«Wir wussten nicht, dass wir Beschäftigung einkauften und massiv draufzahlten»
Von Mathias Morgenthaler. Aktualisiert am 03.05.2010 2 Kommentare
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Herr Zimmerli, was unternehmen Sie als Präsident der Wifag-Polytype-Holding dieser Tage?
Wir setzen alles daran, die Wünsche unserer traditionellerweise verwöhnten Kundschaft im Servicegeschäft weiterhin voll zu erfüllen. Zudem setze ich mich dafür ein, dass wir möglichst viele der 271 Angestellten behalten können.
Mehr als 70 Leute können doch nicht beschäftigt werden im Service.
Ich kenne die genaue Zahl heute noch nicht. Bis in einer paar Wochen müssen wir genau wissen, wohin die Reise geht. Parallel dazu versuchen wir, einen Teil unserer hoch qualifizierten Angestellten an die Maschinenindustrie zu vermitteln. Entscheidend ist, dass es uns gelingt, die besten Leute bei der Stange zu halten. Das versuchen wir unter anderem mit monetären Anreizen.
Welche Perspektiven haben diese Leute? Die Wifag stirbt in Raten.
Nicht unbedingt. Vielleicht ergeben sich ja Gelegenheiten für neue Kooperationen, wenn wir am Ball bleiben. Viele Kunden bedauern sehr, was mit der Wifag passiert ist – auch jene, die uns massiv im Preis gedrückt haben. Unsere beiden Hauptkonkurrenten, die zehnmal grösser sind, sind ebenfalls in einer ungemütlichen Situation. Niemand weiss genau, wie es weitergeht. Es ist ja nicht so, dass es den anderen gut geht und die Wifag untergeht, weil ein paar Professoren angeblich idiotische Managementfehler gemacht haben.
Der Verwaltungsrat hat doch alle Entscheide des Duos Wirz/Stein durchgewinkt.
Das kann man so sehen. Die Firma wurde bis zum Tod von Ursula Wirz sehr patronal geführt. Die Einflussmöglichkeit des VR beschränkte sich darauf zu prüfen, ob die Geschäftstätigkeit den gesetzlichen und strategischen Vorgaben entsprach. Im Ergebnis wurde stets ein sauberer Gewinn ausgewiesen, die Revisionsberichte waren in Ordnung. Wir sahen keinen Anlass, einzuschreiten.
Wie konnten Sie jahrelang zuschauen, wie im operativen Geschäft massive Verluste resultierten?
Bis Ende 2007 hatte der VR den Eindruck, die Wifag sei operativ gut unterwegs. Es gab kein aktives Reporting, insbesondere wussten wir nicht, dass wir Beschäftigung einkauften und so massiv draufzahlten.
Ab 2000 hatten Sie Einblick in die Details des Geschäftsgangs.
Nein, ich war damals nicht voll im Bild, es war für mich ein böses Erwachen 2007 und 2008. Wenn ich vor einigen Jahren die Details gekannt hätte, hätte ich darauf gedrängt, dass die Wifag eine Kooperation mit einem Partner anstrebt. Das wäre allerdings schwierig geworden. Ich will nichts Schlechtes über Tote sagen, aber für Ursula Wirz war das Thema Kooperation tabu. Heute zahlt die Wifag den Preis für die zelebrierte Unabhängigkeit.
Störte es Sie nie, dass niemand im VR aus der Maschinenindustrie kam?
Ich sagte schon vor zehn Jahren, es wäre mir angenehm, einen Unternehmer an Bord zu holen. Wir suchten nach einer Lösung, wurden aber nicht fündig. In dieser Hinsicht gab es ein Defizit. Nun wird der VR mit Fachleuten ergänzt. Zudem führe ich eine Alterslimite von 70 Jahren ein.
Die Konstellation an der Spitze war unglücklich. Sie und Herr Stein blockierten sich gegenseitig.
Nein, aber das war sicher nicht nach Schulbuch, eine Stiftungslösung ist nie ideal. Wäre die Wifag allerdings Stammhaus geblieben und hätten wir nicht die Holdingstruktur eingeführt, würden wir heute in viel grösseren Problemen stecken. (Der Bund)
Erstellt: 03.05.2010, 08:50 Uhr
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2 Kommentare
Mir hat ein Brancheninsider bereits im Jahre 2003 erzählt, dass die WIFAG de facto im roten Bereich rumserbelt. Es ist ein "Witz", dass Prof. Dr. U. Zimmerli angeblich nichts von den desolaten "Negativ-Margen" wissen will. Überhaupt: Solange er von der SVP profitieren konnte blieb er bei der SVP. M.E. ein durchschnittlicher Verwaltungsrechtler und Millionär, aber kein Unternehmer. Berner Filz... Antworten
Bern
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