältnis für die Stadt nicht. Wie hoch die Beteilung des Fussballclubs sein soll, darüber will Lanz aber aus «verhandlungstaktischen Gründen» nichts sagen. (gum)
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Zweimal gastierte der FC Basel im letzten Jahr in Bern. Zweimal marschierten Hunderte Fans des Schweizer Meisters durch die Berner Innenstadt zum Stadion. Zwar liefen die sogenannten Fanwalks relativ glimpflich ab. Kleinere Scharmützel und eine erhebliche Beeinträchtigung des öffentlichen Verkehrs hatten die Umzüge aber dennoch zur Folge.
Wie der Schweizerische Fussballverband nun mitteilt, wird das Schlagerspiel BSC Young Boys gegen FC Basel vom Freitag 17. Februar auf den Donnerstag 16. Februar vorverschoben (Spielbeginn: 20.15 Uhr). Als Grund gibt der Verband die freitags verlängerten Öffnungszeiten des Einkaufszentrums im Wankdorf an. Verständlich: Eine Konfrontation von teilweise gewaltbereiten Fans und Shoppern soll verhindert werden.
Ein brisantes Szenario
Allerdings: Sollten die Fans des FC Basel sich auch heuer nicht von einem Fanmarsch abbringen lassen, so träfen sie unweigerlich auf andere Konsumenten – jene des Abendverkaufs, der am Donnerstagabend in der Altstadt stattfindet. Ein brisantes Szenario.
Der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause stellt zwar klar: «Wir wollen keine Fanmärsche in Bern.» Zum konkreten Spiel sagt er aber nur: «Wir haben diese Veranstaltung seit längerem auf dem Radar.» Er gehe derzeit aber davon aus, dass der Basler Fanzug planmässig im S-Bahnhof Wankdorf ende. Letztes Jahr erzwangen die Basler Fans die Fahrt des Fanzugs bis in den Bahnhof Bern mit der Drohung, andernfalls individuell mit der SBB anzureisen. Die SBB fügte sich.
Der Grund für Nauses aktuelle Zuversicht: Vorletzte Woche hielt er ein Referat an einem Fan-Symposium des FC Basel. Dabei wies er auf die schwierige Ausgangslage bei Fanmärschen in Bern hin – die Platzverhältnisse im Bahnhof, die engen Fluchtwege und den für den ÖV essenziellen Bahnhofplatz. Bei dieser Gelegenheit hat Nause mit der Basler Fanarbeit und mit dem Präsidenten des FC Basel, Bernhard Heusler, Gespräche geführt. Heusler hatte Nause im letzten April «reinen Populismus» vorgeworfen, nachdem der Berner Sicherheitsdirektor gefordert hatte, im Falle eines Fanmarsches das Fussballspiel abzusagen und 3:0 für die Young Boys zu werten. Inzwischen vertragen sich Nause und Heusler offenbar wieder. «Die Gespräche waren konstruktiv», sagt Nause. Schlagworte wie «Raubtierkäfig» und «Horrorszenarien» seien kein Thema mehr gewesen. Im Mittelpunkt hätten die sachlichen Argumente gestanden.
Polizei «beobachtet sehr genau»
Auch bei der Berner Kantonspolizei hält man sich noch bedeckt. Zu einem möglichen Fanmarsch durch die Altstadt will sich Michael Fichter, Pressesprecher von Police Bern jedenfalls nicht äussern. Klar sei aber, dass die Kantonspolizei mit einem Aufgebot vor Ort sein werde, das einerseits der Paarung Young Boys gegen FC Basel, andererseits auch der tagesaktuellen Gefahrenanalyse gerecht werde. Dennoch sagt auch Fichter: «Wir beobachten die Situation sehr genau.»
Aufmerksam ist auch die Vereinigung des Innenstadtgewerbes, Bern City: «Wir werden den Berner Gemeinderat in den nächsten Tagen speziell darauf hinweisen, dass während des Spiels der Abendverkauf stattfindet. Es sollte nicht zu einer Störung kommen», sagt Geschäftsführer Martin Bühler. «Wir hoffen, dass die nötigen Vorkehrungen getroffen werden.»
Sicherheitsdirektor Reto Nause hat Verständnis für die Bedenken aus der Innenstadt: «Wir nehmen das sehr ernst. Wir werden am übernächsten Donnerstag bereit sein.» (Der Bund)
Erstellt: 07.02.2012, 07:12 Uhr
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